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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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zu entziffern, welchem Befehlshaber seine Fahrten zugehörten. Viele wichtige Berichte aus jener Zeit konntenselbst ganz verloren gehen 7 ): in anderen bleiben oft die wichtigsten Thatsaehen unerwähnt. So weiss z. ß. derberühmte Spanische Geschichtsschreiber Herrera 8 ), der doch Martin Behaim’s erwähnt, Nichts von dem ItalienischenGelehrten Toscanelli, mit dem Columbus im Briefwechsel stand, dem er vielleicht die Idee verdankte, gegen Westeneinen Weg nach Ostindien zu suchen. So erwähnt der gleichzeitige Spanische Schriftsteller Oviedo nicht eineinziges Mal des Vespucci 9 ), der bei dem Spanischen Hofe doch so angesehen war. So findet sich der Name desChristoväo Jaquez, dessen wir in dem chronologischen Verzeichniss der Entdeckungsreisen erwähnt haben, weder, wieman doch erwarten sollte, in der Chronik des Damiäo de Goes, noch in dem Generalverzeichniss sämmtlieherPortugiesischen Fahrten von Faria y Sousa 10 ), So wird in den Briefen des Amerigo Vespucci der Name desColumbus nur ein einziges Mal und zwar als des Entdeckers der Insel Antilia erwähnt 11 ). So war es bis aufdie neuesten Untersuchungen des Muiioz 12 ). unbekannt, wo Vespucci gestorben sei; man vermuthete, auf denAzorischen Inseln. Und wenn man sich wundert, dass Martin Behaim’s Name sich in den heutigen Portugiesischen Archiven nicht vorfinde und aus diesem Umstand auf eine geringere Bedeutung dieses Mannes für Portugal schliessenwill; so ist es eben so sehr zu wundern, dass auch der Name des Vespucci in Portugiesischen Archiven nichtaufgefunden werden kann 13 ); während sich doch König Manuel von Portugal so viele Mühe gab, diesen Mann demSpanischen Hofe abspenstig zu machen, während Vespucci gegen vier Jahre (von 1501 — 1504) in PortugiesischenDiensten sich befand, zwei Reisen im Aufträge des Königs nach Amerika übernahm, um eine Durchfahrt nach Ost-indien zu finden, und mit so grosser Freude, als ein für die Entdeckungsreisen höchst bedeutender Mann, vomSpanischen Hofe wieder aufgenommen und zum Piloto mayor ernannt wurde.

Da ich oben die Stelle aus Schedel’s Chronik, welche von Martin Behaim handelt, ausführlich mitgetheilthabe, so wird wohl auch am zweckmässigsten sogleich hier in diesem Kapitel ein Gegenstand besprochen werden, derdem Martin Behaim viel Missgunst und zahlreiche Gegner erweckt hat, wiewohl er selbst in der Sache völligunschuldig ist, ich meine die Behauptung, dass Behaim vor Columbus nach Amerika gekommen sei und als dereigentliche Entdecker Amerika’s gefeiert werden müsse.

Es ging diese Behauptung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von der Nürnberger Universität Alt-dorf aus, wo sie ein berühmter Polyhistor Job. Christoph Wagenseil (geb. 1633 zu Nürnberg , gest. 1705) zuerstaufstellte. Dieser Mann, der weite Reisen gemacht, sich auch längere Zeit auf der Pyrenäischen Halbinsel aufge-halten, als gründlicher Kenner des Rechtes, der Geschichte und der Orientalischen Sprachen auch ausserhalbDeutschlands einen grossen Ruf genoss, so dass er vom König Ludwig XIV. einen Gnadengehalt bezog, missbrauchtesein Ansehen in der gelehrten Welt, um der Familie Behaim ein Verdienst zuzueignen, auf das sie keinen Anspruchmachte und an das Wagenseil wohl selbst kaum glaubte. In einer Lateinischen Lobrede 14 ), die er im Jahre

7 ) So z. B. ist das Werk des Coelho über das PortugiesischeAmerika, das er nach eigener Anschauung verfasst und dem KönigJohann III. überreicht hat, völlig verloren.

8 ) Antonio de Herrera , den wir öfter erwähnen W'erden, geb.1659, gest. 1625, war anfangs Sekretär des Vicekönigs von Neapel ,dann, unter Philipp II. von Spanien, Historiograph von Indien und Staats-sekretär. Wie der Portugiese Barros über Ostindien, so ist der Spa-nier Herrera der bedeutendste Schriftsteller über Westindien . SeinWerk ist betitelt: Historia general des las Indias Occidentales, ode los Hechos de los Castellanos en las Isias y Tierra firme del MarOceano, des de el ario 1492 hasta el de 1554. Es erschien Madrid 1601—1615.

9 ) v. Humboldt krit. Untersuchungen II. 489. Oviedo, geb.1478 zu Madrid , Page am königlichen Hofe zur Zeit der ersten Fahrtdes Columbus , wurde von König Ferdinand 1513 als Direktor desHandels und der Bergwerke nach Hayti gesendet, und 1547 zum kö-niglichen Historiographen ernannt. Sein Todesjahr ist unbekannt. Erschrieb: La historia general y natural de las Indios Occidentales1535, und schon früher 1525: Summario de .la natural historia delas Indios .

10 ) v. Humboldt, krit. Untersuchungen III., 105.

n ) i. Venimus ad Antigliae insulam, quam paucis nuper ab an-

nis Christophorus Columbus discooperuit. " Er versteht darunter die

Insel Hispaniola .

12 ) Muüoz, Professor der Philosophie in Valencia , schrieb einehistoria del nuevo mundo, starb 1799.

13 ) v. Humboldt, krit. Untersuchungen II. 330. 333.

,4 ) Die Rede führt den Titel: Sacra parentalia, quae DJs Ma-nibus prosapia nobilissimi, virtulibus strenuissimi, honoribus eminen-tissimi et omnino summi viri Domini Georgii Friderici Behaim ide Schwarzbach, inclutae reipublicae Noribergensis Senatoris , Sep-temviri et Scholarchae etc. in magnis ab eo beneficiis immortaliteraucta Altdorfma Academia publica pietate libens meritoque persolvitJoh. Christoph. Wagenseilius, ante diem XVII. Augusti a. C.MDCLXXXII. — Nachdem der Verfasser verschiedener Behaimelobend erwähnt, kommt er Seite 16 auf Martin Behaim mit denWorten : TSunc tandem retro paulum legendo vcstigia et ad seculumdecimum quintum jam adultum redeundo, extra ordinem, cum hor-rore et religione commemorandus mihi est, in prodigium et gloriamomnis aevi exortus, incomparabilis et divinus heros MARTINIISBEHAIMUS, Martini Behaimi et Agnetis Schopperiae, hoc est,Tritavi tov [acmuqitov ex fratre filius: quem non Noriberga , nonGermania, non Europa , imo ne totus quidem immensis terrarum or-bis cepit. Is enim, cum a teneris, quod Graeci dicunt, unguiculis,ad coeli siderumque doctrinam animum elecasset, maturus aetateBelgium adiit, ubi tum Isabella, Johannis 1., Lusitaniae regis filia,post obitum mariti (Philippus III. Burgundus , cognomento Bonus,hic fuit) domin ab atur. Isti operarm cum addixisset suarn ac singu-