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nicht geringerem Gewichte für das menschliche Herz. Es hatte der König nämlich einen Sohn, eine Frucht seines geheimen Liebesverhält-nisses mit Dona Anna von Mendoza, einer Dame von edler Abkunft, die ihm sehr theuer war. Dieser Sohn, Namens Don Georg, wurdemit der grössten Sorgfalt im Hause der Prinzessin Dona Johanna erzogen und nach dem Tode derselben lebte er am Hofe, wo er von derKönigin selbst bis zu einem gewissen Zeitpunkte sehr gut aufgenommen war. Auf diesen Don Georg wollte König Johann II. das Scepterübergehen lassen; aber um diesen Plan durchzuführen, mussteer ihn zuerst für legitimerklären lassen und die Einwilligung und Zustimmungeiniger Personen der hohen Hierarchie erlangen.
Man kann in Augustin Manuel de Vascancellos die Machinationen lesen, welche angewandt wurden, um den Römischen Hoffür diesen Plan zu gewinnen. Bei der Königin blieben alle Bemühungen gänzlich fruchtlos, »obgleich sie«, sagt ein Schriftsteller jener Zeit 22 ),»von dem Könige mehrmals darum angegangen worden war und wegen ihrer Nichteinwilligung mancherlei Leiden, Ungnade und Unfreund-»lichkeit zu erdulden hatte, so ertrug sie doch das Alles mit vieler Geduld, Selbstverleugnung und Klugheit, ohne je ihre Zustimmung zu»geben.« Als der König einsah, dass er selbst Nichts ausrichten könnte, dachte er daran, eine dritte Person als Vermittler zu gebrauchen,deren Ansehen seinen Forderungen ein grösseres Gewicht geben und deren Verwandtschaft mit ihm, mit der Königin und mit Don Emanuelalle Gedanken an eine Parteilichkeit entfernen könnte, so dass es erschiene, als habe dieselbe nur das Wohl und die Ruhe des Staates imAuge. Kaiser Maximilian I. war der Mann, welcher alle jene Eigenschaften in sich vereinigte.
Als Sohn Friedrich’s IV. und der Prinzessin Dona Leonore von Portugal, war er von dieser Seite Enkel König Eduard’s ;vermählt war er mit Maria von Burgund , Enkelin der Infantin Dona Isabella, deren Länder er mit seinem väterlichen Erbe vereinigthatte, Eigenschaften, die ihn zu einem vortrefflichen Vermittler in den Angelegenheiten Portugals machten.
Nachdem also König Johann II. den Entschluss gefasst hatte, den Kaiser für seine Absichten zu gewinnen, so bedurfte er einesvertrauten Mannes, der mit den Deutschen Gebräuchen und mit den Gesinnungen des Lissaboner Hofes bekannt war. Diese Vorzüge fand erin Martin Behaim , dessen Sendung überdiess dem Kaiser sehr angenehm sein musste; denn er fand ein grosses Vergnügen darin, unter-richtete Leute zu beschützen und sich mit ihnen zu unterhalten, und betrieb die Wissenschaften selbst. Auch erblickte er in dem Portu-giesischen Gesandten einen seiner früheren Unterthanen, der in dem Rufe eines der grössten Reisenden der Welt stand 23 ).
Aus einem von Martin de Bohemia am 11. März 1494 geschriebenen Briefe ersieht man, jedoch unvollständig, das Ende dieserReise, welche durch verschiedene Unglücksfälle verzögert wurde 24 ); denn kaum war Behaim von Lissabon mit seinem Beglaubigungs-schreiben 25 ) abgereist, so wurde er auf dem Meere gefangen genommen und nach England gebracht, wo er eine schwere Krankheit auszu-stehen hatte. Als er nach drei Monaten genesen war, schiffte er sich wieder ein und fiel in die Hände eines Corsaren, der ihn nachFrankreich führte. Endlich, nachdem sein Lösegeld bezahlt war, reiste er nach Antwerpen und von da nach Brüssel , wo sich, wie esscheint, der Kaiser damals aufhielt. So viele Verzögerungen machten glücklicher Weise diese Reise fruchtlos; kurz nachdem Behaim dortangekommen war, erhielt er neue Befehle, die den ersten ganz entgegengesetzt waren. Da in der Zwischenzeit die Krankheit des Königszugenommen hatte, so hat ihm dieser Umstand wahrscheinlich den Muth zur Durchführung seines Vorhabens benommen. Wenigstens ist esgewiss, dass der Befehl, nach Lissabon zurückzukehren, so dringend war, dass Behaim , welcher den erwähnten Brief schon geschriebenhatte, denselben erst nach seiner Ankunft in Lissabon absenden konnte.
