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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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85
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§5

»Zu der Zeit, als der Infant Don Heinrich mit der Entdeckung von Guinea den Anfang machte, erstreckte sich die ganze Schifffahrt»der Seeleute nur längs der Küste, die sie zur Richtschnur nahmen; ihre Keuntniss davon hatten sie an Merkmalen, nach denen sie Seebücher»zusammenstellten, wie sie noch gegenwärtig einiger Massen gebraucht werden; für jene Art der Entdeckungsreisen genügte Dieses auch.»Aber sobald sie in der Weise schiffen wollten, dass sie die Küste aus den Augen verloren und sich auf die offene See wagten, erkannten»sie, wie oft sie sich in der Schätzung und Beurtheilung der Fahrzeiten irrten, welche sie nach ihrer Weise dem Schiffe alle 24 Stunden»gaben, sowohl in Folge der Strömungen als anderer Geheimnisse, welche das Meer hat, während die Sonnenhöhe den wirklich zurückgelegten»Weg ganz zuverlässig angibt. Wie nun die Noth die Lehrmeisterin aller Künste ist, so übertrug der König Johann II. in seiner Zeit»diese Angelegenheit dem Meister Rodrigo und dem Meister Joseph Judeo, beide seine Aerzte, und einem gewissen Martin de Bohe-»mia, der in jenem Lande gebürtig war und sich rühmte, ein Schüler des Johann Regiomontanus , eines unter den Lehrern dieser»Wissenschaft berühmten Astronomen, zu sein. Diese erfanden nun die Art, nach der Höhe der Sonne zu schiffen, wozu sie ihre Tabellen»für die Deklination derselben machten; ebenso wie es jetzt von den Seefahrern zu geschehen pflegt, aber genauer, als im Anfänge, wo»man sich grosser Astrolabien von Holz von drei Spannen Durchmesser bediente, welche auf drei Stäbe in Form eines Hebebocks befestigt»waren , um die Solarlinie besser zu sichern und richtiger und genauer die wahre Höhe von einem Orte zu erfahren. Mögen sie auch»andere kleinere von Messing gehabt haben, so fing doch diese Kunst, die der Schifffahrt so vielen Nutzen gebracht hat, so unvollkommen»an.» So weit Joäo de Barros ,0 ).

Wir sagten oben, dass Martin de Bohemia vielleicht den Hauptantheil an dieser Erfindung hatte, was wir darauf gründen, dasser als ein Schüler des Regiomontan nothwcndiger Weise Kenntniss von seinem damals schon erfundenen Meteoroscopium, sowie Yon seinemAstrolabium armillare und seinen Sonnen-Deklinationstafeln haben musste; wesshalb ihm die Anwendung dieser Instrumente für die Seelährtum so leichter werden konnte. Die Wichtigkeit, mit der er, unseren Schriftstellern zufolge, immer den Namen dieses Professors erwähnte,gibt zu erkennen, dass er kein Geheimniss daraus machte. Wem er alle jene Erfindungen verdanke n ).

Kurze Zeit nachher kam eine Gelegenheit, das neue Instrument zu prüfen und seine Nützlichkeit kennen zu lernen. Gegen die Mittedes Jahres 1484 brachte Diogo d’Azambuja die Nachricht, dass die Festung Mina vollendet sei, und da nun damit die Befürchtungen,die man bis dahin hegte, zum grossen Theil verschwunden waren, so hob sich jetzt auch der Schleier, der bisher unsere rechtmässigenBesitzungen deckte. Der König vermehrte seine Titel durch den eines Herrn von Guinea , und unsere Seefahrten nahmen einen bestimmtenCharakter an, unterschieden sich wesentlich von denen, die man bisher gemacht hatte. Die hauptsächlichsten Orte an der Küste wurden,anstatt mit hölzernen Kreuzen, mit dem königlichen Wappenschilde und mit Lateinischen und Portugiesischen Inschriften bezeichnet, welcheden König, die Zeit und den Kapitän angaben, der sie entdeckte.

