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sehen Untersuchungen I, p. 294, dass während der Jahre 1500 bis 1508 eine Reihe Portugiesischer Versuche, südlichüber Puerto Seguro in der Terra sanctae crucis vorzudringen, Statt gefunden, und unbestimmte Nachrichten über dieseVersuche einer Menge von Seekarten zur Grundlage gedient haben, welche man in den besuchtesten Häfenanfertigfe.
Will man nun aber auch nicht annehmen, dass Behaim selbst an die Mageliansstrasse gekommen, sowürde sich die Angabe dieser Meerenge auf seiner Karte sehr natürlich dadurch erklären, dass er vermuthete, esmüsse an jener Stelle eine Durchfahrt sich befinden und dass er sie bereits eingezeichnet, ehe sie noch wirklichgefunden worden. Die Erklärung, Magellan habe jene Karte Behaim’s erdichtet, um durch den Namen diesesberühmten Geographen die Spanische Regierung für sein Unternehmen zu gewinnen und das Vertrauen seinesSchiffsvolkes aufrecht zu erhalten, hat in der That gar Nichts für sich. Die Idee selbst von einer westlichenDurchfahrt nach den Molluken war nicht neu; sie war vielmehr bisher fortwährend, aber ohne günstiges Resultatvon dem Spanischen und Portugiesischen Hofe verfolgt worden. Wenn ein Seemann, wie Magellan , der bishernur in den östlichen Meeren mit dem Kriegshandwerk beschäftigt war, sie gleichwohl, nachdem Vespucci’s undAnderer Unternehmungen misslungen, mit solcher Entschiedenheit aufgriff und auf seinem Globus bereits die Stellebezeichnete, wo sie sich befinde; so musste er doch wohl eine Notiz darüber haben 30 ). Was Behaim vielleicht nurnach Vermuthung auf seiner Karte angedeutet, nahm Magellan für gewiss, weil der berühmte Kosmograph es bereitsangezeigt, und liess sich dadurch bestimmen, seinen Plan trotz aller Schwierigkeiten mit der grössten Energie zuverfolgen. Ich sehe keinen anderen Grund, warum man die unzweifelhafte Aussage Magellan’s, dass er sich aufeine Karte Behaim’s stütze, für eine Erdichtung des ersten Weltumseglers erklären will, als den, Behaim’s Ver-dienste zu schmälern. Wir wollen ihm aber, wie bemerkt, ebensowenig ein rechtmässiges Verdienst nehmen lassen,als wir uns bemühen, ihm ein unrechtmässiges zuzueignen. Selbst wenn Behaim nicht nach Brasilien gekommenwar, so musste es ihm doch durch die verschiedenen Expeditionen an der Brasilianischen Küste, ganz besondersdurch die des Vespucci, bekannt geworden sein, dass sich das neu entdeckte Land vom zehnten Grade südlicherBreite immer mehr gegen Südwesten ziehe, und dass die vermuthete und vielgesuchte Durchfahrt endlich tiefer imSüden doch kommen müsse. Er zeichnete sie auf seine Karte, nach der Art damaliger Geographen, die nicht blosDas eintrugen, was bereits erwiesene geographische Wahrheit war, sondern auch ihre eigenen Voraussetzungen. Erhatte die Analogie von Africa vor sich, das sich auch lange hin gegen Südosten streckte, endlich aber doch ein Endenahm und umschifft werden konnte. Behaim hat auf seinem Globus auch die Ostküste von Africa und den ganzenWeg nach Ostindien bezeichnet, obgleich Vasco de Gania erst 6 Jahre später diesen Weg zum ersten Mal wirklichmachte 31 ).
Was will man nun aber sagen, wenn, wie die unserem Buche beigegebene Karte zeigt, ein Geograph mittenin Deutschland, entfernt von allen Verbindungen mit den Seefahrern des Westens, bereits vor Magellan nicht blosdie Gestalt von Südamerika ziemlich richtig, sondern selbst die später sogenannte Magellansstrasse, noch bevor sieMagellan entdeckte, ohne Benennung auf seinem Globus angezeigt hat? 32 ) Es ist dies derselbe Johann Schöner (Schoncrus), von dem wir schon oben erwähnten, dass seine Karten und Globen, wie die des Apianus aus derselbenZeit, Süd- und Nordamerika durch ein Meer von Asien und der Insel Japan trennen, während andere Karten jenerZeit Amerika für einen Theil von Asien halten oder mit diesem Welttheil in Verbindung setzen. Sein Globus
30 ) Ueber die Loge der Meerenge war freilich Magellan keines-wegs sicher ; er behauptete hlos, dass lief im Süden eine solche kom-men müsse, suchte auch lange an der Küste herum und versicherte,wie Pigafetta erzählt, seinen Leuten, dass er bis zum 75. BreitengradeVordringen würde, wo es während des Winters fast niemals Tag werde,wenn sich die Meerenge nicht früher zeigen sollte. Magellan nanntedie von ihm entdeckte Meerenge Estrecho Patagonico, was bald inEstrecho de la (nave) Victoria verändert wurde. Früher einmal hatteinan, nach Pigafetta, geglaubt, die Bucht an der Mündung des LaPlata biete die gewünschte Durchfahrt.
31 ) Dass man um Afrika heruinschiffen könne, war schon denAlten, wie dem Herodot, Straho etc. bekannt. Die dreikantigeSüdspitze von Afrika findet man bereits auf dem Planisphär des Sa-nuto vom Jahre 1306, welche den Secretis fidelium crucisbeigegeben ist, ferner in dem Genuesischen Werke Portolano dellaMediceo-Lauren%iana vom Jahre 1531; in dem Planisferiode la Palatina von Florenz aus dem Jahre 1417 und in der be-
rühmten Welttafel des Fra Mauro , die in den Jahren 1457 und1459 gefertigt wurde. Das Vorgebirge der Guten Hoffnung ist aufletzterer Karte deutlich angegeben und heisst Capo di Diab. EineInschrift dabei sagt, dieses Cap Diab sei im Jahre 1420 von einemIndischen, von Osten kommenden Schiffe umsegelt worden. Vergl.v. Humboldt , krit. l/nters. I, 274.
32 ) In der Ausgabe der Geographie des Ptolemäus, welche Mar-cus Beneventanus und Giovanne Cotta besorgten und die 1508zu Rom von Evangelista Tosino gedruckt wurde, ist ein Verzeichnissder Portugiesischen Seefahrten an der Ostküste von Südamerika , nachwelchem die Portugiesen bis zum 50. Grad südlicher Breite vorgedrun-gen waren, wobei bemerkt wird, dass man die äusserste Spitze diesesFestlandes noch nicht erreicht habe. v. Humboldt , krit. Unters. I,292. Es ist dies dieselbe Ausgabe, welcher der Deutsche Ru y schdie Karte angefügt hat, wovon eine Zeichnung sich am Schlüsse un-seres Buches findet.
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