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enge sich befinde, habe er vveiss gelassen, damit man sein Geheimniss nicht absehen könne. Die Minister seienmit Fragen in ihn gedrungen, worauf er geäussert, er wolle an der Mündung des Rio de Solis (Rio de la Plata )
vorüber gegen Süden fahren, bis er an die Meerenge träfe. Er sei gewiss, diese Meerenge zu finden, da er sie
auf einer Seekarte des Martin von Bohemia gesehen habe, eines von der Insel Fayal gebürtigen berühmtenPortugiesischen Geographen; diese Karte habe ihm viel Licht über jene Meerenge gegeben 21 ).
Pigafetta, der die Reise Magellan’s mifmachte, ein sehr fleissiges Tagebuch führte und einer der Wenigenwar, welche gesund zurückkamen, sagt in seinem Reisetagebuche: „Am 21. Oct. 1520 entdeckten wir eine Meer-enge, welcher wir den Namen der 11,000 Jungfrauen gaben, denen jener Tag heilig ist. Diese Meerenge ist 110
Seemeilen lang und eine halbe Meile, bald etwas mehr, bald etwas weniger, breit. Sie geht in ein anderes Meer
aus, dem wir den Namen des stillen geben. Hohe, mit Schnee bedeckte Berge umgeben sie; auch ist sie sehr
tief, so dass wir daselbst nirgends als ganz nahe am Lande Anker w T erfen konnten, und zwar in einer Tiefe von
25 bis 30 Faden. Ohne die Kenntnisse unseres Anführers hätten wir sicherlich keinen Ausweg aus dieser Meerenge
gefunden : denn wir glaubten Alle, sie sei auf der anderen Seite geschlossen ; unser Befehlshaber aber, der eben
so geschickt als muthvoll war, wusste, dass er durch eine sonderbar verborgene Meerenge hindurchsteuern müsse,welche er im Schatze des Königs von Portugal auf einer Seekarte gesehen, die der ausgezeichnete KosmographMartin di Boemia angefertigt hatte 22 ).
Wie es scheint auf diese Nachrichten gestützt, nennt der gelehrte, vielgereiste, aus dem Jesuitenorden getrie-bene und von der Inquisition verfolgte Schriftsteller Wilhelm Postellus (geb. 1510 zu Barenton in der Normandie )die Magellanische Strasse geradezu Fretum Martini Bohemi 23 ).
Wir können nun allerdings als gewiss annehmen, dass Martin Behaim vor dem Jahre 1494 nicht nachBrasilien und also auch nicht an die Mageliansstrasse gekommen sei. Er hat auf dem Globus, den er im Jahre 1492in Nürnberg verfertigte, keine Spur einer Küste von Brasilien und ebensowenig eine Meerenge angegeben. ImJahre 1493 kehrte er von Nürnberg nach Portugal zurück; aus dem Jahr 1494 ist noch ein Brief von ihm vorhanden,in welchem er berichtet, dass er in einer Mission des Königs Johann II. in Flandern sich befinde. Dies ist dieletzte Nachricht, die wir von ihm haben. W as er unternommen und welches sein Schicksal von 1494 bis 1506, woer in Lissabon starb, gewesen sei, ist völlig unbekannt. Unmöglich wäre es nicht, dass er vor Magellan an dieMagellansstrasse gekommen und sie nach eigener Erfahrung auf einer Karte angezeigt hätte, wenn wir auch keineNachrichten darüber besitzen. Ja es möchte gerade der Umstand, dass der letzte Brief, welcher sich von ihm in
eine Erhöhung des Soldes ; dieser aber, der manches Nachtheilige überUm gehört hatte, schlug ihm dieselbe ab, worauf er sich nach Spanien wandte. Seine Expedition /.ur Auffindung einer westlichen Durchfahrtin Spanischen Diensten begann er im Herbst 1519 (in Bezug auf denTag der Abfahrt von Set. Lucar schwanken die Angaben zwischen10. Aug. und 21. Sept.). Von seinen 5 Schiffen mit 237 Mann kamnur eines unter dem Commando des Sebastian Cano mit 18 Reise-gefährten am 7. Sept. 1522 wieder nach Spanien zurück. Magellan selbst hatte am 26. April 1521 auf der Insel Matan in der Südseein einem Gefechte mit den Wilden den Tod gefunden.