Bei der Ankunft Azambuja’s war schon Alles gerüstet, oder rüstete sich, um in wenigen Tagen die Entdeckungen fortsetzen zukönnen. Diogo Cäo, Befehlshaber dieser neuen Expedition, wartete nur noch auf den Befehl zur Abreise, welcher ihm in der That im MonatNovember zukam, und Martin de Bohemia , der sich gleichfalls mit dem Titel eines Kosmographen einschiffen sollte, nahm sich ohne Zweifelvor, die ersten Versuche mit seinem Instrumente zu machen und die Längen und Breiten mitten auf dem Meere zu bestimmen. Hören wirseinen eigenen, obwohl sehr gedrängten Bericht über diese Reise in einer Notiz auf dem Globus von Nürnberg , von dem wir weiter untensprechen werden.

»Im Jahre 1484 nach der Geburt Jesu Christi liess der erlauchte König Johann von Portugal zwei Schiffe, Caravelen genannt, 12 )»mit Mannschaft, Lebensmitteln und Waffen auf drei Jahre wohl versehen, ausrüsten, und befahl der Mannschaft, über die von Herkules»in Afrika gesetzten Säulen hinaus immer nach Süden und Osten so lange zu fahren, als es ihnen nur immer möglich wäre. Ausserdem»liess besagter König diese SchifTe mit allen Arten von Waaren beladen, um dieselben zu verkaulen oder umzutauschen; ebenso wurden»achtzehn Pferde mit ihrem vollständigen Geschirr eingeschifft, um sie den Maurischen Königen, einem jeden eines, zum Geschenk»zu machen, wie wir es für angemessen hielten. Man gab uns auch Muster von verschiedenen Spezereien mit, damit wir sie den Mauren»sehen Hessen und ihnen zu verstehen gäben, dass wir desswegen ihre Länder besuchten. Als wir so ausgerüstet waren, liefen wir aus»dem Hafen von Lissabon aus und segelten der Insel Madeira zu, wo der Zucker Portugal’s wächst, und nachdem wir die Glücklichen

10 ) Decada I. Liv. 4. Cap. 2. Dasselbe berichtet Mariz im Gespräche 4.Cap. 10. Der Marquis von Alegrete, Manoel Teiles da Silva in »De Rebusgestis Joannis II.« pag. 152 der Lissaboner Ausgabe, sagt, dass das Astrola-bium zum ersten Male auf einer Reise des Diogo Azainbuja Dienste leistete,was jedoch nicht sehr wahrscheinlich ist weder der Zeit nach, noch desshalb,weil der Weg, den Azumbaja zu machen hatte, schon sehr bekannt war undnicht über Mina hinausging.

*•) Der Verfasser des Seewörterbuchs in der Encyclopaedia methodica, ist imArtikel »Astrolabium« einigermassen ungerecht in Bezug auf uns. »Das Astro-»labium (sagt er) wurde den Portugiesischen Seeleuten zwischen 1400 und 1500,»während der Regierung Königs Johann II., von den beiden Aerzten Rodrigo»und Jose und von Martin de Bohemia , Schüler des Rigiomontan, welche für

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»die damalige Zeit geschickte Mathematiker waren, in die Hände gegeben. —»Die Portugiesischen Seefahrer, voll von Vertrauen in dieses Instrument, ....»dachten jetzt alle Orte, welche sie bemerkten, genau bestimmen zu können.«Dieses Vertrauen war jedoch keineswegs so gross, wie jener Autor es vermu-thet. Yasco da Gama, auf der Insel St. Helena angelangt, ging mit denSteuerleuten an’s Land, um die Sonnenhöhe zu nehmen, »weil (sagt Barros) er»sich nicht zutraule, dieselbe auf den Schilfen zu nehmen, wegen ihres Sckwan-»kens. Denn der Gebrauch des Astrolabiums war erst seit kurzer Zeit bei den»Portugiesischen Seeleuten eingeiuhrt und die Schiffe waren klein.« BarrosDec. I. Liv. 4. Cap. 2.

,5 )Faria e Sousa in seiner Abhandlung über »alle Flotten« sagt, dassdiese Expedition aus einem einzigen Schiffe bestand.

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