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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XI, Der zweite Aufenthalt in Venedig .

das ift bei der Eiferfucht, welche zwifchen den beiden Vororten imFondaco herrfchte und zuweilen gar in Feindfeligkeiten ausartete,leicht vorauszufetzen. Durch Pirkheimers Freund, den kunftfinnigenAnton Kolb, konnte dann der ehrenvolle Auftrag leicht an Dürer ge-langen. Dies war wohl auch der ausgefprochene Zweck der venetia-nifchen Reife, welche Dürer noch im Jahre 1505 antrat. Dafs Dürerfchon vor dem Jahreswechfel in Venedig war, zeigt fein erfter Briefan Pirkheimer mit dem Neujahrswunfche, aber mehr noch der zweite,vom 7. Februar 1506, in welchem er fich wegen früheren, längerenStillfchweigens durch Schreibfaulheit u. a. entfchuldigen zu müffenglaubt, worauf er dann in die rührenden Worte ausbricht: »Darumbitte ich Euch unterthänig, Ihr wollet mirs verzeihen, denn ich habkeinen anderen Freund auf Erden, denn Euch!«

Einen werthvollen Beleg dafür, dafs Dürer fchon im Jahre 1505nach Venedig kam, liefert noch eine Zeichnung im Befitze von Mr.Danby Seymour in London : in fchwarzer Kreide ein grofser weib-licher Kopf in ein Tuch gehüllt, die Augen zugekniffen, den Mundoffen, die Zähne zeigend. Darauf von Dürers Hand die Infchrift:»Una Wilana Windisch 1505« und das Monogramm ; alfo eine Bäuerinwohl nicht des Namens Windifch, fondern windifcher d. i. slavifcherNationalität. Die italienifchen Worte una villana in diefer Ver-bindung laffen kaum eine andere Erklärung zu, als dafs Dürer diefesStudium nach einer Wendin auf feiner Reife nach Venedig im Friaul oder fonfl im italienifchen Grenzlande gemacht habe. Vielleicht auchbot fich ihm in Venedig felbft dazu die Gelegenheit; fo wie er ver-muthlich dort eine Bewohnerin der Türkei , eine Albanefin oder der-gleichen mit der Feder fkizzierte, in einem langen, pelzverbrämtenMantel, den Kopf in ein Kinntuch und eine breit herabfallende Haubegehüllt; daneben der Kopf noch einmal, mit einer hohen cylindrifchenKappe ohne Krempe bedeckt, und oben die Infchrift »ein türgin«,eine Türkin. Das Blatt befindet fich in der Ambrofiana in Mailand .

Schon im erften Briefe vom 6. Januar erwähnt nun Dürer : »Dennich habe den Deutfchen eine Tafel zu malen, für welche fie mir 110Gulden Rheinifch geben nicht für fünf Gulden Unkoften gehendarauf die werde ich noch innerhalb acht Tagen fertig bringen mitGrundieren und Abziehen 1 )- Sodann will ich gleich anfangen fie zumalen, denn fie foll, fo Gott will, einen Monat nach Oflern auf demAltäre flehen. Das Geld hoffe ich, fo Gott will, alles zu erfparen«.Doch fchreibt er am 7. Febr . »Und heute hab ich erfl meine Tafel

1) Dürer fchreibt:verfertigen mit Weifsen und Schaben.'