Vorrede.
wird, das Verſtaͤndniß derer Sachen, welche ſinnlich gemacht werden mußten,zu erleichtern. Wiewohl es nun ſcheinen moͤchte, als gienge uns dieſes Stuͤck derAusfertigung eines Buches nur mittelbarer Weiſe an; ſo hat es uns dennoch mehrZwang und Muͤhe als alles uͤbrige verurſachet; und dieſes wegen der großen Schwie-rigkeit, die Kupferſtecher geſchickt zu machen, die Objecte vollig nach dem Sinnund Geſchmack, wie es ihnen zukoͤmmt, vorſtellig zu machen; immaßen wir dieGedult gehabt, dieſe Kuͤnſtler, ohne ſie faſt aus den Augen zu laſſen, im Arbeiten
zu leiten: wie dann ſolches nothwendig geſchehen muß, wenn ſie Zeichnungen, der-gleichen ihnen ſonſt wenig oder gar nicht vorkommen, nachſtechen ſollen. In dieſem,
ſo wie auch in allen ubrigen Puncten, hat man nichts von alle dem vernachlaͤßiget,was dieſes Werk einer guten Aufnahme beym Publico werth machen konnte, nach-dem es ſelbiges ſo lange Zeit begierig erwartet hat, obgleich im Jahr 1727. nichtsals ein bloßer Entwurf, anſtatt einer Fortſetzung der Ingenieur⸗Wiſſenſchaft,
und 1739. unter dem Titel: Sweyter Theil der Waſſer⸗Baukunſt, herausge-
geben worden.
Die, welche der Algebra nicht kundig, und uͤbel zufrieden geweſen ſind„daß
ſie ihrer im erſten Theile ziemlich viel gefunden haben, werden dem gegenwaͤrtigen
zweyten Theile dieſen Vorwurf nicht machen; immaßen man nicht die Abſicht ge-habt, dieſem Werke ein gelehrtes Anſehen zu geben: man hat ſich ihrer lediglich als-
dann bedienet, wann man die Regeln, die daraus hergeleitet wurden, auf keineandere Art hat erweiſen koͤnnen. Und allerdings iſt auch dieſer zweyte Theil abſtra-
cter Unterſuchungen minder faͤhig, indem er ſich faſt gaͤnzlich auf die Erfahrung und
den natuͤrlichen Verſtand gruͤndet. Das Hauptwerk war, Ordnung und Deut-lichkeit darinnen herrſchen zu laſſen: und eben hiernach hat man ſich hauptſaͤchlichbeſtrebt, nicht aber geſucht, wie man mit haͤufigen Zuͤgen aus der Phyſik und Ma-thematik glaͤnzen moͤchte; welche man doch leichtlich in Menge haͤtte anbringen koͤn-nen, ohne daß diejenigen, zu deren Gebrauche man ſchrieb, dadurch viel geſchick-
ter, oder auch kuͤhner in der Ausuͤbung, geworden ſeyn wuͤrden. Es iſt eine Weis-
heit, ſpricht ein lebhafter Verfaſſer unſerer Zeiten, wenn man ſich nach dem Grund-riſſe ſeines Gebaͤudes zu richten weiß, und daſſelbe nicht mit Verzierungen uͤberlaͤdt,welche allezeit, ſobald ſie nicht noͤthig ſind, faſt nur verunzieren.
Sachen, die zuweilen ſehr trocken ſcheinen, ſind es nicht mehr, ſobald ſiedeutlich, und auf eine Weiſe, daß man Antheil daran nimmt, abgehandelt werden:Es iſt keine unter allen, welche nicht Wahrheiten, die der Leſer mit Luſt einſteht, in
ſich hielte, wofern ſie mit edler Art ausgedruͤckt werden. Der Verſtand iſt natuͤrli-
cher Weiſe mit einer Menge verworrener Ideen erfuͤllt, welche ihn hindern, dasWahre in Sachen N deren rechte Wiſſenſchaft am wichtigſten fuͤr ihn iſt, einzuſe-hen: und nichts ruͤhrt ihn dann anmuthiger, als wenn man ihm helle Ideen giebt:
denn die Geſchwindigkeit, womit er ſelbige begreift, machet ihm eben dieſelbe Luſt,
als haͤtte er ſie aus ſich ſelbſt hervor gebracht. Wie manches Buch, das die vor-trefflichſten Grundſaͤtze in ſich enthaͤlt, verliert nicht ſehr viel wegen der Haͤrte ſeinerSchreibart! Wir haben uns daher angelegen ſeyn laſſen, dieſen Fehler zu meiden,
als welcher wirklich der unertraͤglichſte iſt, weil derſelbe Dunkelheit verurſachet. Ein
Werk