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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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68
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Die Wahrscheinlichkeit, dass Schöner seine Kenntnisse einer südlichen Durchfahrt einer Verbindung mitBchaim verdanke und Behaim also vielleicht doch schon vor Magellan an die Magcilansstrasse gekommen sei,scheint freilich durch den Umstand beeinträchtigt zu werden, dass die damaligen Geographen auch nur vermuthctcDurchfahrten anzeigten; wie wir denn sowohl auf dem Schöner’schen Globus, als auf der ähnlichen Karte vonAp ianus aus demselben Jahre 1520, die dem Camers beigegeben ist, die Landenge von Panama durchbrochen finden.Allein gegen Norden lag der Gedanke einer Durchfahrt näher, da man bereits die Kenntniss hatte, nicht nur, dasssich das Land an dieser Stelle sehr verenge, sondern auch, dass cs sich weiter nördlich wieder sehr ansehnlichausbreite. Anders bei der südlichen Durchfahrt. Dass sich Südamerika gegen Süden zuspitze, war die allgemeineAnsicht; man glaubte aber, wie auch die Karte des Apianus zeigt, dass das Land dort völlig auf höre. Dass jenseitsein Südland erscheine und eine Durchfahrt in den Stillen Ocean zwischen Südamerika und diesem Südland bestehe,davon gibt, meines Wissens, keine existirende Karte früher Aufschluss, als der Globus von Schöner, und da erdiese Durchfahrt an der Stelle der Magcilansstrasse anzcigt,'ehe Magellan selbst an diese Strasse gekommen, so istdies in der That eine merkwürdige Erscheinung.

Was das Südland anbetrifft, das sich um den ganzen Südpol herumzieht, so könnte man allerdings sagen,seine Ausdehnung stehe in keinem Verhältnis zu dem kleinen Feuerland und zeige eben, dass Schöner von jenenGegenden keine Kenntniss gehabt habe. Allein dieses grosse Südland erhält sich auf den Karten das ganze sechzehnteJahrhundert herauf, nachdem schon längst die Magcilansstrasse wörtlich eingezeiehnct ist. Es erscheint sogar nochauf der von mir oben beschriebenen, sehr fleissig gearbeiteten Karte von Lcvinus llulsius aus dem Jahre 1598;die Weltumsegler gaben sich wenig Mühe, wenn sie die Magcilansstrasse passirt hatten, diese unwirtlichen Gestadeweiter zu untersuchen, sondern eilten nach Norden; und so blieb diese Vorstellung eines grossen Südlandes,dessen Existenz im tieferen Süden allerdings auch die neuesten Untersuchungen nachweisen, lange Zeit unberichtigt.

Sei es nun aber auch, dass die Annahme eines grossen Südlandes (Schöner nennt es auf seinem GlobusBrasilia inferior) zu Schoners Zeiten hei den Geographen allgemeiner gewesen; so bleibt es doch immerhin merk-würdig genug, dass Schöner an der Südspitze von Südamerika dieses Südland sich so weit heraufdehnen lässt,dass nur eine schmale Durchfahrt nach dem Stillen Ocean übrig bleibt. Er sagt auch (man vergleiche die Note 34 ) inseinem Tractat von 1515 ganz deutlich, dass Brasilien, so nennt er Südamerika , von den Portugiesen umschifftworden sei, dass man an der südlichen Spitze eine Meerenge, ähnlich der von Gibraltar , gefunden und auch jenseitderselben Land gesehen habe, nt ostendet , fährt er fort, Globus noster versus polum antareiieum. Er hat also schonJ515, fünf Jahre bevor Magellan die Strasse entdeckte, diese Meerenge in seine Globen eingezeichnet. Denn dergenannte Tractat Lueulentissima terrae descriptio etc. vom Jahre 1515 ist eigentlich nur eine Beigabe zu den Globengewesen, welche Schöner verfertigte.

Wie man nun aber auch über das Verhältniss Behaim’s zur Entdeckung der Magellanschen Meerenge denkenmöge: unbillig kann es kaum erscheinen, dass Wilhelm Posteil ihr den Namen fretum Martini Jtohemi gegeben hat.Magellan hat nach unzweifelhaften Nachrichten selbst und wiederholt gestanden, dass er auf einer Karte MartinBehaim’s diese Durchfahrt verzeichnet gefunden und dass diese Karte in ihm den Gedanken erweckt habe, durchdie bczeichnetc Meerenge nach den Molukken zu segeln. Sein Ruhm, diesen Weg nach den Molukken wirklichgefunden zu haben und der Erste gewesen zu sein, der die Welt umsegelte, bleibt ihm ungeschmälert; die Meerengeseihst aber hätte wohl den Namen Dessen erhalten dürfen, von dem Magellan selbst bekennt, dass er ihm dieKenntniss dieser Durchfahrt verdanke. Sonderbar ist es, dass v. Murr in seiner Geschichte Behaim’s dem Behaim das Verdienst, die Anregung zur Entdeckung der Magcilansstrasse gegeben zu haben, nicht zuerkennen will — weilsich auf seinem Globus keine Andeutung finde: wie wenn Behaim nicht erst nach dem Jahre 1492, wo er seinenGlobus verfertigte, Kenntniss von dieser Meerenge hätte erhalten können! Dr. Amoretti in Mailand hat dagegenin der Vorrede zu seiner Ausgabe des Pigafetta Behaim’s Verdienste in dieser Beziehung gewahrt 30 ).

invenies, de quibus leije scriptum Petri Martyris Mediolanensis , pro-tonotarii dirae Maryaretliae Avgustae, filiae Maximiliani Impera-toris. Als Schluss seines Buches bringt er noch unter einer besonde-ren Ueberschrift „ Brasilias novae terrae anuotatio« Folgendes überBrasilien : Brasiliae austraüs permaxima regio versus Antarcticumrecenter reperta, non dum autem plene perspenla, se exlendens adusr/ue Malacham et quid ultra. Incolae liujus regionis bonae achonestae vitae degunt , nec sunt Andropopliagi sicuti ceterae barba-rae nationes , legem non habent neque reges , sed seniores veneran-

tur et eis obedientiam praestant, liberis eorum Thomae nomen im-ponunt. Huic regioni adjacet insula permaxima Zamzibar sub gra-dibus 102. 0. 27. 30. Australes. Auch diesem Werkelten sind keineKarten beigegeben.

30 ) „Um sich zu überzeugen“, sagt Dr. Amoretti in der Vor-rede zu Pigafetta, „dass Magellan diese Strasse desshalb auf-suchte, weil er sie auf einer Karte von Martin Behaim gesehen,darf man nur nachlesen, was Pigafetta hierüber äussert. Es mussdaher auffallen, dass man diese Thatsache leugnen konnte, um so mehr,