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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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II

Zweites Kapitel.

Martin Behaim's Aeltern und Geschwister .

Martin Behaim's Vater hiess gleichfalls Martin , ein Umstand, der zu Verwechslungen mit dem Sohne Veran-lassung gegeben hat. Das Geburtsjahr des Vaters lässt sich so wenig wie das des Sohnes mit Genauigkeit angeben. 1 )Die meisten Nachrichten nennen als Geburtsjahr Martin Behaim's , des Vaters, das Jahr 1437. Da jedoch der Sohn,wie wir an seinem Orte sehen werden, im Jahre 1479 zwischen 20 und 25 Jahre alt war, so möchte wohl dasGeburtsjahr des Vaters um einige Jahre früher als 1437 fallen. Ich kann dasselbe nicht näher bestimmen, als dasses um 1530 anzusetzen sei; 1455 war er (siehe Urkunde I.) schon in Handelsgeschäften in Oestreich und musstealso damals doch schon etwas älter, als achtzehn Jahre, folglich vor 1437 geboren sein. Murr hat in seiner diplo-matischen Geschichte des Ritters Martin von Behaim Unrecht, wenn er das Geburtsjahr Martin Behaim’s , des See-fahrers, auf 1530 setzt; vielmehr wurde um dieses Jahr erst der Vater des Seefahrers geboren. Wir werden dieBeweise hievon an ihrem Orte beibringen. Martin Behaim , der Vater, trieb Handelsgeschäfte; Hauptgegenstandderselben waren Tücher. Er machte, wie bemerkt, in seiner Jugend Reisen in Handelsangelegcnheiten, vornehmlichnach Oestreich, war auch, wie es scheint (vergl. Urkunde III.) in Venedig. Da v. Murr eine Anzahl von Briefen,

*) Beide Männer haben in dieser Beziehung dasselbe Schicksalmit tausend anderen Namen des Alterthums und des Mittelalters. DieGeschichtswerke sind allerdings in den Angaben der Geburtsjahreberühmter Männer gerade nicht sehr verlegen; man darf aber versichertseyn, dass die meisten unrichtig sind und dass solche Angaben sich inder Regel der Wahrheit blos nähern. Die Angaben der Todesjahresind weit zuverlässiger, aus dem einfachen Grunde, weil berühmteMänner nicht schon bei ihrer Geburt die Aufmerksamkeit der Zeitgenossenauf sich lenken, wohl aber ihr Tod in näheren oder weiteren KreisenAufsehen erregt. Auf ein Nachforschen nach dem Geburtsjahre inTaufregistern ist auch noch in den späteren Zeiten des Mittelaltersnicht zu rechnen, da in diesen Registern, wo solche existirten, nur dieTaufnamen eingetragen wurden ; und so sind denn wohl bei den meistenCelebritäten der Vergangenheit, die nicht aus dynastischen Familienhervorgingen und schon durch ihre Geburt eine gewisse Wichtigkeiterhielten, die Geburtsjahre nur nach dem Jahr des Todes und dermuthmass liehen Lebensdauer berechnet. Hat sich Jemand einmalin älterer Zeit die Mühe genommen, ein solches Geburtsjahr zubestimmen, so schreiben ihm die Folgenden nach, und die falsche Nach-richt gilt um so sicherer für Wahrheit, je länger sie sich aus derVergangenheit heraufspinnt. Die Geschichte liegt in dieser Beziehungnoch sehr im Argen; wir lernen eine Menge Dinge als geschichtlicheWahrheiten, die es keineswegs sind, und Dies gilt namentlich von denGeburtsjahren grosser Männer der Vergangenheit. Wer sich einmaleinen einzelnen dieser Männer als besonderen Gegenstand herausnimmtund seiner Geschichte scharf nachforscht, wird die Wahrheit desGesagten bald bestätigt finden. Wissen wir doch noch heut zu Tageoft nicht von unseren nächsten Verwandten Geburtsjahr und Lebensalter

genau : wie sollte es anders möglich seyn, als dass Familiennachrichtenaus früherer Zeit häufig unrichtig sind und sich widersprechen? —Ich habe keine Mühe gespart, um mit Martin Behaim's Geburtsjahr,das bis jetzt immer unbestimmt geblieben ist, in’s Reine zu kommen,aber meine Bemühungen haben nur in so w'eit Erfolg gehabt, dass ichaus den vorhandenen Urkunden den Beweis liefern kann, er sey nichtum 1530, wie nach v. Murr bisher angenommen wurde, sondern 25bis 30 Jahre später geboren und die Jahre um 1530 seien vielmehrals Geburtszeit seines Vaters anzunehmen. Das Nächste und Sichersteschien mir freilich, auf die kirchlichen Register zurückzugehen und hierNachforschungen anzustellen. Dieselben reichen aber über die Zeitder Reformation nicht hinauf. Nun hat man allerdings auf der Nürn-berger Stadtbibliothek und auch anderwärts bei Privaten in Nürnberg viele sogenannte Geschlechterbücher, genealogische Verzeichnisse derpatricischen und anderer angesehenen Familien; allein die Angabendieser Bücher sind höchst unsicher; wenn auch mehre in derselbenJahrzahl übereinstimmen, so beweist dies Nichts für die Richtigkeiteiner Angabe, sondern gewöhnlich nur so Viel, dass die Verfasser dieZahlenangaben von einander entlehnten. Es liegen da in der Regelnur eine oder ein Paar selbständige Arbeiten zu Grunde, die übrigensind nach diesen, ohne neue Untersuchung, gefertigt oder wörtlichabgeschrieben ; auch reichen nur wenige derartige genealogische Notizenbis auf Behaim's Zeiten hinauf; sie wurden meistens am Ende dessechszehnten, im siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert zusammen-gestellt. Das Familienbuch der v. Behaim ’schen Familie wurde erstim vorigen Jahrhundert angelegt und ist in den Zahlenangaben bezüglichfrüherer Zeiten so unsicher, als andere Quellen.

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