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weil er hier, wie er sagte 1 ), bei den vielen Handelsverbindungen und Reisen der Nürnberger Kaufleute nach allenRichtungen Deutschland’s und Europa’s gewisserinassen iin Centruin von Europa sich befand, mit den Gelehrten allerLänder in wissenschaftlichen Verkehr treten konnte und daneben auch die nöthigen Hülfsrnittel für seine Bestrebungenvorfand. Wie er seinerseits die allgemeinste Achtung der Bürgerschaft genoss, so wirkte er selbst wieder sehrwolilthätig auf eine Bevölkerung, in welcher sein Ruhm und seine Thätigkeit das Interesse für mathematischeWissenschaften in hohem Grade rege gemacht hatte. 2 ) Ein reicher Bürger der Stadt, Bernhard Walther , richteteauf seine Kosten eine Druckerei ein, um Regiomontan’s Werke zu vervielfältigen, und lieferte die Mittel zur Her-stellung mathematischer und astronomischer Instrumente. Aus dieser Druckerei sollten nach und nach nicht blosRegiomontan’s eigene Schriften, sondern auch die wichtigsten mathematischen, geographischen und astronomischenWerke alter und neuer Autoren in correcten, von Regiomontan besorgten Ausgaben hervorgehen. 3 ) Daneben hatteRegiomontan eine eigene Werkstatt für die Anfertigung mathematischer und astronomischer Instrumente an-gelegt. Hier wurden von ihm grosse Radii Ilipparchici oder Ptolemaici, Regulae Ptolemaei, Armillae, Quadrata geo-metrica, Torqueta, Himmelsgloben, Compasse etc. und ein berühmtes Astrarium gefertigt, welches in automatischerWeise die Bewegung der Himmelskörper zeigte und öffentlich ausgestellt wurde. Mehre Instrumente, darunter auchAstrolabien, werden aus Regiomontan’s Sammlung noch bis heute auf der Nürnberger Stadtbibliothek auf bewahrt.Auch die Geographie machte er zum Gegenstände seiner wissenschaftlichen Bestrebungen ♦ er wollte die geographi-schen Nachrichten aus den besten Quellen zusammenstellen und neue Karten entwerfen 4 ) • doch erreichte ihn derTod zu frühe, um noch an diese Arbeit zu kommen. Bemerkenswerth ist es für uns, dass er auch mit dem Flo-rentinischen Mathematiker Toscanclli in freundlichem Verkehre stand, demselben, der dem Culumbus eine Karte lieferte,worauf der Weg angezeigt war, den er nach Westen einzuschlagen habe, um nach Ostindien zu gelangen. Rcgio-monlan widmete dem Toscanelli 1634 seine Abhandlung „de quadratura eirculi“, d. h. seine Widerlegung der Behaup-tungen des Cardinais Nicolaus Cusanus , der dieses Problem gelöst zu haben glaubte. Regiomontan's plötzliches Endein Rom (6. Juli 1476) setzte die Einwohner von Nürnberg , die er erst im Juli 1475 in der Hoffnung verlassenhatte, bald wiederzukehren, in die tiefste Bekümmerniss. Er hatte nicht Wenig dazu beigetragen, Nürnberg auchin wissenschaftlicher Beziehung zu einem Stern erster Grösse in der damaligen gebildeten Welt zu erheben. 5 ) SeineBibliothek und seine mathematischen Instrumente kaufte der oben genannte Bernhard Walther , der aber nun eigen-sinniger Weise Nichts von Regiomontan’s hinterlassenen Manuscripten veröffentlichte. Nach Walther's Tod verkauftendie Erben den Nachlass, wodurch es ermöglicht wurde, noch weitere Schriften Regiomontans durch den Druck zuvervielfältigen. 6 )
Wenn eine ganze Stadt mit Interesse den wissenschaftlichen Bestrebungen eines Mannes folgt, dessen Aufent-halt in ihren Mauern ihr vor den Zeitgenossen zum grössten Ruhme gereichte: sollte es unwahrscheinlich sein,dass Martin Jiehaim , der schon in den ersten Mannesjahren als berühmter Geograph und Astronom auftritt, der alsoaugenscheinlich in seiner Jugend mathematische und astronomische Studien gemacht haben musste, die Bekanntschaft
1 ) Regiomontan sagt in einem Briefe an den Mathematiker M.Christianus in Erfurt vom Jahre 1471: Nuperrime Norimbergam mihidelegi domum perpetuam , tum propter commoditatem instrumentorummaxime astronomicorum , quibus tota sideralis innititur disciplina ,tum propter universalem conversationem fäcilius habendam cumstudiosis viris ubicunque vitam degentibus , quod locus ille perindequasi centrum Europae propter exoursum mercatorum habeatur.Dasselbe sagt der bekannte Dichter Conrad Celtes in seiner descriptiourbis Noribergae cap. VI.: Joannes Regiomontanus , conterraneusnoster , astronomorum et mathematieorum nostrae aetatis facile prin-ceps, propter universalem conversationem urbemNoribergam in per-petuum domicilium sibi elegit, ut cum viris mathematicae studiosiscommercia et observationes suas opportune habere posset.
2 ) Doppelmayr, historische Nachricht von den Nürnberger Mathe-maticis p. 6.
3 ) Die Werke, welche aus dieser Druckerei hervorgingen, sindder Reihe nach folgende : Purbachii tlieoricae planetarum novae. —Manilii astronomica. — Regiotnontani ephemerides , die von 1474 bis
1506 reichten. — Ein Kalender Regiomontan's auf das Jahr 1476,
Lateinisch, in Quart. Er wurde später in Venedig in Folio, dann auch
in Nürnberg Deutsch gedruckt. — Ein Katalog über die Werke, dieer noch herauszugeben beabsichtigte; Regiomontan wollte auf diese Weisedas Gutachten der Gelehrten über diese Unternehmungen vernehmen. —
Disputationes Jo. de Regiomonte contra Gerhardi Cremonensis inplanetarum theoricas deliramenta. — Regiomontani tabulae dire-clionum. Mitten aus dieser literarischen Thätigkeit riss ihn die Berufungdes Papstes Sixtus IV. nach Rom .
4 ) Er äusserte sich in dieser Beziehung (JP. Gassendi , de vitaRegiom. p. 363): Fiet descriptio totius habitabilis terrae notae, quamvulgo appellant Mappam mündig caeterum Germaniae particularistabula , item Italiae, Hispaniae , Galliae universae Graeciaeque , sedet suas cuique historias ex auctoribus plurimis cursirn völligerestatutum esl , quae videlicet ad montes , quae ad niaria, ad lacusamnesque ac alia parlicularia loca spectare videbuntur.
5 ) Gassendi vita Regiom. p. 368: Regiomontanus in inelytacivilate Noriberga habitus fuit veluti parens, a quo bonae artes itapropagari coeperunt, ut ex eo usque tempore nusquam magis ßoruerint.— Petr. Rami scholia mathem. p. 65: Noriberga , tum Regiomon-tano fruebalur, mathematici inde et studii et operis gloriam tantamadepta, ut Tarentum Archyla, Syracusae Archimede, ByzantiumProclo , Alexandria Ctesibio non justius quam Noriberga Regiomon-tano gloriari possit.
6 ) Ausführlich handelt hierüber: Doppelmayr , historische Nach-richt von den Nürnberger Mathematicis und Künstlern. Nürnberg 1730. pag. 12 ff.