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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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Spanien verschiedene haben, einen Abgesandten an den jungen Prinzen Philipp zu einer Zeit zu senden,wo dieser die Regierung der Niederlande antrat und- sein Vater, der Deutsche Kaiser Maximilian, in den Niederlandenerwartet wurde. Dass er Beliaim, und keinen Portugiesen wählte, war wohl eine Aufmerksamkeit gegen denDeutschen Kaiser: Behaim selbst war, wie es scheint, dem Kaiser nicht unbekannt; wenigstens rühmen alteUrkunden, dass Kaiser Maximilian ihn für dt.n am weitesten gereisten Bürger des Deutschen Reiches erklärt habe 3 ).Aber auch in Bezug auf Philipp, einen geborenen Niederländer, war die Wahl Behaim’s ganz zweckmässig, daBehaim in den Niederlanden gelebt, die Tochter eines Niederländers zur Frau hatte und die Niederländische undDeutsche Sprache verstand.

Behaim konnte seineSendung nicht sogleich ausführen. Auf der Fahrt von Lissabon nach den Niederlanden wurde sein Schiff von Englischen Seeräubern weggenommen und er selbst als ihr Gefangener nach England gebracht.Die Klage über die Seeräuberei der Engländer ist in jener Zeit allgemein 4 ). Man hielt ihn in England mit seinenDienern gegen drei Monate gefangen; er sollte grosses Lösegeld bezahlen. In dieser Zeit lag er am Fieber sobedenklich darnieder, dass er sich zweimal mit der Kerze in der Hand zum Sterben bereitete. Nachdem er genesen,entging er der Gefangenschaft durch Vermittlung eines Corsaren, der ihn in der Nacht über das Meer an die Küstevon Frankreich brachte. Von da wandte er sich nach den Niederlanden zur Ausführung seines Auftrages. Wirerfahren jedoch in dem Briefe, in welchem er über diese Vorfälle Nachricht gibt (Urk. XI), nicht, worin die Aufträgeseines Königs bestanden. Er musste sic natürlich auch gegen seine Familie geheim halten. Es scheint, dassBehaim sogleich nach der Ankunft des Kaisers Maximilian in den Niederlanden Aufträge an den König von Portugal erhielt, die ihn zu einer plötzlichen Abreise nach Lissabon veranlassten: denn er liess den Brief, den er am elftenMärz an seine Verwandten schrieb, in den Niederlanden nicht mehr abgehen, sondern nahm ihn mit nach Portugal .Er meldet Dies in einer Nachschrift des Briefes mit der Bemerkung, dass er bis Pfingsten in Portugal bleibenwerde ; sodann wollte er wieder nach seiner Insel Fayal zurückkehren. Letzteres muss man wenigstens aus demUmstand entnehmen, dass er seinen Nürnberger Verwandten aufträgt, die Briefe über Genua nach Lissabon gehenzu lassen, von da würden sie über die Insel Madeira nach seiner Insel Fayal geschickt werden. Ich habe bereitsbemerkt, dass dieser Brief vom 11. März 1494 der letzte ist, welcher sich von Martin Behaim vorfindet. Uebersein Schicksal von 1494 bis zu seinem Tode 1506 sind keine Nachrichten mehr vorhanden. Dass Behaim inLissabon in grosser Achtung gestanden sei, beweisst, neben der Auszeichnung die er bei König Johann II. genossund neben dem rühmlichen Andenken bei gleichzeitigen Portugiesischen Schriftstellern, auch der Umstand, dass ihm derSchlosshauptmann Diogo Gomez einen Bericht über die Entdeckung von Guinea widmete 5 ). Mit dem Tode desKönigs Johann aber nehmen die Verhältnisse Behaim’s eine ungünstige Wendung.

