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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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86
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»Inseln •*) und die wilden Canarischen umschifft hatten, fanden wir einige Maurische Könige, denen wir verschiedene Geschenke gaben und

»die uns ebenfalls welche anboten, und kamen in das Königreich Gambia, wo der Tabaskopfeffer wächst, 800 Deutsche Meilen von Portugal

»entfernt. Nachher gelangten wir in die Staaten des Königs von Furfur, 1200 Meilen entfernt, wo der Piment wächst, welcher der Portu-

»giesische genannt wird. Noch weiter ist ein anderes Land, wo wir die Zimmtrinde fanden, und da wir nun 2300 Meilen von unserem

»Königreiche entfernt waren, so machten wir uns auf den Heimweg und im neunzehnten Monat langten wir wieder an dem Hofe unseres»Königs an.« 14 )

Ehe wir weiter gehen, müssen wir bemerken, dass diese Nachricht bis hierher ziemlich mit Dem, was Barros über die erste Reisedes Diogo Cäo schreibt, der bis zum Flusse Zaire im Königreich Congo kam, wo er seinen letzten Denkstein setzte, übereinstimmt. Manmuss jedoch bemerken, dass der Zimmtbaum weder in diesem Lande, noch auf der ganzen Westküste Afrika’s wächst, was ein Beweis dafürzu sein scheint, dass Martin von Böhmen entweder einen anderen Gewürzbaum damit verwechselte, den er dort antraf, oder dass er (nachArt der Reisenden) seine Entdeckungen durch das Hinzufügen einiger aussergewöhnlichen Umstände in seinem Vaterlande vergrössern wollte.

Indem wir die Prüfung einiger anderen Noten dieses Globus fortsetzen, kommen wir auf eine solche über die Prinzeninsel, die InselnSt. Thomas und St. Martin, worin er sagt: »Diese Inseln wurden durch die Schiffe, welche der König von Portugal im Jahre 1484 in diese»Gegenden des Mohrenlandes sandte, entdeckt. Wir fanden dort nur Wüsteneien und sahen keine Menschen, sondern nur Wälder und»Vögel. Der König von Portugal schickt die zum Tode Verurtheilten, sowohl Männer als Frauen, dahin und gibt ihnen Land, um es urbar»zu machen und sich mit den Erzeugnissen zu ernähren, damit diese Länder von Portugiesen bewohnt seien. Es ist in diesen Ländern»Sommer, wann es in Europa Winter ist, und alle Vögel und vierfüssigen Thiere sind verschieden von den unserigen. Es gibt daselbst auch»einen grossen Ueberfluss an Bisam, der in Portugal Algalia genannt wird.«

Wir geben diese Stelle wieder, weil sie die Ungewissheit entfernt, welche Joäo de Barros und mit ihm einige unserer Geschichts-schreiber in Betreff dieser Inseln hatten. Sie alle geben sie als zur Zeit Alfons V. bekannt an, und Galväo bezeichnet das Jahr 1471 oder72 15 ). Das, was in der Dekade I, Buch 2, Kap. 2.gesagt wird, ist Folgendes: »Auch entdeckte man die Inseln St. Thomas, Annobom»und die Prinzeninsel in Auftrag Königs Alfons V. , und andere Orte und Inseln, von denen wir nicht besonders sprechen, weil wir»nicht wissen, wann und durch welche Capitäne sie entdeckt wurden; wir wissen jedoch, dass, dem allgemeinen Gerüchte nach, zu Zeiten»dieses Königs mehr Dinge sich zutrugen und entdeckt wurden, als wir geschrieben finden.« Man sieht daher, dass der Sage nach jeneEntdeckung um dreizehn Jahre früher gefallen wäre, als sie nach dem Berichte eines Augenzeugen, der sie so deutlich in die Zeit Johann’sII. setzt, wirklich stattgefunden hat.

