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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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88
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Der Globus hat einen Pariser Fuss und acht Zoll im Durchmesser und ist auf ein hohes eisernes Gestell gesetzt. Sein Meridian istebenfalls von Eisen; der Horizont ist von Messing und wurde lange nachher gemacht, wie man aus einer Inschrift, die er am Rande hat,sieht, welche lautet: Anno Domini 1510; die 5. Kovembris. Die verschiedenen Ländergebiete sind mit den Flaggen der betreffenden Mächtebezeichnet- letztere sind gemalt, ebenso die Wohnplätze und Figuren der Einwohner jedes Landes. Die Namen der Orte sind mit rotherund gelber Tinte auf ein ziemlich geschwärztes Pergament geschrieben.

Da Einige die Behauptung aufgestellt haben, dass auf diesem Globus schon Amerika verzeichnet wäre, so wird wohl hier schonder Ort sein, zu erklären, dass Dies nicht der Fall sei, wiewohl wir erst im zweiten Theile dieser Abhandlung hierüber ausführlicher spre-chen werden. Man findet nämlich das Land Cipango dort mehr nach Osten vorgeschoben, als eine grosse, längliche, beinahe rechtwinkeligeInsel, die oben im dritten Theile ihrer Länge von dem Wendekreise des Krebses durchschnitten wird. Oberhalb derselben und beinahe unterdem nämlichen Meridian finden sich die Inseln von Cathayo, und von da an bis zu dem Meridian der letzten Insel des Grünen Vorgebirgssieht man kein Land weder gegen Süden noch gegen Osten, ausgenommen die vermeintliche Insel S. Brandäo und eine andere, welche erAntilia oder »Sieben Städte« nennt 21 ), ebenfalls fast unter dem Wendekreise des Krebses. Kurz, man kann aus diesem Globus nicht diegeringste Vermuthung ziehen, dass sein Verfertiger zur Zeit, wo er ihn machte, irgend eine Kenntniss von Amerika gehabt habe.

Wir fahren nun mit der Beschreibung des Globus fort. Am unteren Theile desselben, nahe am Südpol , ist in einen Kreis von 7Zoll Durchmesser der Nürnbergische Adler mit dem Jungfrauenhaupte gemalt und unten das Wappen der Familie Nützel, rechts das der FamilienVolckamer und B e h a i m, und links jenes der Familien G r o 1 a n d und Holzschuher angebracht. Um alle diese Malereien herum sind fünf Zeilengeschrieben, welche folgende Worte enthalten: »Auf Ersuchen der weisen und hochverehrten Senatoren der edlen kaiserlichen Stadt Nürn-»berg, die gegenwärtig am Regimente sind, nämlich Gabriel Nützel’s, P. Volckamer’s und Nikolaus Groland’s, wurde dieser Globus erfunden»und ausgeführt nach den Entdeckungen und Angaben des Ritters Martin Behaim , der in der Kunst der Kosmographie sehr erfahren ist und»den dritten Theil der Erde umschifft hat. Derselbe hat Alles mit grösster Sorgfalt aus den Büchern des Ptolomaeus, Plinius, Strabo und»Marco Polo gezogen und sowohl Meere als Länder ganz nach ihrer Gestalt geordnet, sowie es besagte Magistratspersonen dem Georg»Holzschuher, der bei der Verfertigung dieses Globus im Jahre 1492 mitwirkte, aufgetragen hatten. Denselben hat genannter Martin Behaim »der Stadt Nürnberg als ein Zeichen seiner Verehrung überlassen, ehe er zu seiner Frau zurückkehrte, welche eine Insel, 700 Meilen weit»entfernt, bewohnt, woselbst er seine Wohnsitz aufgeschlagen hat und wo er seine Tage zu beschliessen gedenkt.«

Wir glauben, hier abbrechen zu müssen, obwohl noch viele Anmerkungen vorhanden sind, die wir abschreiben könnten; eine einzigeausgenommen, von welcher wir noch Gelegenheit nehmen werden, zu sprechen, sind alle übrigen von geringem Interesse; sie sagen wederEtwas über das Leben des Verfertigers noch über die Portugiesische Geschichte. Wer sie vollständig sehen will, der findet sie in der schonerwähnten Abhandlung des Hrn. v. Murr, worauf wir hier verweisen.

