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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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und Nachforschungen anzustellen. Alexander v. Humboldt wenigstens muss bekennen, dass die Zeitbestim-mungen des Bar ros leider in geringerem Einklänge mit den Ereignissen stehen, als die des Herrera 4 ).

Die Häuptschwierigkeit, welche die Berichte Behaim’s und Barro’s bieten, besteht darin, dass Behaim nur von einer Beise spricht, Barros aber zwei Reisen des Diogo Cäo erwähnt, die er schnell nach einanderausgeführt habe. Wollte man sagen, Behaim habe eben nur eine dieser Reisen mitgemacht, nämlich die erste,wo, nach Barro’s Bericht, Diogo Cäo bis an den Fluss Congo oder Zaire kam, dort vier Portugiesen zurück-liess und vier Neger mitnahm, unter dem Versprechen innerhalb 15 Monaten wieder in Congo zu sein; so würdezu dieser Ansicht wohl das Jahr 1484 stimmen, welches Behaim und Barros als Zeit der Abfahrt namhaftmachen, aber durchaus nicht die Angabe des Endpunktes der Reise. Denn nach Barros hat Diogo Cäo bei seinerersten Reise clen Grenzpfeiler an die Mündung des Flusses Congo (unter dem 8° südlicher Breite) gesetzt und zwarim Jahre 1484; und auf der zweiten Reise wäre er bis zum 22.° südlicher Breite, 14 Breitengrade vom Vorgebirgeder guten Hoffnung, gekommen und hätte dort einen Pfeiler mit dem Portugiesischen Wappen aufgerichtet. Diesist aber der Ort, ja noch etwas mehr gegen das Vorgebirg der guten Hoffnung hin, von dem Behaim sagt, dassseine Schiffe dahin gekommen und dass daselbst am 18. Jan. 1485 der Pfeiler aufgerichtet worden sei. Nach dieserNotiz hätte also Behaim wieder die zweite Reise mitgemacht haben müssen, wobei freilich die Angabe des Barroseinen schneidenden Widerspruch bildete, dass Diogo Cäo von der ersten Reise erst 1486 zurückgekehrt sei. DieseAngabe des Bar ros ist aber wohl unrichtig; denn nach seiner eigenen Erzählung war Diogo Cäo schon vonseiner zweiten Reise zurück, als Bartholomäus Dias im August 1486 seine Entdeckungsreise antrat. Er berichtetnämlich Dec. I., lib. III. cap. 3, dass Diogo Cäo, höherem Aufträge gemäss, auf seiner zweiten Reise südlich vonCongo einige Neger gefangen genommen, damit sie spätere Seefahrer als Dollmetscher gebrauchen könnten. Diese Neger,sagt er weiter im 4. Kapitel, habe Bartholomäus Dias , der im August 1486 abgesegelt sei, mitgenommen undin ihrer Heimath an’s Land gesetzt. Man sieht nicht ein, warum Behaim, wenn er bloss die erste Reise mitgemachtund bis an den Fluss Congo gekommen, vor seinen Nürnberger Landsleuten sich den Schein hätte geben sollen,dass er bei der zweiten gewesen und 14° weiter gegen Süden vorgedrungen sei; denn vor den Nürnberger»konnten einige Grade mehr seinem Ruhm keinen Zuwachs geben. Da bei Barros nur von einem Schiffe die Redeist, welches von der ersten Reise nach Portugal zurückgekehrt sei; so möchte sich vielleicht die Schwierigkeit da-durch heben, dass Diogo Cäo nur mit einem Schiff zurückgekehrt wäre, das andere, auf welchem Behaim sichbefand, die Entdeckungen an der Küste fortgesetzt hätte und Diogo Cäo, sowie er in Portugal Bericht erstattethatte, sogleich wieder umgekehrt sei.

Nach Behaim’s Angabe entdeckte man auf dieser Reise die Prinzen- und Set. Thomas-Insel in der Nähedes Aequators, wohl eben mit Hülfe des Behaim ’sehen Astrolabiums, das den Schiffern erlaubte, sich von der Küstezu entfernen; vorher waren tiefer im Oceän gelegene Inseln nii'r zufällig, durch Stürme, welche die Schiffe dahinverschlügen, gefunden worden. Nach einer Bemerkung bei Schedel erlag ein grosser Theil der Mannschaft derExpedition dem heissen Klima. Das wichtigste Product, welches die Portugiesen zuerst auf dieser Reise in seinerHeimath kennen lernten und mit nach Portugal brachten, waren die Paradieskörner oder der AfrikanischePfeffer (malagueta), der fortan einen bedeutenden Handelsartikel für die Portugiesen ausmachte 5 ).

Nach der Rückkehr von dieser Reise wurde Martin Behaim vom König Johann II. zum Ritter desChristusord’ens geschlagen. Der König selbst umgürtete ihn mit dem Schwert, der Kronprinz, nachherige KönigManuel , schnallte ihm den rechten Sporn an; die Ceremonie geschah in Gegenwärt der Königin und des ganzenHofes. Trigozo will diesen Ritterschlag bezweifeln, da ein alter Zettel im Behaim ’schen Archive (vergl. UrkundeVIII.) welcher denselben berichtet, falsches Datum, unverständliche Personennamen und Orte angebe. Allein es istzu berücksichtigen, dass dieser Zettel nicht von Behaim’s Hand geschrieben ist und die Portugiesischen Namenvon einem späteren Deutschen Aufzeichner sehr natürlicherweise verunstaltet werden konnten. Behaim war aller-dings im Februar 1485 noch auf der Reise; der Schreiber hat also den Monat falsch gemerkt. Dass Behaim wirklichRitter des Christusordens gewesen, geht nicht blos daraus hervor, dass er auch in den ältesten Notizen, die wirin den Geschlechterbüchern über ihn besitzen, als Portugiesischer Ritter bezeichnet wird, und dass er selbst seinen

4 ) Krit. Unters. I, S. 245. Note.

5 ) Die Paradieskörner, grana Paradisi oder Cardamo-muffi maximuM) werden von der Küste Malagueta im nördlichenGuinea , wo sie vorzüglich wachsen, auch Malagueta oder Mani-gueta genannt und wurden in früherer Zeit statt des Pfeifers gebraucht,

den sie aber an Schärfe nicht erreichen. Gegenwärtig bedient mansich derselben noch, um dem Essig und Branntwein eine trügerischeSchärfe zu geben ; auch werden sie dem gestossenen Pfeifer beige-mischt, da sie etwas wohlfeiler sind, als echter Pfeifer. Als Heilmittelwerden sie schon lange nicht mehr angewendet, da ihre Wirkung mitjener der Cubeben und des Pfeifers ziemlich übereinkommt.