21 ) „pero yva nmy cierto de hallar el estrecho, porque aviavisto una carta de marear que hizo Martin de Bohemia Por-tugues, natural de la isla de Fayal, Cosmographo de gran opinion,adonde se tomara muclia luz del estrecho, de mas que Hernandode Maqallanes era hombre esperimentado en la mar y de muchojuyzio.“
22 ) Pigafetta , 21. Oct. 1520: „II capitano generale, che sa-peva de dover fare la sua navigalione per uno streto molto ascoso,como vite ne la thesoraria del re de Portugal in una carta fataper quello excellentissimo huomo Martino de Boemia“ Pigafetta ,ein Edelmann aus Vicenza, ging aus eigenem Antriebe nach Spanien ,um sich irgend einer Entdeckungsreise auzuschliessen, erhielt von Kai-ser Karl V. die Erlaubnis«, Magellan zu begleiten, zeichnete Tag fürTag die Erlebnisse auf und überreichte sein Tagebuch (wahrscheinlicheine Abschrift) nach seiner Rückkunft Kaiser Karl V. Dieses eigent-liche Tagebuch ist verloren. Was wir in einem Manuseripte noch be-sitzen, das die Ambrosiauische Bibliothek in Mailand aufbewahrt, isteine kürzer gefasste Erzählung, die Pigafetta auf Verlangen des
Papstes Clemens VII. verfertigte. Die Sprache dieses Manuscriptsist ein Gemisch von Spanisch und Italienisch. Karl Amoretti, Doc-tor am Collegium Ambrosiannm in Mailand , hat es in’s Italienischeübertragen und unter dem Titel Primo diaggio intorno al globo terra-queo etc. zu Mailand 1800 in Druck herausgegeben. Derselbe Her-ausgeber besorgte auch eine Französische Ausgabe unter dem Titel:Premier voyage aulour du monde par le Chevalier Pigafetta surVescadre de Magellan etc. Paris chez Jansen Van IX. DieserFranzösischen Uebersetzung ist auch eine Französische Uebertragungvon Murr’s Geschichte Martin Behaim’s beigegeben.
23 ) So sagt er in seinem 1561 erschienenen Compendium geo-graphicae disciplinae cap. II: „ubi est Martini Bohemi fretum,a Magaglianesio Lusitano alias nuncupatum im ersten Buche deUniversitate liest man wiederum: „ad fretum Martini Bohemi ,“und im zweiten Buche derselben Schrift: „ Palet autem novus orbisa polo in polum continue, praeterquam ubi frangilur semel in fretoMartini Bohemi ad 55 gradum ultra aequalorem, qua ad cir-cumdandam orbem transivit Magalanes, qui inde ad Moluccas iterfecit .“ Die Nachricht bei Pigafetta hat auch Chauveton in seine La-teinischen Anmerkungen aufgenommen, die er zu Benzoni’s hisloriadel mondo novo (zuerst erschienen in Venetia 1505, Deutsch, Basel 1519) geschrieben hat. Er sagt in den Anmerkungen zum 14. Kapiteldes dritten Buches: Magellanus tarnen fretum istic esse norat, quia,ut fertur, in charla marina adnotalum viderat, descripla ab insigniquodam naucle.ro, cui nomen Martinus Bohemus, quam Lusitaniaerex in suo Museo adservabat. Von da ging diese Notiz über inTheodor de Bry „America“, Thl. IV. p. ßß, j n die Werke desNürnberger Reisebeschreibers Levinus Hulsius u. s. f.