Nachdem, wie wir gesagt haben, die Abreise des Diogo Cäo im November stattgefunden hatte und derselbe in mehren Häfen gelandetwar, kam er am St. Thomastage nach der Insel dieses Namens und am ersten Januar 1485 nach einer anderen, der er den Namen Anno-bom (Neujahr) gab; von hier aus setzte er seine Fahrt sodann weiter fort. Was über diese Entdeckungen berichtet wird, ist sehr interes-sant, weil dieselben, nach unserer Ansicht, die ersten sind, bei welchen man sich der neuen See-Instrumente bediente. Alle bis dahinbekannten Inseln lagen entweder sehr nahe an der Küste, oder man gelangte zu ihnen, indem man durch einen grossen Sturm dahin ver-schlage 11 wurde. So z. B. ist die Insel Porto Santo entdeckt worden; auf gleiche Weise gelangte Antonio de Nolle an die Inseln desGrünen Vorgebirgs. Dagegen sind die oben genannten Inseln, obgleich St. Thomas mehr als 50 und Annobom mehr als 80 Meilen von derKüste entfernt liegen, ohne einen vorhergehenden Sturm, wenigstens ohne dass eines "solchen irgendwo Erwähnung geschähe, entdeckt worden.

Die Angabe des Jahres 1472 von Antonio Galväo ist wahrscheinlich aus einem, zu einer Zeit, wo die Nachrichten über alle dieseBegebenheiten nur auf Traditionen beruhten, leicht zu entschuldigenden Irrthume hervorgegangen. Wo Martin de Bohemia von den Inselndes Grünen Vorgebirgs spricht, sagt er: »Die Glücklichen Inseln oder die Inseln des Grünen Vorgebirgs sind von Portugiesen seit dem Jahre1472 bewohnt 16 ).« Dies ist dieselbe Zeit, wo Diogo Cäo die anderen entdeckte, was wohl Veranlassung geben konnte, diese beiden Begeben-heiten zu verwechseln.

Weiter unten werden wir Gelegenheit haben zu sehen, dass die Inseln,welche hier die Glücklichen heissen, eigentlich die sind, welche jetzt nach demGrünen Vorgebirge genannt werden.

’ 4 ) Nach der Zeitrechnung von Barros, welche hier dieselbe wie bei Martinvon Böhmen ist, konnte Diogo d’Azambuja, da er in Mina am 19. Januar 1482ankam und dort 2 Jahre und 7 Monate blieb, nicht eher als Ende August oderim September 1484 nach Lissabon zurückkekren. Folglich konnte die Abreisedes Diogo Cäo, welche nach dessen Ankunft erfolgte, nicht vor Oktoberjenes Jahres (1484) stattfinden. Rechnet man hiezu die 19 Monate, wel-che Martin de Bohemia , nach seiner Aussage, auf der Reise zugebracht hat, somusste seine Rückkehr im April oder Mai 1486 erfolgen, was mit Barrosübereinstimmt. Ich hielt diese Erklärung für nöthig, nicht allein, weil Manoelda Faria das Datum von 1486 corrigirte, sondern auch weil es aus einem an-deren Grunde, den wir später kennen lernen werden, nothwendig ist, diesenZeitabschnitt festzusetzen.

,5 ) In der Einleitung zur »Fahrt von Lissabon nach der Insel St. Thomas«folgten wir im Allgemeinen den Schriftstellern, wenn wir sagten, dass dieseInsel im Jahre 1472 entdeckt worden sei, da wir damals noch keine Kenntnissvon den Anmerkungen auf dem Globus von Nürnberg hatten. Es könnte jedochgleichwohl sein, dass diese Insel zu jener Zeit (1472) entdeckt worden, dass dieEntdeckung aber nicht verfolgt worden wäre und man erst anfing, dieselbe mit Por-tugiesen zu bevölkern, nachdem Diogo Cäo sie zum zweiten Male entdeckt hatte.

iS) Wir haben schon bemerkt, dass Martin de Bohemia sich einbildete,die Glücklichen Inseln der Alten seien die Inseln des Grünen Vorgebirgs. Dieswar die Meinung einiger Schriftsteller jener Zeit und selbst des grossen Barros.Gegenwärtig ist es erwiesen, dass es die Canarischen sind, und schon Camo-ens sagte:

Pasadas tendo ja as Canai;ias Ilhas,

Que tiveräo por nome Fortunadas.

Camöes. Lus. Cap. 5. Est. 8.