Vorrede.
nter allen Kuͤnſten, auf welche ſich die Menſchen aus Nothwen-digkeit haben legen muͤſſen, eiſt fuͤr die buͤrgerliche Geſellſchaft uͤber-
Waſſer gezwungen wird, die mancherley Verrichtungen, die ihrzu mehrern Vortheilen gereichen, zu erfuͤllen. Hat man aberf nicht Urſache ſich zu wundern, daß eine Kunſt, welche lehret,ſie auf die Gipfel der Berge zu erheben, welche den heftigſten Fluthen Graͤn-zen vorſchreibt, die Schiffahrt zur See und auf Fluͤſſen erleichtert, und ſie,
g Trotz allen Hinderniſſen, welche die Lage des Bodens dawider machet, durchCanaͤle zu vereinigen weiß; welche waͤſſerichte Laͤnder austrocknet, duͤrre be-feuchtet, die Seeplaͤtze ſichert, und den meiſten andern zum Schutz dienet;
daß, ſage ich, eine ſolche Kunſt nicht eher als lange Zeit nach denen, die nurzur Pracht und Eitelkeit dienen, erfunden worden iſt, da ſie doch eine Quelle
der Reichthuͤmer und des Überfluſſes iſt?
Es iſt kaum zwey hundert Jahre, da die Hollaͤnder die große Schleuſ⸗ i
ſen erfunden, und wir von ihnen gelernet haben, ſie bey unzaͤhligen Gelegen-
heiten, die fuͤr die Beduͤrfniſſe des Lebens nuͤtzlich ſind, anzuwenden: denn inieſem Stuͤcke haben wir von den Alten nichts, was wuͤrdig waͤre mit denenwunderbaren Wercken, woran Europa in dieſen Zeiten einen Ueberfluß hat, inVergleichung geſtellt zu werden. Aber, wie große Muͤhe hat es nicht denenIngenieurs, die es zuerſt unternommen, verurſachet, ehe ſie es dahin brach-ken, ihre Arbeit mit Sicherheit anzuſtellen; und was wuͤrden ſie nicht darum
gegeben haben, wenn ſie Anweiſungen gehabt haͤtten, die ihnen hierbey haͤttenie Wege zeigen koͤnnen! Wenn es uns an dergleichen Beyhuͤlfe fehlt, ſo iſt
8 ſehr zu befuͤrchten, man werde Verſuche, die dem Staate zur Laſt fallen, an-ſtellen: denn wie mancher Bau iſt nicht bereits wegen ſeiner fehlerhaften Ein-
1 ichtung mißlungen! Man empfindet ſeinen Mangel niemals beſſer, als wann
57 ſich in Umſtaͤnden ſieht, wo man etwas, das man nur unvollkoͤmmlicheiß, machen ſoll. 6 5 ö 2 0g M Die
haupt keine wichtiger, als diejenige, durch welche der Lauf der f