Buch 
Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
Entstehung
Seite
37
JPEG-Download
 

39

Ich verweise, um Wiederholungen zu vermeiden, was die näheren Verhältnisse dieses Mannes betrifft, auf die ange-fügte Abhandlung von Trigozo. Ohne Zweifel stand dieser Jobst von Hurter in steter Verbindung mit seinemHeimathlande Flandern. Wenn man berücksichtigt, dass Behaim schon in den ersten Jahren seines Aufenthaltsin Portugal beim dortigen Hofe in so grossem Ansehen stand * so muss man wohl annehmen, dass er mit bedeutendenEmpfehlungen dahin gekommen, dass es also wohl dieser Jobst von Hurter selbst gewesen sei, der ihn auf einerReise in den Niederlanden kennen gelernt und nach Portugal gebracht hatte.

Siebentes Kapitel.

Behaim ’’s Astrolabium.

Als eine der nothwendigsten Vorbedingungen für die Erreichung seiner Zwecke erkannte Johann II. diePflege der nautischen Wissenschaften unter seinem Volke* er dachte daher gleich beim Anfang seiner Regierungauf Mittel, dieses Studium zu heben und den Seefahrern bessere Hülfsmittel in die Hand zu geben. Schon seinVorgänger Alphons hatte die nautischen Wissenschaften begünstigt* er trieb sie selbst, verfertigte astronomischeInstrumente und schrieb sogar über nautische Gegenstände, um dem Adel in dieser Beziehung ein ermunterndesBeispiel zu geben. Johann II. bildete aus den ausgezeichnetsten Mathematikern seines Landes eine Gesellschaft(wie es ^scheint, sogleich bei seinem Regierungsantritt, denn sie ist 1483 schon vorhanden und prüft die Vorschlägedes Columbus), deren Aufgabe sein sollte, die Instrumente der ausübenden Kosmographie zu vereinfachen, neue zuentdecken und geographische, mathematische und nautische Kenntnisse unter den Portugiesen zu verbreiten. DieStatuten dieser Gesellschaft sind nicht näher bekannt, wohl desshalb nicht, weil ihre Arbeiten vor dem Ausland geheimgehalten werden sollen. Sie hielt ihre Sitzungen im Hause des Pedro de Alcacova in Lissabon und hatte zuMitgliedern Jose und Rodrigo, Leibärzte des Königs, Martin Behaim , den Bischof von Ceuta Diogo Ortiz,den Bischof von Viseu Calcadil ha *).

Ganz besonders war es dem König darum zu thun, dass für die Seefahrer ein Mittel ausfindig gemacht werde,sich auf dem Meere, auch wenn sie die Ufer aus dem Gesicht verloren hätten, zurecht zu finden ; denn wenn ihnenauch der Compass die Himmelsgegend an die Hand gab, nach welcher sie zu steuern hatten, so waren sie dochungewiss, unter welchen Breitengraden sie sich befänden. Johann II. trug daher dem Martin Behaim und denbeiden Leibärzten Jose und Rodrigo, wie Barros erzählt 2 ), auf, in gemeinschaftlicher Berathung ein Mittel

*) Schäfer, Gesch. v. Portugal III, 74. Der Bischof Calfa-dilha oder Calpadillo trug diesen Namen, weil er zu Cal^adillain Galicien geboren war. Nach v. Humboldt lirit. Unters. I, 103 An-merk. sind Diogo Ortiz und Calfadillo nur eine Person; der Prälathätte Don Diogo Ortiz geheissen oder auch Doctor Calfadillo, weil erin Cal^adillo bei Salamanca geboren gewesen, und habe den Bischofs-sitz von Ceuta eingenommen.

2 ) Bar ros kommt auf das Behaim ’sche Astrolabium dec. I.lib. IV. cap. 2 zu sprechen, w’o er die Reise des Vasco de Gainanach Indien erzählt. Er sagt, Vasco de Gama sei an der BaySet. Helena an der Afrikanischen Küste an das Land gestiegen, umWasser einzunehmen und die Sonnenhöhe zu bestimmen. „Denn dadie Portugiesischen Seeleute sich erst seit kurzer Zeit des Astrolabiumsbei der Schifffahrt bedienten und die Schiffe klein waren, so wagte

er es wegen der Schwankung des Schiffes nicht, die Sonnenhöhe anBord aufzunehmen, besonders mit einem hölzernen Astrolabium von dreiPalmen Durchmesser, das man nach Art eines Sägebocks auf drei Pfäh-len befestigte, um die Sonnenlinie besser zu bestimmen und die Höheeines Ortes genau angeben zu können ; doch hatten sie auch kleinereAstrolabien von Messing. Da das Astrolabium in Portugal zuerst fürdie Schifffahrt angewandt wurde, so wird es wohl am geeigneten Ortesein (fährt Barros fort), wenn ich, wiewohl ich im ersten Buchemeiner Geographie diesen Gegenstand ausführlicher behandle, hier an-zeige, wann und von Wem'es erfunden worden. Zur Zeit, wo derInfant Heinrich die Entdeckung von Guinea begann, schifften dieSeeleute nur an der Küste, die sie zur Richtschnur nahmen ; von die-ser hatten sie Kenntniss durch Zeichen, die in den Seereisebüchernangemerkt waren, wie man sie noch jetzt hie und da im Gebrauche

10