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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
Entstehung
Seite
22
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Viertes Kapitel.

Martin Behainfs Jugend bis zu seinem Erscheinen in Portugal .

Wir können über die Jugend Behaim s aus Urkunden Nichts mittheiien, da sich hierüber Nichts vorfindet.Nur im Allgemeinen kann bemerkt werden, dass nach dem rührigen, strebsamen, nüchternen und frommen Geiste,der in der alten Reichsstadt Nürnberg herrschte, auch schon in jener frühen Zeit die Söhne von Aeltern, welchedie Rosten irgendwie bestreiten konnten, eine sorgfältige wissenschaftliche und moralische Ausbildung erhielten.Haben wir doch Beispiele, dass in Nürnberg damals selbst Leute, die sich einem Handwerk widmeten, (wie derbekannte Dichter Hans Sachs , geb. 1794, ein Schuhmacher, der Sohn eines Schneiders) in ihrer Jugend die LateinischeSchule besuchten und Unterricht in der Musik nahmen. Die Nürnberger Kaufleute gründeten in jener Zeit undschon früher überall in Europa Handlungen, wo sich Gewinn zeigte, in Italien, den Niederlanden, Frankreich, Spa-nien und Portugal * ja wir finden sie (Urkunden XX. — XXII.) schon wenige Jahre nach der Entdeckung des See-weges um das Cap der guten Hoffnung selbst in Ostindien. Die Söhne der Patricier, der angesehensten Rauf-leute der Stadt, mussten neuere Sprachen, besonders Italienisch, und kaufmännisches Rechnen lernen ’ sie wurden

strenge gehalten und durften sich keiner Arbeit, auch keiner Handarbeit entziehen, die mit dem Handel in Verbin-

dung stand. Nach ihrer Auslernung suchte man sie zu ihrer weiteren Ausbildung in eine auswärtige Handlung zubringen, was um so leichter anging, da die Familien überall Handelsverbindungen und in vielen bedeutenden Han-delsstädten Europa’s eigene Handlungen hatten. Auf diese Weise kam auch Martin Behaim als ein junger Mensch

nach den Niederlanden.

Was uns hier von besonderem Interesse sein muss, ist das Verhältniss des jungen Behaim zu Regiomontan ,dem grössten Mathematiker und Astronomen der damaligen Zeit.

Johannes Müller , der sich von seinem Geburtsorte Königsberg in Franken Regiomontanus nannte, war 1436geboren, ging 1451 nach Wien, um den berühmten Mathematiker und Astronomen Purbach (geh. 1423) zu hörenund wurde dort mit dem Cardinal Bassarion bekannt, auf dessen Betrieb Purbach den Almagest des Ptolemäus über-setzte. Nach Purbach’s Tod begleitete Regiomontan 1461 den Cardinal nach Italien , wo er die Uebersetzung desAlmagest vollendete, mathematische Handschriften sammelte, mit berühmten Italienischen Mathematikern Bekannt-schaften anknüpfte und sich abwechselnd zu Rom, Ferrara, Padua und Venedig aufhielt. WissenschaftlicheStreitigkeiten, welche ihn die Rachsucht seiner Gegner fürchten Hessen, veranlassten ihn, 1468 Italien plötzlich zuverlassen und wieder nach Wien zurückzukehren, nachdem er sieben Jahre in Italien zugebracht hatte. In Wien erhielt er die Professur seines Lehrers Purbach , ging aber bald auf Einladung des Ungarischen Königs Matthias nachRaab, und von da im Frühling des Jahres 1471 nach Nürnberg in der Absicht, dort in stiller, unabhängiger Müsseseine übrige Lebenszeit der Wissenschaft und Herausgabe mathematischer und astronomischer Werke zu widmen.Er blieb jedoch nur vier Jahre in Nürnberg, bis Ende Juli 1475. Der Papst Sixtus IV. hatte ihn zum Bischof vonRegensburg erhoben und nach Rom eingeladen, um den Calender zu verbessern. Nur ungern folgte Regiomontandiesem Ruf; er konnte in Rom seine Aufgabe nicht völlig zu Ende bringen, da er daselbst schon am 6. Juli 1476in seinem vierzigsten Lebensjahre starb.

Regiomontan's Aufenthalt in Nürnberg war für die wissenschaftlichen Bestrebungen der Bürger dieser Stadtvon dem wohlthätigsteu Einfluss. Er hatte sich im Interesse seiner Wissenschaft Nürnberg zum Wohnort gewählt,