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Cincinnati 1847, S. 1 — 8) nicht unterstützen, wenn sie auch jetzt noch die Behauptung aufrecht erhalten wollen,dass Beliaim der erste Entdecker Amerika’s gewesen sei; so lassen wir ihm doch auch das Verdienst nicht nehmen,dass er für diese Entdeckung von wesentlichem Einfluss gewesen sei. Doch davon im nächsten Abschnitt.Wagenseil’s Behauptungen, dass Behaim die Azorischen Inseln entdeckt, auf seiner Afrikanischen Reise nachBrasilien gekommen und die Mageliansstrasse aufgefunden habe, bedürfen für uns keiner weiteren Widerlegung.Die Azorischen Inseln werden in Portugiesischen Urkunden schon 1447 erwähnt; für die letztere Behauptung müsstenerst die Beweise beigebracht werden. Allerdings heisst es in Schedel’s Chronik und nach ihr in der eingeschobenenStelle bei Aeneas Sylvius, dass Diogo Cäo und Behaim , nachdem sie den Aequator überschritten, in eine andereWelt gekommen seien, wo ihr Schatten gegen Mittag und zur Rechten gefallen sei, wenn sie sich gegen Morgenstellten; allein diese Stelle ist augenscheinlich nur dahin zu verstehen, dass sie zuerst in die südliche Halbkugelübergetreten seien, die mit ihren Sternenhimmel allerdings damals für die Europäer eine neue Welt war. Nunwissen wir freilich, dass auch Cabral im Jahr 1500, als er beabsichtigte, nach dem Cap der guten Hoffnung zusegeln, durch Stürme und Seeströme nach Brasilien verschlagen wurde; es berechtigt uns aber Nichts zu der Ver-muthung, dass Behaim schon im Jahre 1485 dasselbe Schicksal gehabt; im Gegenfheile steht dieser Vermuthung dieStelle in Schedel’s Chronik „a littore non late evagentes“ auf das Entschiedenste entgegen und auch der Behaim ’scheGlobus zeigt keine Spur von Brasilien . Ueber Behaim’s Verhältnis? zur Entdeckung der Magellansstrassewerden wir im nächsten Abschnitt sprechen.
Columbus nach Amerika gekommen mul ihm die Entdeckung Amerika’s zuzuschreiben sei. Wagenseil spricht seine Behauptung, die wirhier aus seiner Lobrede auf die Behaiin’sche Familie ausführlich mit-getheilt. auch in einem dreizehn Jahre später (1695) erschienenenWerke aus, das eine sehr weite Verbreitung gefunden, nämlich p. 528im dritten Theile seiner Historia universalis , welche eine Abtheilungdes Werkes bildet, das er unter dem Titel Pera librorum juvenilium,qua ingenuos viamque ad eruditionem et bonam meutern affectantesadolescentes donat , in 6 Bänden herausgegeben hat. Auch hier berufter sich auf den Pergamentcodex, welcher vom Ursprung des Nürnber-ger Patriciats handelt, sowie auf jene Nürnberger Annalen, und citirtdieselben Seiten. Daneben macht er eine Stelle in des Cardinais Ae-neas Sylvius , nachmaligen Papstes Pius IT., »de Europae sabFriderico III. lmperatore statu cap. 44" geltend, dieselbe, welcheaus Schedel’s Chronik dort eingeschoben worden. Da Papst Pius II. schon 1464 gestorben ist, Sfchedel aber seine Chronik erst 1493 inDruck erscheinen liess; so erkennt Wagenseil zwar an, dass SchedelsBemerkung dort hinübergetragen wurde, findet aber doch einen Beweisin dein Bericht bei Schedel , dass Behaim Amerika entdeckt habe.
