Buch 
Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
Entstehung
Seite
91
JPEG-Download
 

--• 91 .-

»Als Fayal schon zum Theil, wenn auch noch wenig, von Portugiesen, die von Terceira , S. Jorge und Gracios dahin»gekommen, bevölkert war, so beabsichtigten der König und die Königin, einen erblichen Statthalter (Capitäo Donatario) zu ernennen, damit»dieser mehr reiche Leute und Adelige dahin ziehe. Da sich nun damals in Lissabon ein grosser Flandrischer Ritter Namens Joz»d’Utra im Dienste des Königs und der Königin befand, so ernannte der König denselben zuin Capitäo Donatario der ganzen Insel Fayal »und verheirathete ihn mit einer Portugiesin, Namens Brigitta von Macedo, vom alten Adel der Macedo, welche Palastdame war.»Von diesem Joz d’Utra sagt Barros, dass er ein Flamänder, aus der Stadt Brügge im Herzogthum Flandern gebürtig, und Herr mehrer»Dörfer in diesem Herzogthume gewesen sei, ferner dass er als Jüngling nach Portugal gekommen, angelockt durch den Ruhm der von den»Portugiesen gemachten Entdeckungen und allein um Länder zu sehen und Sprachen zu lernen, wie es damals vornehme und reiche Ritter in»ihrer'Jugend zu thun pflegten.«

»Nachdem nun das Diplom als Capitäo Donatario von Fayal, in derselben Form, wie den Donatarios von Madeira und den übrigen»Inseln, dem Joz d’Utra übergehen worden war, kehrte er von Lissabon nach Flandern zurück, verkaufte seine ansehnlichen dortigen»Besitzungen, lud seine Reichthümer auf Schiffe und nahm als Begleiter viele andere Ritter, viele seiner Verwandten und andere geringere»Ansiedler mit, kehrte mit Allen auf seine Kosten nach Lissabon zurück und Hess sich mit seiner Frau in Fayal nieder.«

»Erster Capitäo Donatario dieser Insel war also besagter Joz d’Utra. Seine Gemahlin war Brigitta von Macedo. Wenn Einige»sagen, dass Joz d’Utra mit einer gewissen Corterreal verheirathet gewesen, so irren sie sich; sie verwechseln Joz d’Utra, den»Vater, ersten Capitäo Donatario, mit seinem Sohne, der den nämlichen Namen führte und seinem Vater in der Stelle folgte; dieser war mit»einer Corterreal verheirathet. Von diesem Capitäo Joz d’Utra und der Brigitta von Macedo stammen mehre Töchter her, welche»sich mit Adeligen in Portugal verheiratheten; eine derselben heirathete einen angesehenen Deutschen, Namens Martin de Bohemia , den»der König wegen seiner Vortrefflichkeit und grossen Gelehrsamkeit sehr schätzte.«

So weit Pater Cordeiro, dessen Zeugniss in diesen Dingen ein grosses Gewicht hat, nicht seinetwegen und wegen der Autoritäten,die er anführt, sondern, weil seine Geschichte sich abgedruckt findet in den Saudadex da Terra von Fr. Caspar Fructuoso, einemgleichfalls sehr glaubwürdigen Manne, der an Ort und Stelle mit den Dokumenten vor Augen und zu einer Zeit schrieb, wo die Erinnerungan diese Dinge noch nicht ganz untergegangen sein konnte. Gleichwohl sagt er kein Wort, weder von der Unterhandlung mit der Herzoginvon Burgund , noch von der ihr gemachten Schenkung. Fügen wir noch ein drittes Zeugniss hinzu, das desshalb sehr glaubwürdig ist, weiles uns ein naher Erbe von Jobst Hurter gibt.

Da nämlich zwischen Hieronymus d’Utra Corterreal und der Krone ein Prozess wegen der Nachfolge in der StatthalterschaTt derbeiden Inseln Fayal und Pico (aus Gründen, die unserem Vorhaben fremd sind, die man aber in der Hisloria insulana Seite 458 nach-lesen kann) anhängig war; so wird noch in Tone do Tombo (Schublade 15, Bund 16, Nro. 5) ein Urtheil aufbewahrt, das der Gerichtshofder Krone am 6. September 1571 gefällt hat, aus welchem, gemäss der Aussagen dieses Hieronymus d’Utra, hervorgeht, dass sein Gross-vater Joz d’Utra, auf Anregen des Infanten Don Fernando, Grossmeisters des Christusordens , nach diesen beiden Inseln eine Colonieführte, die dem Christusorden gehörten, dass ihm und seinen Söhnen und Nachkommen die Statthalterschaft erblich zugesagt war, was auchvom König Emanuel bestätigt worden, und dass nach dem Tode dieses ersten Statthalters die Statthalterschaft auf seinen Sohn Manoeld’Ulra Corterreal übergegangen sei.

Aus diesem Allen sieht man bis zur Ueberzeugung klar, dass die Flamänder, geführt von Joz d’Utra, die Ersten oder wenigstensDiejenigen waren, welche die Inseln Fayal und Pico vornehmlich bevölkerten. Die Veranlassung wird in jeder der drei oben angeführtenStellen anders erzählt; denn während die beiden ersten kein Wort von der Herzogin von Burgund sagen, behandelt die eine die Inseln alsder Krone Portugal gehörig, die andere als einen Besitz des Christusordens und Geschenk des Infanten Don Fernando.

Gleichwmhl sind diese Widersprüche nicht unvereinbar. König Eduard hatte im Jahre 1433 seinem Bruder, dem Infanten DonHeinrich, die bis damals entdeckten Inseln zum Geschenk gemacht, zu diesen kamen noch einige andere, die später entdeckt wurden,hinzu, und alle gingen nach seinem Tode auf seinen Neffen und Adoptivsohn, den Infanlen Don Fernando über, wie man aus der Schen-kungs-Urkunde ersieht, welche König Alfons V. in der Stadt Evora am 3. December 1460 4 ), ausgestellt hat. Zu jener Zeit waren es dieseInfanten, welche die Statthalter der ihnen eigentümlich zugehörigen Inseln ernannten, und dieses Recht erstreckte sich auch auf die InfantinDona Beatriz, als Vormünderin ihres Sohnes Don Diogo, von welchem sich noch einige dieser Urkunden erhalten haben. Nach demTode dieses Letzteren ging das Recht auf Don Emanuel über und durch ihn, der die Krone erbte, fiel es wieder auf diese zurück; erliess, wie es scheint, den damaligen Statthaltern neue Schenkungs - Urkunden ausstellen. Auch Pico und Fayal gehörten ohne Zweifel zu

*) Obgleich in dieser Schenkung keine Erwähnung der Inseln, von denen benannt wurden, welche jetzt nicht mehr bekannt sind. Siehe Frov. da Hist ,

wir sprechen, nach dem Namen, den sie jetzt tragen, gemacht wird; so ist es Gen. Tom. I. pag. 563.

doch mehr als wahrscheinlich, dass sie darunter gehörten und damals mit Namen