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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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Es bleibt uns für diesen Abschnitt, der von Behaim’s Verhältniss zur Entdeckung Amerika’s handeln soll,noch ein Punct zu besprechen übrig, auf den man, um Beliaiin die Entdeckung Amerika’s zuzueignen, in frühererZeit ein besonderes Gewicht gelegt hat. Es findet sich nämlich auf seinem Globus mitten im Ocean zwischenEuropa und Asien, so ziemlich unter denselben Breitengraden, unter welchen die Antillischen Inseln liegen, eine InselAntilia verzeichnet. Er schreibt dazu: „Als man zählt nach Christi Geburt 734 Jahr, als ganz Hispania von denHeiden aus Africa gewonnen wurde, da wurde bewohnt die oben beschriebene Insula Antilia, genannt scptem citadevon einem Erzbischif von Porto Portigal mit sechs anderen Bischöfen und anderen Christen, Männern und Frauen,die zu Schiffe von Hispania dahin geflohen kamen mit ihrem Vieh, Hab und Gut. Anno 1414 ist ein Schiff ausHispania ungefähr am nächsten dabei gewesen.“ Lässt freilich diese Erklärung keinen Zweifel übrig, dass Behaim nicht selbst auf dieser Insel gewesen sei, weil er es sonst bemerkt haben würde* so hat man doch wenigstens inDeutschland lange Zeit geglaubt, nur er auf seiner Insel Fayal habe Kenntniss von einer tiefer im Westen liegendenInsel Antilia erhalten, zuerst davon Nachricht gegeben und sie auf seine Seekarten eingezeichnet. Möglich wäre esallerdings, dass Schiffe von seinen Azoi*en aus an die Bermudas-Inseln oder selbst an die Antillen verschlagenworden wären; ja man sollte fast voraussetzen, dass man, nachdem man einmal so weit im westlichen Meere dieAzoren gefunden, den Ocean auch noch viel weiter gegen Westen untersucht hatte. Da aber Behaim auf seinemGlobus bei Antilia, wo es ihm so nahe lag, Nichts von Fahrten und Entdeckungen erwähnt, die zu seinerzeit odervon ihm selbst ausgeführt worden wären, sondern sich nur auf alte Sagen beruft; so können wir ihm auch diesesVerdienst nicht zuschreiben. Diesen alten Sagen gemäss wären in der Zeit, wo sich die Araber, nachdem sie dengrossen Sieg über den Westgothenkönig ltoderich bei Xeres de Ia Frontera erfochten (711 n. Chr.), in wenigenJahren über die ganze Pyrenäische Halbinsel verbreitet hatten, sechs Spanische Bischöfe unter Anführung des Erzbi-schofs von Porto mit einer Anzahl Gläubiger nach einer ansehnlichen Insel ausgewandert, die weit gegen Westenim Atlantischen Ocean lag, und hätten auf derselben sieben Städte gegründet. Von diesen sieben Städten erhieltdie Insel den Namen der Septe Cidades . Portugiesische Geschichtsschreiber erzählen, dass eine solche Auswanderungdamals, und zwar gleich nach der Uebergabe von Merida, wirklich stattgefunden, aber nach den Canarischen Inselngerichtet gewesen sei, die man nicht erreicht habe 31 ). Die älteste bis jetzt bekannt gewordene Karte, auf welcher

