Vorrede.
5 Die Waſſer⸗Baukunſt findet weit mehr Schwierigkeiten, als die Civil-Baukunſt, ſobald ſie zur Ausuͤbung gebracht werden ſoll. Das Waſeer iſtein ſchreckliches Element, ſich unterwuͤrfig zu machen, wann darinnen wichtigeWerke, Trotz dem Toben des Meeres und dem reiſſenden Strome großerFluͤſſe, gruͤndlich angelegt werden ſollen. Wie vieler Kunſt, Liſt und Stand-haftigkeit bedarf es nicht, hierinnen gluͤcklich zu ſeyn! anſtatt daß man in derCivil⸗ Baukunſt ſeiner Sache gewiß iſt, ſobald man eine Anzahl allgemeinerRegeln, die der Gebrauch und der gute Geſchmack beſtaͤttiget haben, anzuwen-den weiß. Ueberdiß iſt es viel leichter, ſich in dieſer letztern zu belehren, alsin welcher man eine Menge guter Buͤcher hat; da wir hingegen uͤber jene er-ſtere keine haben: denn wie wenig koͤmmt nicht herbey dasjenige in Betrach-tung, was einige Autoren in ihren Sammlungen von Maſchinen, hiervon ge-ſagt haben, wo ſie keine Regeln, wie man ſich in der Ausuͤbung verhaltenſolle, beſtimmen? Gleichwohl erreichen die Kuͤnſte ihre Vollkommenheit nur inder Maaße, wie ſie in den Schriften derer, die ſolche abgehandelt, auf ande-re uͤberbracht werden; weil man allein durch Studirung deſſen, was in jegli-cher Art von Werken am beſten ausgeuͤbt worden, beurtheilungsvolle Grund-ſaͤtze daraus herleiten kann. ö 80 a f
Jedermann geſteht, daß zu Dirigirung wichtiger Baue, eine gewiſſeTüchtigkeit erforderlich iſt, welche bloß durch eine lange Erfahrung erworbenwird: und man zieht hieraus billig den Schluß, daß man erſt, nachdem manlange Zeit die Meiſter in einer Kunſt handeln geſehen hat, faͤhig wird, es ihnennachzuthun. Wenn man aber zu mehr als einer Art von Arbeit tuͤchtig zu werdentrachtet, ſo iſts etwas ſeltnes, daß man ihnen allen an einem und demſelbenOrte nachgehen koͤnne; vielmehr ſieht man nur immer faſt einerley, und manverbringt einen Theil ſeines Lebens in einem gar engen Bezirk von Kenntniſſen.Und wann man ſich dann in einen andern Kreis begiebt, ſo geraͤth man in die-ſen verdrießlichen Umſtand, daß man heute nicht weiß, was man morgen thunſoll: und dieſes kan nicht anders kommen, wann man nicht zur Folge des Fort-ganges eines Werks vorbereitet iſt. Woraus dann der Schluß zu macheniſt, daß man nur vermittelſt eines langen Lebens tuͤchtig wird, durch ſich ſelbſtzu thun; aber zum Ungluͤcke in einem Alter, wo man wenig mehr im Standeiſt, von dem, was man auf eine ſo langweilige Art erworben hat, Nutzen zuziehen. 1 5
Die einzige Veyhuͤlfe, welche noch übrig bleibt, wenn man eine ange-bohrne Nacheiferung fur ſeine Profeßion hat, iſt dieſe, daß man die dahin ge 1hoͤrigen Schriften ſtudiere, wofern man ſo gläcklich iſt eintge zu finden, wel-che faͤhig ſind, einem guten Verſtande, der nicht mit den Schalen der Sachenvorlieb nimmt, eine Gnüuge zu thun! Aber wo ſind dieſe Schriften? Es ſindnoch bey weitem nicht ale Sachen in gehöriges Licht geſezt; und ausgenom-men die, welche die Mathematik zum Gegenstande haben, wie ſind es faſt aleuͤbrige? Daher koͤmmt es dann, daß wenn man das, was wir auf der Stu⸗ fdierſtube gelernt haben, in Ausuͤbung bringen will, man nicht weiß wie es recht1 i anzu-