Von dieser Zeit an, welche mit geringem Unterschiede auch die von König Johann’s II. Tode ist, hörten die Reisen Martin Behaim’s auf, und sein Leben floss ruhig auf Fayal dahin, getheilt zwischen dem Studium und zwischen der Sorgfalt für seine Familie, die nochdurch einen Sohn vermehrt wurde, der jedoch nicht lange lebte 26 ). Seine Kenntnisse, besonders in der Geographie und Astronomie,waren so gross, dass seine Freunde und im Allgemeinen alle Einwohner ihn mit einer abergläubischen Ehrfurcht betrachteten, so gewisswaren seine Bemühungen und seine Yorhersagungen. Man kann in Fr. Gaapar Fructuoao und im Buche 9. Cap. 8. der Hiatoria inaulanagenügende Nachrichten in dieser Beziehung finden.
schrift davon lange Zeit in der Familie Behaim aufbewahrt wurde. Einige Au-toren berichten es als eine Tradition, dass König Johann II. an Behaim in einemBriefe mit eigener Iland schrieb: Quia perspecla nobis jamdiu integritas tua nosinducil ad credendum quod ibi tu es, est Persona nostra etc. Einige haltendiesen Brief für wahr und bedienen sich desselben als einen Beweis der grossenZuneigung des Königs. Andere halten ihn für apoluyphisch, indem sie erklären,dass jene Worte sich für einen Monarchen nicht geziemten. Selbst Hr. Murrder von der Gesandtschaft Behaim’s spricht, bemerkt nur, dass es ein Beglau-bigungsschreiben war.
26 ) Nach Cordeiro (Hist, insul. pag. 465) hatte Martin de Bohemia zweiSöhne, von welchen der älteste Martin hiess und noch jung starb. Hr. v. Murrspricht bloss von diesem und sagt, dass er ihn überlebte, und dass sich vonihm noch Briefe vorfänden. Er gibt ferner an, dass er im Jahre 1519 in Nürn-berg rechts vom Ilauptaltare in dem Chor der St. Kalharinenkirche einen Todlcn-schild mit dem Wappen seines Vaters aulbängen liess. Es scheint also, dassderjenige, welcher starb, der zweite sein musste, da es nicht wahrscheinlichist, dass beide denselben Namen hatten.
M ) Rezende in der Chronik Königs Johann II.; Dasselbe berichtet Ruyde Pi na beinahe mit denselben Worten.
2 D Maximilian gibt selbst dieses Zeugniss, indem er sagt: »Martino Bohemonemo uuus Imperii civium magis unquam peregrinator fuit magisque remotasadivit orbis regiones.«
**) Hr. v. Murr bringt kaum einen Auszug dieses Briefes und diesen ziem-lich unvollkommen und fehlerhaft. Folgendes bemerkt er im Anfang: »Im»Jahre 1494 sandte Johann II. Martin Behaim nach Flandern an seinen na-»türlichen Sohn, den Prinzen Georg, auf den er die Krone übergehen zu lassen»wünschte etc.« Dies ist eiu offenbarer Irrthum; denn Don Georg war nie inFlandern , ist auch bis zu dem Tode seines Vaters nie aus dem Reiche gekom-men. Wir haben schon bemerkt, dass Murr nicht Viel von unserer Geschichtewusste ; desshalb verfiel er oft in sonderbare Irrthümer. Indem er z. B. JoäoInfante mit einem Infanten Johann verwechselt, sagt er, dass Bartholomäus Dias das Vorgebirge der guten Hoffnung in Gemeinschaft mit dem Infanten Johannentdeckte u. s. w.
**) Es scheint, dass dieses Beglaubigungsschreiben oder vielmehr eine Ab-
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