Im Jahre 1493 war Martin de Bohemia schon aus seinem Vaterlande zurück in Lissabon und kurz darauf auf der Insel Fayal imKreise seiner Familie. Man liess ihn jedoch nur kurze Zeit die häusliche Ruhe geniessen. König Johann II., vollkommen mit seinerBrauchbarkeit und seinen Fähigkeiten bekannt, beschloss, ihn zu einer delikaten Sendung zu verwenden, an deren Erfolg er das grössteInteresse geknüpft hatte, und für welche es in der That schwer gewesen wäre, einen geeigneteren Mann zu finden.

Es ist bekannt, dass dieser Monarch seinen einzigen Sohn, den er von der Königin Leonore hatte, ohne Nachfolger durch den Todverlor und dass der Thronerbe daher Don Emanuel wurde, der Bruder der Königin und Geschwisterkind des Königs. Dieser künftige Nach-folger war aber auch der Bruder jenes Herzogs von Viseu , den der König selbst durch Dolchstiche ermordet hatte; nur durch eine beson-dere Vorsicht war er den Anschlägen seiner Feinde und einer ähnlichen grausamen Behandlung entgangen. Trotz dieser Schonung war aberdoch so Viel gewiss, dass weder er selbst den König, noch dass dieser einen Prinzen gerne sehen konnte, der ihn nicht allein an seinefrühere Rache erinnerte, sondern jetzt auch eines Tages die Krone tragen sollte, während sich der König so viele Mühe gegeben hatte, eszu verhindern, dass die Regierung auf jene Familie käme. Zu diesen an und für sich schon mächtigen Motiven kam noch ein anderes von

»«) Bei dieser Insel Antilia befindet sich folgende Anmerkung: »Im Jahre»734 nach Christi Geburt, wo ganz Spanien von den Heiden, die aus Afrika »kamen, erobert wurde, war die Insel Antilia, genannt »Sieben Städte«, von»einem Erzbischöfe und sechs Bischöfen, nebst einer Anzahl von Christen und»Christinnen, die sich dahin mit ihren Heerden und ihrer Habe aus Spanien ge-»rettet hatten, bewohnt. Im Jahre 1414 näherte sich ihr ein Spanisches Schiff etc.«Kann nun aus Dem, was wir oben gesagt haben, und worauf sich auch dieseAnmerkung bezieht, ein Vernünftiger den Schluss ziehen, dass man zu jenerZeit schon eine Kunde von Amerika gehabt habe: selbst wenn man sich nichterinnern wollte, dass (schon wegen ihrer Lage) die Insel Antilia der Alteneben so fabelhaft war, wie die Inseln St. Brandäo, Masculina, Feminina undandere Eilande jener Schriftsteller? Wenn man den Inseln, die Columbus beimgrossen Mexicanischen Meerbusen entdeckte, nicht den Namen Antillen gegebenhätte, so wäre wahrscheinlich das alte Antilia heute gänzlich vergessen. Man

schloss aber aus der Uebereinstimmung der Namen auf die der Sachen, ohneauf die verschiedene Lage, noch auf den Umstand zu achten, dass das alte An-tilia eine einzige, mitten im Meere allein liegende Insel war, und die neuenAntillen einen unermesslichen Archipel ausmachen, der schwer gezählt werdenkann. Ein anderer Beweis , welcher aus der Etymologie hergenommen wird,erscheint noch unhaltbarer. Man sagt, dass die neuen Antillen desshalb so ge-nannt würden, weil sie den grossen Amerikanischen Inseln gegenüber liegen,und will daher annehmen, dass aus gleichem Grunde das alte Antilia so genanntworden sei. Wie wäre Dieses aber möglich, wenn auf der Karte, wo dieseInsel erscheint, keine der grossen Amerikanischen Inseln sichtbar wird ? Warumsagen wir nicht lieber, dass die Alten diesen Namen der Insel gaben, weil sievermutheten, dass dieselbe den Canarischen Inseln gegenüber liege, und be-ziehen uns so lieber auf den bekannten Theil der Erde, als auf einen damalsnoch völlig unbekannten?