Buch 
Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
Entstehung
Seite
38
JPEG-Download
 

38

ausfindig zu machen, welches die Seefahrer in den Stand setzte, den Ort auf dem Meere zu bestimmen, wo sichdas Schiff befinde. Diese drei Männer erfanden, wie Barros sagt, die Kunst, nach der Sonnenhöhe zu schiffen:sie berechneten Declinationstafeln für die Sonne und wandten das Astrolabium für die Schifffahrt an. Das Astro-labium war vor Beliaim’s Ankunft in Portugal den Portugiesen nicht völlig unbekannt. Schon seit dem Schlüsse

des dreizehnten Jahrhunderts waren auf den Schiffen der Kastilianer Instrumente in Gebrauch, wodurch man auf

dem Meere die Stunde der Nacht durch die Sterne finden konnte: ein solches Instrument erfand Raimund Luliusund hat es 1295 in seiner „arte de navegar“ beschrieben. 3 ) Aber gleichwohl scheinen die Portugiesen das Astrola-bium für die Seefahrt nicht gebraucht zu haben, bis es die vom König Johann II. ernannte Kommission für dieMessung der Sonnenhöhe in Vorschlag brachte. Barros ist in seinem Berichte nicht ganz klar. Er sagt, diePortugiesen seien die Ersten gewesen, welche das Astrolabium zur Schifffahrt angewandt, und zu Vasco de Gama’s Zeiten sei dieses Instrument erst seit Kurzem im Gebrauch gewesen. Das deutet offenbar darauf, dass es erstdurch die genannte Kommission in Vorschlag gebracht worden. Damals, fährt er fort, habe man noch ganz rohe,aus Holz gemachte Astrolabien gebraucht, die auf einem hölzernen Dreifuss aufgelegt worden seien ; allerdings mögeinan aber auch solche von Messing gehabt haben. Ich glaube, dass eben ein Hauptverdienst des Martin Behaim bei dieser Kommission darin bestand, dass er die Portugiesen statt der auf einem Holzbock befestigten Astrolabien,wie man sie für Höhenmessungen auf dem Lande gebrauchte und wie sie natürlich auf dem Schiffe jeder Schwan-kung ausgesetzt waren, auf feiner gearbeitete Astrolabien von Messing aufmerksam machte, die man an den Mast

hin«* und die durch ihre Schwere auch bei mässiger Schwankung des Schiffes die senkrechte Richtung behielten.

Dass Behaim unter den drei Männern der Kommission das meiste Verdienst um diese Verbesserung undAnwendung des Astrolabiums für die Seefahrt gehabt habe, wird auch von den Schriftstellern der PyrenäisclienHalbinsel nicht in Zweifel gestellt. Behaim war aus der Stadt 4 ), aus welcher der Papst den berühmten Regio-

liat. Für derartige Entdeckungsreise!! mochte Dieses genügen. Sobaldsie aber die entdeckten Reiche in der Art befahren wollten, dass siedie Küste aus den Augen verloren und in die hohe See steuerten, er-kannten sie, wie sehr sie sich in der Schätzung und Bemessung nachTagfahrten, die sie dem Schiffe nach ihrer Weise auf 24 StundenWeges beilegten, irrten, sowohl in Folge der Strömungen, als andererGeheimnisse, welche das Meer verbirgt, w ährend die Sonnenhöhe denzuriickgelegten Weg ganz zuverlässig angibt. Wie nun die Noth dieLehrerin aller Künste ist, so vertraute der König Don Joäo II. diesGeschäft in seiner Zeit dem Meister Rodrigo und Meister Josepe,einem Juden, welche beide seine Leibärzte waren, und einem Martinvon Böhmen, der in jenem Lande gebürtig war und sich rühmte,ein Schüler des Johannes Regiomontanus , eines unter den Leh-rern dieser Wissenschaft berühmten Astronomen zu sein. Diese Männernun erfanden die Kunst, nach der Höhe der Sonne zu fahren. Siemachten Tabellen nach der Abweichung der Sonne, wie sie jetzt unterden Seeleuten gebräuchlich sind, und zwar genauer, als im Anfang, woman sich noch dieser grossen hölzernen Astrolabien bediente. <£ —

