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dem v. Behaim ’schen Familienarchiv findet, vom Jahre 1494 ist, dass von da an alle Verbindungen abgebrochen sind
und man Nichts mehr von Martin hört, als dass er 1506 in Lissabon gestorben, darauf deuten, dass ihn Unterneh-
mungen gegen Westen weit von der Heimath abgezogen. JBehaim befand sich auf seiner Insel Fayal um einDrittheil des Weges näher an Amerika als die Portugiesen; die Azorischen Inseln waren ein gewöhnlicher Lan-dungsplatz der Schiffe, die nach Amerika gingen; Columbus selbst landete auf der Rückreise von seiner ersten
Fahrt (.13. Febr. 1493) auf der Azorischen Insel S. Maria; die Einwohner der Azoren waren thätige Schiffer, die
von ihrer Heimath bis nach Irland handelten ; sie standen in lebhaftem Verkehr mit Europäischen Seefahrern undmit anderen weit entfernt liegenden Inseln (so verheirathcte sich z. B. Behaim’s Wittwe nach dem Tode ihresMannes zum zweiten Mal von den Azoren hinweg auf die Canarische Insel Madera); Rehaim selbst war im Jahre1494, aus welchem sein letzter Brief ist, erst ungefähr fünf und dreissig Jahre alt, ein Mann in den besten Jahren :man fühlt sich bei solchen Verhältnissen fast zur Annahme gezwungen, dass ein Mann , der sich mit dem Seewe-sen und der Geographie so viel beschäftigte und der neuen Welt um so so viel näher lag, als die Bewohner Euro-pa’s, dem Drange nicht habe widerstehen können, auch einmal eine Reise in das neue, vielbesprochene Landmitzumachen. Gerade in die Zeit, wo Bella im von Nürnberg wieder nach Portugal und auf seine Insel Fayal zurückgekehrt war, fallen die Bemühungen der Portugiesen, an der Ostküste von Südamerika hinab eine südlicheDurchfahrt nach Ostindien zu finden. Man vermuthet, schon Vespucci sei auf eiuer Reise zu diesem Zwecke(1501, seiner ersten in Portugiesischen Diensten) bis nach Patagonien gekommen; von Christoph Jaquez, der 1503von Portugal aussegelte, wird behauptet, dass er die Mageliansstrasse erreicht habe. Sollte es so unwahrscheinlichsein, dass Behaim an einer solchen Expedition Theil genommen ?
Die Entfernung konnte für Behaim, der neunzehn Monate an der Afrikanischen Küste gesegelt, um soweniger ein Hinderniss abgeben, als man schon damals die Reise von Europa nach der neuen Welt in beiläufigsechs Wochen zurücklegte. Columbus segelte bei seiner ersten Fahrt am 3. August aus dem Spanischen Hafenvon Palos ab und landete schon am 11. Oktober an Guanahani. Die zweite Fahrt beginnt er am 25. Sept. underreicht schon am 2. Nov. die Antillen. Nach Brasilien gelangte man von Portugal in eben so kurzer Zeit.Cabral lief am 9. März 1500 von Lissabon aus und entdeckte am 24. April die Brasilianische Küste. Auch darfman nicht glauben, dass nicht mehr Expeditionen hinübergegangen seien, als die, von denen uns Portugiesischeund Spanische Schriftsteller Nachrichten hinterlassen haben, dass also Behaim nicht an die Magellansstrassegekommen sein könne, weil kein Schriftsteller einer solchen Reise erwähnt. Nicht allein von Seiten der Regierungengingen viele Schiffe ab, von denen die Schriftsteller Nichts erwähnen, sondern es fanden auch heimliche Fahrtenauf Privatkosten statt; Schiffe der einen seefahrenden Nation schlichen sich in das Gebiet der anderen, wie z. B.die Engländer im Jahre 1501 in das den Spaniern gehörige Venezuela 24 ). Balboa, der im Aufträge der Spanischen Regierung auf der Landenge von Darien nach Gold suchte, von da durch Indianer nach Peru geführt wurde undam 25. Sept. 1513 zuerst von den Europäern den Stillen Ocean erblickte, sagt in seinen Berichten an den Spa-nischen Hof, dass an den Küsten von Veragua etc. Züge von Europäern unter Anführern herumstreiften, von denenman nicht wisse, Wer sie ausgesandt und dazu berechtigt habe 25 ). Der Verkehr zwischen Spanien und den Antillenwurde schon nach der zweiten Reise des Columbus sehr lebendig, ebenso jener zwischen Portugal und Brasilien ,als der Portugiese Cabral letzteres Land 1500 für Portugal in Besitz genommen. Navarrete erzählt 26 ), dass dieKönigin Isabella schon im August 1494 den Wunsch ausgesprochen habe, es möchte in jedem Monat eine Caravelevon Spanien nach Hayti und eine andere von Hayti nach Spanien gehen. Die geheimen Reisen nach dem neuenLande nahmen so sehr überhand, dass die Spanische Regierung, um der Krone die Abgaben zu sichern, um 1495ein förmliches Decret erliess, dass von dem Hafen von Cadix aus Expeditionen nach den neuen Entdeckungenerlaubt seien 27 ). Auf eine Beschwerde des Columbus wurde diese Erlaubniss 1497 zurückgenommen ; das Verbotveranlasste aber nur wieder geheime Reisen. Die Portugiesen hatten gleich nach der Entdeckung Brasiliens auchin diesem Lande Factoreien angelegt; Privatpersonen erhielten von der Portugiesischen Regierung grosse Streckendes neuen Landes zum Geschenk, um es zu cultiviren. Der Verkehr mit den Colonien war von Portugal aus solebendig, dass, wie Dom Manoel da Faria y Sousa 28 ) bemerkt, der Portugiesische König Manuel in den ersten18 Jahren nach Einschiffung des Vorgebirgs der guten Hoffnung nicht weniger als 294 Schiffe nach Indien unddem Lande Santa-Cruz (Brasilien ) sendete. 29 ) Es ist mir ziemlich wahrscheinlich, sagt v. Humboldt in den kriti-
24 ) v. Humboldt, krit. Unters. III, 105.
25 ) v. Humboldt, krit. Unters. I, 288. 290.
26 ) tom. II, p. 155.
27 ) Navarrete docum. CXIJI. Herrera dec. I, lib. III, cap. 9.
28 ) Asia Portuguesa tom. III, pag. 559.
29 ) Santa-Cruz nannten die Portugiesen Brasilien von einem Kreuze,das Cabral, als er am 14. April 1500 die Küste entdeckte, als Zei-chen der Besitzergreifung aufgerichtet hatte. Von dem Färbeholz Bra-sil, das später aus diesem Lande nach Portugal gebracht w urde, erhieltdas Land in der Folge den Namen Terra do Brasil.