Es kommt nun hier für uns vornehmlich darauf an , jene beidenaus dem N ürnberge r A rchi v e citirten, von Wagenseil aber nichtmitgetheilten Stellen in Untersuchung, zu nehmen, um so mehr, dav. Murr aus Rücksichten stillschweigend über diesen Punkt hinweg-geht und nur im Allgemeinen erklärt, dass die Geschichtskunde undder Behaim ’sche Globus die Nachrichten, welche Wagenseil aus demNürnberger Stadtarchiv habe, niederschlagen. Ich habe mich bemüht,diese Quellen ’ n ^' e ^and zu bekommen. Das erste citirte Manuscriptauf Pergament führt den Titel „Patricii reipublicae Norimbergis ", be-steht aus einem grossen Folioband mit Goldschnitt, silbernem Beschläg,in schwarze Seide gebunden. Das Buch enthält die kurze Geschichtevon 83 Familien, aus welchen der Rath der Stadt Nürnberg von altenZeiten her erwählt wurde, entbehrt nur zu sehr der nothwendigen Bürg-schaft für seine historische Treue, daher es auch bei den Gerichtenkeine beweisende Kraft hat, existirt in vielen Abschriften, ist völligneu und kann erst kurz vor Wagenseil zusammengestellt uud geschrie-ben sein. Ich bin sicher, dass es eben dieses Buch ist, das sich derRath zu seiner eigenen Verherrlichung anlegte, welches Wagenseilmeint; denn es stimmt die Pagina 119. Auf dieser nun, sollte manvermuthen, müsste sehr deutlich auseinandergesetzt sein, dass MartinBehaim Amerika entdeckt habe, aber man findet hier in dieser Bezieh-ung nur die kurze Notiz : »Martin Behaim war ein berühmter Ritter,schiffet in Indien , erfand neue Schifffahrt und Inseln". Das zweiteManuscript, welches Wagenseil citirt, nennt er Annales Norimbergen-
sium. Dieses Werk, gewöhnlich in sechs Bänden, enthält die Ge-schichte der Stadt bis zum Jahre 1620 und ist im Auftrag des Nürn-berger Senats von Johann Müllner verfasst, der seit 1602 Rathsschrei-ber war und 1634 starb. Es existirt in ziemlich zahlreichen Abschrif-ten , deren Paginirung nicht gleich ist. Mit den Exemplaren , welchenoch auf dem Archive sich befinden, stimmt die von Wagenseil citirtePagina 385, oder, wie das Citat anderwärts lautet : 285 nicht. In demExemplare, welches ich vor mir habe, steht die Stelle, welche vonBehaim handelt, Band I. p. 632. Dieser grosse Unterschied in denNumern wird darin seinen Grund finden, dass in meinem Exemplarejede einzelne Seite nuinerirt ist, in Wagenseil’s Exemplare aber wahr-scheinlich jedes einzelne Blatt eine Nuiner trägt. Die Stelle überMartin Behaim in diesen Annalibus Norimbergensium lautet: »BeiZeiten Kaiser Karls V. hat gelebt Martin Behaim, Martin Behaim’s und Agnes, Wilhelm Schopper’s Tochter Sohn, ist ein berühmter underfahrener Mathematicus und Astronomus gewest und hat durch Hiilffsolcher Kunst von Spanien aus etliche zuvor unbekannte Insuln orefun-den, derowegen er von der kaiserlichen Majestät zum Ritter geschla-gen worden, welche ihme auch das Zeugniss geben, dass er der weit-gewandertste Burger im Reiche wäre. Er hat in gedachten Inselnhäuslich gewöhnet, sich darin verheirathet und Erben erzeugt, hat demRath zu Nürnberg den alten Globum terrestrem, so noch vor W'enigZeit in der oberen Regimentsstuben gestanden, verehret." — Mansieht, der Schreiber dieser Annalen war mit Behaim’s Geschichte wenigvertraut und kannte kaum Das, was der Nürnberger Schedel in seinerChronik über ihn sagt. — Wenn nun aber Wagenseil zur Erhär-tung seiner Behauptung bedeutungsvoll auf diese zw'ei, dem gelehrtenPublikum unzugänglichen Urkunden hinweist und diese Urkunden dochselbst nichts Anderes enthalten, als w'as ich hier mittheilte; so begehter in seiner Beweisführung eine augenscheinliche Unredlichkeit. Ermusste für .sich selbst recht W'ohl wissen, dass diese Urkunden Nichtsbeweisen, da sie sich ganz unbestimmt ausdrücken und ihr Ursprungüber seine eigene Zeit gar wenig hinaufreicht. Viele Verfasser vonGeschichtsbüchern, namentlich Nürnberger, haben ihm nachgeschrieben,so Doppelmayr in seiner histor. Nachricht von Nürnberger Mathe-matikern 1730, Will Nürnbergisches Gelehrtenlexikon 1756, Wülferde majoribus oceani insulis 1701, Christoph Cellarius in seinerhistoria universalis II. p. 203, M. I). Omeis de Claris quibusdamNorimbergensibus , Stüven de vero novi orbis inventore, Francof.ad Moen. 1716 u. A. Dagegen schrieb E. Tozen: Christoph Colon ,der wahre und erste Entdecker der neuen Welt, gegen die ungegriin-deten Ansprüche, welche Ainericus Vespucci und Martin Behaim aufdiese Ehre machen, vertheidigt, Göttingen 1761.