Wahrscheinlich nach Barros erzählen verschiedene Schriftstellerdasselbe. So sagt der Portugiese Emmanuel Tellesius Sylvius(f 1709) in seinem Leben König Johann II. (de rebus gestis Joan-nis II): Ut minore cum errandi periculo ignotum mare navigariposset, Roderico et Josephe, medicis suis, nee non Martino Bo-hemo, ea aetate peritissimis matliematicis, injunxit Joannes II.,ut, adhibito inter se consilio, excogitarent aliquid, quo nautae cur-sum navium, licet in nostro novoque pelago, tutius dirigerent, ut velabstracti a notis sideribus cognitisque liloribus, quam coeli et pelagipartem tenerent, aliquo modo cognoscerent. Ii post indefessum Stu-dium longamque mcditationem aslrolabium, instrumentum, quod anteastronomiae tanlum inserviebat, utiliori invento ad navigandi artem,maximo navigantium commodo transtulere, quod beneficium totaEuropa Jöanni debere, inficiari non potest. — Der Italienische Je-suit Peter Maffei (geb. zu Bergamo , gest. 1603) sagt im ersten Bucheseiner historiarum Indicarum: Deinde ad ulteriora requirenda pro-batae virtutis fideique homines familiäres suos dimisit Joannes II.,atque id quo libentius facerent ac minore cum, erroris periculo sesevastum in Oceanum darent, peritissimis ea tempestate matliematicis

Roderico et Josephe, medicis suis, itemque Martino Bo emo, quise Jo&nnis Monteregii alumnum ferebat, negotium dedit, aliquidcommuni consilio excogitarent ad cursum navium in pelago quam-vis ignoto regendum : ut vel abductus a conspectu familiarium sibisiderum nauta , quam tarnen eoeli plagarn, quam remota ab orbenostro loca teneret, aliqua posset ratione conjicere. Ii, quam acer-rimo studio re diu multumque agitata, aslrolabium denique instru-mentum, quod antea ad colligendos slellarum rnotus dumtaxat astro-nomi adhibere consueverant, praeclaro sane invento ad usum reimaritimae transtulerunt, ac pari solertia declinationum tabulas eon-fecere, quibus hodie naucleri ad explorandam locorum (quemadmo-dum cosmographi appellanl) latitudinem utuntur: ut non parum• hoc eliam nomine tota Europa Lusilaniae debeat. — Der Französische Rechtsgelehrte Petrus Matthäus, der am Ende des 16. Jahrhundertslebte, sagt in seinen Anmerkungen zum canonischen Recht (ad VII.decretal. I. I., tit. IX., de insulis novi orbis) ungefähr dasselbe, dassnämlich «opera peritissimorum mathematicorum, Rotheri et Josephi etMartini Bohemi," das Astrolabium, welches vorher nur von Astro-nomen angewandt worden, ad cursum navium in pelago, quamvisignoto regendum in Vorschlag gebracht worden sei, ut vel abductusa conspectu familiarum sibi siderum nauta, quam tarnen coeli pla-gam, quam remota ab orbe nostro loca teneret, aliqua posset rationeconjicere. Matthäus scheint die Indische Geschichte von Maffei,der übrigens seine Studien dazu auf der Pyrenäischen Halbinsel selbstgemacht, an der Hand gehabt zu haben ; denn er gebraucht öfters dienämlichen Worte.

3 ) v. Humboldt krit. Unters. I. 235.

4 ) Nürnberg , obwohl mitten im Binnenlande gelegen, musstebei den seefahrenden Nationen und ohne Zweifel auch bei den Por-tugiesen, nicht blos seines ausgedehnten Handels wegen, sondernauch wegen seiner Pflege der Wissenschaften, welche auf die SeefahrtBezug hatten, in gutem Klange stehen. Kompasse wurden damalsfast nur in Nürnberg gemacht; es waren der Kompassmacher in jenerStadt so viele, dass sie sich 1510 zu einer besonderen Zunft ver-einigten. In Nürnberg waren 1473 die berühmten, von den Seefah-rern jener Zeit so sehr gesuchten Epheineriden Regioniontan’serschienen, worin der Ort der Sonne und anderer Himmelskörper vom