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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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62
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Als Astronom und Geograph hatte Vespireci bereits zwei Reisen nach den neuen Ländern gemacht, bevorer nach Portugal kam und grossen Ruf dadurch erlangt. König Manuel von Portugal wollte den Spaniern, diesich in dieser Zeit mit der Aufsuchung einer westlichen Durchfahrt nach Indien beschäftigten, in der Auffindungdieses Weges zuvorkommen und glaubte, diesen Zweck am schnellsten zu erreichen, wenn er den Vespucci demSpanischen Hofe abspenstig machte und für sich gewänne. Vespucci schreibt in dem Briefe, den er von Lissabon aus an Medicis richtete, dass ihm König Manuel zwei Boten geschickt habe^ um ihn zu bewegen, die Spanischen Dienste mit den Portugiesischen zu vertauschen ; das erste Mal habe er sich mit Krankheit entschuldigt, das zweiteMal aber sich überreden lassen und Spanien heimlich verlassen (Ende 1500 oder Anfang 1501). In PortugiesischenDiensten machte er unter einem Befehlshaber, dessen Name unbekannt ist, zwei Reisen nach Amerika , um eineDurchfährt nach den Molukken aufzufinden. Die erste Reise begann er am 10. Mai 1501, kam an der Brasilianischen Küste vielleicht bis nach Patagonien und traf am 7. Sept. 1502 wieder in Lissabon ein. Die zweite Reise unternahmer unter Gonzalo Coelho am 10. Juni 1503, kam auf die Insel Set. Helena, suchte wiederum an der Brasilianischen Küste herum und kehrte, wie es scheint im Sommer des Jahres 1504, nach Lissabon zurück. Manuel hatte dem-nach auch mit Vespucci seinen Zweck nicht erreicht. Dieser, der sich im September 1504 noch in Lissabon befand,scheidet bald nach diesem Datum in gutem Vernehmen mit König Manuel, aber ohne Belohnung, aus Portugal undgeht von König Ferdinand, dem Katholischen, eingeladen, wieder in Spanische Dienste zurück, um dort einer grossenExpedition unter Pinzon beizuvtfohnen, die gegen Süden eine Durchfahrt nach den Gewürzinseln aufsuchen sollte.Wir haben oben gesehen, dass Vespucci an dieser Expedition keinen Theil nahm, sondern als Piloto mayor fortanin Spanien blieb.

Vespucci befand sich also vom Anfang des Jahres 1501 bis Ende 1504 in Portugiesischen Diensten undhielt sich in diesem Zeitraum wiederholt und längere Zeit in Lissabon auf. Man kann daher nicht in Zweifel sein,dass Behaim (dessen Aufenthalt zwischen der Insel Fayal und Lissabon wechselt, er starb in Lissabon 1506) mitVespucci bekannt gewesen sei, und dass beide Männer über die einzuschlagenden Wege bei dem Aufsueben einerwestlichen Durchfahrt Berathungen miteinander gepflogen hätten; gewiss hat der König Manuel das Gutachtenseines berühmten Kosmograghen von der Insel Fayal vernommen, als er nun auch einmal eine Expedition gegenWesten aussenden wollte. Unter M anuel’s Vorfahrer wenigstens, dem König Johann H. (st. 145)5), wurde Behaim ,wie ein Citat aus Fructuoso in der angefügten Abhandlung von Trigozo zu erkennen gibt, bei solchen Fällen zuRathe gezogen. Sein Einfluss war damals so gross, dass er die Ursache gewesen sein soll, dass König Johann,obwohl die Kommission den Plan des Columbus verworfen hatte, doch im Stillen ein Schiff gegen W'esfeu auf Ent-deckung aussandte. Von Behaim’s Verbesserung des Astrolabiums hat Vespucci ohne Zweifel ebensowohl, wieColumbus, Gebrauch gemacht. Vespucci beschwert sich in dem oben angeführten Briefe an Medicis , woer von seiner ersten Reise in Portugiesischen Diensten spricht, über die Unwissenheit der Steuerleute; nach einemgrossen Sturme wäre die Expedition rathlos umher geirrt, wenn er nicht mit Hülfe des Astrolabiums und Quadrantenfür ihre Rettung bedacht gewesen wäre.

Es bleibt uns noch die Frage übrig: wie verhält es sich mit jener Entdeckung der Magellansstrasse, dievon Wagenseil und Anderen dem Martin Behaim zugeschrieben wird?

Der öfter erwähnte Spanische Geschichtsschreiber Herrera, der schon im Jahre 1596 in den Archiven desKönigs Philipp II. an seiner Geschichte zu arbeiten begann, dem also wohl noch gleichzeitige Urkunden, namentlichdie Bemerkungen des Andreas von San-Martin, des geschicktesten Steuermanns der Magellan ’schen Expedition, zuGebote standen, sagt Dec. II. üb. II. Kap. 20. 21.: Als Magellan , erbittert über den Undank des PortugiesischenKönigs 20 ), 1517 am Spanischen Hofe zu Valladolid erschien, habe er dem Bischof von Burgos einen schön gemaltenErdglobus gezeigt, auf welchem er den Weg angegeben, den er machen wollte; den Platz selbst aber, wo die Meer-

dischen gebürtig, kam im Jahr 1488 nach Spanien , schrieb ein opusepistolarum, aus 813 Briefen bestehend, worin er die Regierung Fer-dinand^, des Katholischen, und Karl’s V. behandelt, und zwar vomJahre 1488 bis zum Jahre 1525. Ein Theil dieser Briefe handelt derebus oceanicis et de orbe novo. Die oben berührte Stelle findet sichdec. II. üb. X. Peter Martyr rühmt darin die Sorgfalt, mit wel-cher er seine Nachrichten gesammelt, indem er sagt: Burgensem un-tislitem , hujus navigationis confugium , de quo supra lata mentio ,adivi. Inclusi vno cubiculo multos harum rerurn indices habuimusad manus, solidam universi cum liis inventis sphaeram et mernbra-nas , quas nautae Chartas vocant navigatorias , plures, quarum una

a Portugalensibus depicta erat , in qua manum dicitur imposuisseAmericus Vesputius Florentinus, vir in hac arte perilux , quiad antarcticum et ipse , auspiciis et stipendio Portugallensium, ultralineam aequinoctialem plures gradux adnavigavit. Die geographi-schen und nautischen Kenntnisse des Vespucci rühmt Peter Mar-tyr au mehren Stellen, z. B. decad. III, lib. V.: Vesputius , AmericiVespucii Florentini nepos, cui moriens rnaritimam et polarem ar-lem reliquit haereditariam.

20 ) Magellan machte unter Aflfonso d’Albuquerque den Zug nachIndien mit, diente fünf Jahre in Indien und (hat sich bei der Erobe-rung von Malakka hervor. Er bewarb sich bei König Manuel um