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Wir wissen nicht, wie viele Kinder aus dieser Ehe Behaim’s entsprossen sind. Cordciro spricht (in der Note13 des angefügten Aufsatzes von Garcäo-Stockler) von zwei Söhnen, die Behaim gehabt, von denen der ältere,welcher seinen Namen Martin geführt, vor Behaim’s Abreise nach Nürnberg gestorben sei. Seinen NürnbergerVerwandten selbst war bei seinem Tode der Stand seiner Familie völlig unbekannt (Urk. .Will). Aus den UrkundenXIII., XVII. u. XVIII. erfahren wir, dass Behaim’s Wittwe sich zum zweiten Mal auf die Insel Madeira an einenAdeligen verheirathete, und dass bei Behaim’s Tode nur ein einziges Kind vorbanden war, ein Sohn, welcher gleich-falls Martin hiess (Urk. XVIII).
Dieser Sohn ist am G. April 1489 geboren (Urk. XVI. u. XVII). Er scheint keinen bestimmten Wirkungs-kreis gehabt, sondern, wie es in der Natur seiner Verhältnisse lag, bald an dem landwirtschaftlichen Leben aufFayal, bald bei der Schifffahrt sich betheiligt zu haben. Vielleicht hat er sich a_ich, wie die Urkunden XVII. u. XVIII.andeuten, zeitweise bei einer Schwester seiner Mutter, Donna Isabeila (Urk. XX.), einer sehr achtbaren verwitt-weten Dame, in Lissabon aufgehalten. Etwa zehn Jahre nach seines .Vaters Tod beschloss er, seine Nürnberger Ver-wandten aufzusuchen. Er reiste vorher zu seiner Mutter nach der Insel Madeira , um eine Beisteuer zur Reise zuerhalten. Auf dem Rückwege von Madeira nach Lissabon bekam er mit einem streitsüchtigen Menschen auf demSchiffe Händel und tödtete denselben aus Nothwehr. Auf diese That hin wurde er in Lissabon zwei Jahre lang ge-fangen gehalten. Die Untersuchung zog sich sehr in die Länge, da die Zeugen sehr weit entfernt waren. Aus demGefangniss schrieb er an die Nürnberger Verwandten, damit sie sich bei’m König schriftlich für ihn verwendeten (Urk.XXII.), hatte aber, als das gewünschte Schreiben ankam, seine Freiheit schon mit Hülfe der päpstlichen Gesandtschafterreicht, die durch 31 Ducaten gewonnen worden war (Urk. XV. XVII.).
Georg Pock, Factor in der Handlung, weiche die Nürnberger Familie Hirschvogel in Lissabon hatte, schil-dert in seiner Correspondenz mit Michael Behaim, dem Bruder des Seefahrers, diesen jungen Martin Behaim als einen bescheidenen, braven, lernbegierigen Menschen, der sich in dieser Beziehung vor der Portugiesischen Jugendsehr vortlieilhaft auszeichne (Urk. XVIII). Der Oheim Michael Behaim schreibt seihst an seinen Neffen (Urk.XV.) und sagt ihm, dass er aus der Hinterlassenschaft seines Oheims Wolfgang: Behaim ungefähr 350 Gulden zuerhalten habe, dass sich die Nürnberger Verwandten freuten, ihn zu sehen, dass er bei des Oheims SchwagerUlrich Fütterer sein Absteigquartier auf 4 Wochen nehmen könne. Doch, schreibt er an Georg Pock (Urk. XVII.),der junge Behaim solle nicht glauben, dass er in Nürnberg bleiben und auf Kosten seiner Verwandten leben könne.Etwas Anderes wäre es, wenn er Deutsch lernen und sich dem Handel widmen wolle, dann wollten sie ihn inihr Geschäft aufnehmen, und er könne nach einiger Zeit sich in den Niederlanden oder in Portugal niederlassen.Wolle er jedoch lieber seinen Plan, nach Indien zu gehen, verfolgen: so möge Dies nicht geschehen, bevor er seinNürnberger Erbgut in Empfang genommen. Der Factor Pock in Lissabon lässt den jungen Mann vor seiner Abreisenach Deutschland auf sein Comptoir kommen (Urk. XVIIII.) und stellt ihm vor, dass man in Deutschland nicht in derWeise leben dürfe wie in Portugal ; dort müsse man fleissig sein, ein eingezogenes Leben führen und dürfe sichkeiner Arbeit schämen. Der junge Behaim versichert hierauf, dass er Alles thun wolle, dass ihm keine Arbeit zuschwer oder zu niedrig sein solle. Nachdem er von Michael Imhof auf einen Wechsel das Reisegeld entnommenhat, tritt er am 3. April 1519 (Urk. XVIII.) seine Reise an, und geht zunächst zu Schiff nach Antwerpen . Auseiner Rechnung, welche die Auslagen enthält, die das Hirschvogel’sche Handlungshaus in Antwerpen für ihn gemacht,ersieht man, dass er sich vom 12. bis zum 28. Mai 1519 in jener Stadt aufgehalten habe. Nach dem Wunsch seinerNürnberger Verwandten legte er dort seine Portugiesische Kleidung ab und kaufte sich einen schwarzen, DeutschenAnzug. Auch die Rechnung über diese Kleider ist im Behaim’schen Archiv noch vorhanden. Von Antwerpen reisteer zu Pferd mit dem gewöhnlichen Boten nach Nürnberg (Urk. XIX.), w r o er am 7. Juni 1519 ankam. Seinem Oheimbrachte er einen Brief von Georg Pock und drei Papageyen mit.
In Nürnberg wurde er bei seinen Verwandten sehr gut aufgenommen. Er schreibt seihst nach Lissabon (Urk. XX.), dass er von seinem Oheim Michael Behaim und dessen Frau wie das eigene Kind gehalten werde,worüber die Portugiesischen Verwandten sehr erfreut sind und durch Georg Pock ihren Dank ausdrücken lassen.Der Oheim hielt es für das Dringendste, dafür zu sorgen, dass der junge Mann Deutsch und Rechnen lerne. InNürnberg will er ihm diesen Unterricht nicht geben lassen, weil es auffallend und für die Familie beschämend sei,dass ein junger Mann, der schon das dreissigste Jahr erreicht, noch Elementarunterricht geniesse. Er gibt denjungen Behaim also zu einem Schullehrer nach Bamberg in Kost und Wohnung (Urk. XX. XVIII.). Unter den Pa-pieren des Bchaim’schen Archivs findet'sich noch ein Brief von Michael Behaim, datirt vom 8. Dez. 1518, alsonoch vor des jungen Behaim’s Ankunft geschrieben, worin der Onkel einen Schwager (wie eine Randbemerkung vomJahr 1522 sagt, den Hans von PI oben) ersucht, wenn er nach Bamberg komme, sich nach einem Schullehrerumzusehen, der bereit wäre, einen jungen Menschen von ungefähr 25 Jahren in Kost und Wohnung zu nehmen und