3 ) ,,Martlno Bohemo nemo unus imperii civium magis unquampereqrinator fuit, magisque remotas adivit regiones Diese Worte,als Ansspruch des Kaisers Maximilian, finden sich wiederholt in dengenealogischen Notizen über Martin Behaim beigeschrieben. Es ist anihrer Wahrheit kaum zu zweifeln. Denn wissen wir auch nicht zu-verlässig, dass Behaim in den Niederlanden die Bekanntschaft mitKaiser Maximilian gemacht; so ist doch so Viel gewiss, dass KaiserMax im Herbst des Jahres 1500 sich einige Zeit in Nürnberg auf-hielt, wo man ihm jedenfalls den von Behaim gefertigten Globus ge-zeigt hat. Michael Behaim befragt sich (vrgl. meine Schrift: DerDeutsche Adler und die Deutschen Farben. Stuttgart bei Eb-ner. p. 9) auf den Wunsch des Kaisers und im Aufträge des Senatsbei dem angesehenen Alterthumskenner Sebald Schreyer in Betreffeines an eine Decke im Nürnberger Schlosse gemalten Reichsadlers.Der Kaiser will erfahren, warum dieser Adler gelb und nicht, wiegewöhnlich, schwarz sei. Man sieht aus diesem Verhältniss, dass derSenator Michael Behaim mit dem Kaiser öfter zusammenkam, beiwelcher Gelegenheit wohl natürlicher Weise auch die Sprache aufMartin Behaim gekommen ist.

4 ) Auch Englische Grosse trieben damals dieses Geschäft. ImJahre 1470 nahm ein Corsar Faucombridge, ein Neffe des Grafenvon War w ick, der in jener Zeit England beherrschte, zwölf Portu-giesische Handelsschiffe im Canal weg oder plünderte sie wenigstensvöllig aus. Die Portugiesen erhielten hierauf von ihrem König Al-phons die Erlaubnis, sich an Englischem Eigenthum zu entschädigen,worauf die Portugiesen den Engländern so grossen Schaden zufügten,

dass König Eduard Gesandte zur Ausgleichung der Sache nach Por-tugal schickte. Schäfer, Gesch. von Portugal Band II. S. 516.

5 ) Die M ii nchener Staatsbibliothek besitzt ein merkwürdiges Ma-nuscript, welches eine Sammlung von Berichten theils in Portugiesi-scher, theils iu Lateinischer Sprache über die Entdeckungen und Be-sitzungen der Portugiesen in Afrika und Asien bis zum Jahre 1508enthält. Der gleichzeitige Sammler dieser Berichte nennt sich ValentinFernandez Alemäo und ist ein bis jetzt nicht näher bekannter, nachPortugal übergesiedelter Deutscher. Das Manuscript stammt aus derberühmten Peutinger’schen Sammlung in Augsburg und wird von demMünchener Bibliothekar Dr. Sch melier in den Abhandlungen derphilos. philo). Classe der Münchener Akademie, II. Band, 3. Abth.München 1847 ausführlich beschrieben. Unter den verschiedenen Stücken,welche dieses Manuscript enthält, theilt Herr Dr. Sch melier p. 17den Bericht eines Schlosshauptmannes Diogo Gomez über die Ent-deckung von Guinea vollständig mit, der von dem Verfasser an Mar-tin Behaim gerichtet ist. Der Titel lautet: »De prima inventioneGuinea . Qualiter fuit inventa Aethiopia australis , quae Lybia in-ferior nuncupatur ullro descriptionem Ptolemaei, quae Agizimbanominabatur, nunc vero Guinea ab incentoribus Portugalensibusnuncupata est usque liodiernum diem , quam inventionem retuliCDuoguo Gomez Almoxeriff palatii Sintern Martino de Bohe-mia, inclito Militi Alemano .« Diogo Gomez hat an den Expeditionenvon 1444—1463 selbst Theil genommen. Er wird in einer anderenPortugiesischen Abhandlung des Manuscripts, die im Jahre 1507 ver-fasst ist und eine Beschreibung von Afrika enthält, öfter erwähnt und