Zwölftes Kapitel.
Nachdem wir im ersten Kapitel über Behaim’s Familienverhältnisse in Nürnberg gesprochen haben, bleibtuns hier schlüsslich noch übrig, über die Familie Etwas beizufügen, mit welcher er in Portugal durch seine Hei-rath in Verbindung gekommen, und über seinen hinterlassenen Sohn.
Behaim’s Schwiegervater war, wie bereits öfter erwähnt wurde, Jobst von Hurter, ein reicher Edelmannaus Brügge . Nach einer Bemerkung, welche Behaim auf seinem Globus bei den Azoriscben Jnseln gibt, wäreHurter von der Herzogin Isabella von Burgund, welcher ihr Bruder, der König von Portugal , die Azoriscben In-seln zum Geschenk gemacht hatte, zum erblichen Statthalter der Inseln Fayal und Pico ernannt worden. Nachder Aussage des Cordeiro in seiner „historia insulana“ hätte genannten Hurter, der sich als junger Mann, vondem Ruhm der Entdeckungsreisen angezogen, in Lissabon aufhielt, der König von Portugal zum Statthalter dieserInseln gemacht. Nach einem noch vorhandenen Actenstück über die Rechte der Hurterschen Familie auf die Statt-halterschaft wären die Inseln Eigenthum des Christusordens gewesen, und Hurter wäre von dem Grossmeister desOrdens, dem Prinzen Don Fernando, zum Statthalter eingesetzt worden. Trigozo sucht in der angefügten Ab-handlung, welche sich über diesen Gegenstand weiter verbreitet, diese Widersprüche möglichst dahin zu vereinigen,dass die Inseln ursprünglich, von der Schenkung her, welche König Eduard dem Prinzen Heinrich gemacht, Hein-rich’s Neffen und Adoptivsohn, dem fnfanten Don Fernando gehört, von diesem auf Don Diogo, den Sohn derDona Beatriz, übergegangen, von letzterem aber an König Emanuel und die Krone zurückgefallen seien.
Jobst von Hurter verkaufte, nachdem er die Bestallung als Statthalter von Fayal und Pico erhalten hatte,seine Besitzungen in Flandern und führte eine ansehnliche Zahl von Flanderern als Colonisten auf die Inseln(1466). Als Statthalter hatte er die Gerichtsbarkeit, mit Ausnahme des Rechtes, am Leben oder um ein Glied desKörpers zu strafen, bezog den Zehnten von allen königlichen Einkünften, konnte Grund und Boden verleihen, hattedie alleinige Befugniss, öffentliche Backöfen, Mahl-, Sägemühlen und Hammerwerke anzulegen, und konnte, unterBerücksichtigung des Eigenthums Anderer, seine Herden auf der ganzen Insel weiden zu lassen. Das Nähere hier-über sagt der von Trigozo in einer Anmerkung angeführte Beslallungsbrief. Verheirathct war Hurter mit einerBrigitta von M acedo, einer Palastdame der Königin von Portugal • die Macedos gehörten, wie Cordeiro sagt,dem alten Adel Portugal’s an. Derselbe Cordeiro berichtet, dass Hurter mehre Töchter gehabt habe, die sich anAdelige in Portugal (eine an Behaim ) verheirathet hatten. Sein ältester Sohn, der gleichfalls den Namen Jobst(Joz d’Utra) führte, folgte ihm in der Statthalterschaft. Er verheirathete sich mit einer Dame aus der FamilieCortereal, welcher Name auf seinen Nachkommen übergeht. Sein Sohn nennt sich in der von Trigozo beigege-benen Bestallung:surkunde bereits Manuel d’Utra Cortereal.
Ueber Martin Behaim’s Gemahlin Johanna, Tochter des Jobst Hurter mit Brigitta von Macedo, lässt sichWenig beibringen. Sie verheirathete sich mit Behaim , wie wir öfter erwähnt, wahrscheinlich im Jahre I486. Behaim’sAufenthalt war so wechselnd, dass seine Frau die Zeit ihres Ehestandes wohl zum grösseren Theil ohne ihrenGemahl hinbrachte. Sie theilte dieses Schicksal mit vielen anderen Portugiesischen Frauen, deren Männer sich denExpeditionen zur See anschlossen. Auffallend ist es, u r ie ich bereits Gelegenheit nahm zu bemerken, dass sich Behaim über Jahr und Tag (1491 — 93) in Nürnberg bei seinen Verwandten zum Besuche aufhalten konnte, ohne nach Fayalzurück zu trachten.