da man sie auch in dem Auszüge von Pigafetta’s Reise bemerkt fin-det, welcher Französisch von Fahre und Italienisch von Ramusio herausgegeben wurde.“ (Pigafetta schickte nämlich eine Abschriftseines Buches an die Königin Louise von Savoyen, die damalsfür ihren mit dem Italienischen Kriege beschäftigten Sohn Franz I. die Regentschaft von Frankreich führte; diese übergab das Buch demPariser Gelehrten Antoine Fahre, um es aus dem Italienischen indas Französische zu übersetzen. Fahre aber machte blos einen Fran-zösischen Auszug aus dem Manuscripte. Dieser Auszug wurde wiederin das Italienische übersetzt und von dem Italiener Ramusio seinerSammlung von Reisebeschreibungen einverleibt.) „Noch mehr zu wun-dern aber ist es“, fährt Amoretti fort, „dass eine Thatsache, die demMartin Behaim so viel Ehre bringt, von Herrn von Murr in Abredegestellt werden konnte, der doch seinen Lobredner machen wollte.Man erkenne aus der Erdkugel, sagt v. Murr, die er der Stadt Nürn-berg geschenkt hat, dass er das Dasein von Amerika nicht einmal ge-ahndet hätte u. s. f. Allein Dies beweist nur, dass Martin Behaim im Jahre 1492 Amerika noch nicht kannte, und dass er folglich demColumbus , der seine Reise in diesem Jahre antrat, keine Anweisunggeben konnte; es beweist aber durchaus nicht, dass er nicht Das, wasvon 1492—1506 (seinem Todesjahre) entdeckt wurde, gekannt habeund in eine Karte einzeichnen konnte. Behaim’s Reisen, seine Cor-respondenz mit allen Gelehrten, seine Stellung am PortugiesischenHofe, ganz besonders sein Aufenthalt auf den Azorischen Inseln gabenihm die Mittel au die Hand, von allen Entdeckungen, mochten sie nunzufällig oder mit Absicht gemacht worden sein, Kenntniss zu erlangen.Varenius behauptet (Geogr. gener. cap. 12 und 14), dass Nunnezde Valboa schon 1513 aus den Strömungen, die in keiner Bucht,sondern nur in einem an beiden Seiten offenen Kanal stattfinden, aufdie Existenz der Magellan ’schen Meerenge geschlossen habe.» (Er sagtnämlich cap. 12: Magellanes primus invenit et narigamt anno 1520:etsi Vascus Nunius de Valboa prius, nempe anno 1513, illadanimadoertisse dicitur , cum ad australem regionem lustrandam ixticnavigaret. Cap. 14: Sic per frelum Magellanis ferlur mare ab

Oriente in occidentem motu incitatissimo , ut inde Magellanes (velqui ante Magellanem id delexit, ul volunt) conjecerit esse fretum ,per quod ex Atlantico in Pacificum Oceanum peroeniatur). „Könntealso nicht auch ein anderer Seefahrer bereits zu Behaim’s Zeilen dieseBeobachtung gemacht und dieselbe dem Behaim mitgetheilt habenu. s. w.“ „Es lässt sich demnach“, schliesst Amoretti diesen Pas-sus, „nicht bezweifeln, dass Magellan die Strasse auf einer KarteMartin Behaim’s angezeigt gefunden habe; mau muss aber auchgestehen, dass er sich nicht völlig darauf verliess, oder dass jene Kartenoch sehr unrichtig gewesen; denn sonst würde er nicht schon unterdein 49. Grade südlicher Breite eines seiner Schiffe abgeschickt haben,um die Küste zu untersuchen, an der es sodann scheiterte, währender selbst die Strasse unter dem 52. Grade suchte, und ebensowenighätte er sich entschlossen, bis zum 75. Grade gegen Süden zu segeln,wenn er sie nicht fände.“ —Soweit Amoretti. Ich glaube, geradeder Umstand, dass Magellan seine Aufmerksamkeit auf die Durch-fahrt vom 49. Breitengrade an zu richten beginnt, spricht für die ziem-liche Genauigkeit der Angabe auf der Behaim ’schen Karte. Die Ma-gellansstrasse selbst liegt unter dem 52. Breitengrade; Magellan hatte Behaiin nicht selbst über die Durchfahrt gesprochen, sondernnur Behaim’s Karte gesehen; es ist sehr natürlich, dass er seine Auf-merksamkeit auf diesen wichtigsten Gegenstand seiner Reise schon dreiBreitengrade nördlicher richtete, um die Durchfahrt nicht zu übersehen.Wenn aber Pigafetta weiter sagt: „Hätten wir die Meerenge, dievon einem Meere in das andere führt, hier nicht entdeckt, so war derOberbefehlshaber entschlossen, bis zum 75. Grade südlicher Breitehinauf zu segeln“: so ist dies kein Beweis, dass von Behaim dieMeerenge nicht in der Nähe ihrer wirklichen Lage, des 52. südlichenBreitengrades, angegeben gewesen sei, vielmehr nur ein Zeichen, dassMagellan , falls die Behaiin’sche Angabe nicht zutreffe, beabsichtigte,so weit als nur immer möglich gegen Süden vorzudringen, um zu er-fahren, ob die Durchfahrt nicht doch endlich komme.

37 ) v. Humboldt, krit. Unters. I, 411.

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