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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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Ankunft. Auftrag der Deutfchen.

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angefangen zu entwerfen« etc. Sodann beginnt aber auch die Unzu-friedenheit mit dem Aufträge, als habe er fich mit deffen Annahmeübereilt. Er fchreibt am 2. April: »Ihr follt auch wiffen, dafs ich vielGeld gewonnen haben könnte, wenn ich der Deutfchen Tafel nichtzu machen übernommen hätte. Es ift doch eine grofse Arbeit daranund ich kann fie vor Pfingften nicht völlig fertig machen. Gleichwohlgiebt man mir nicht mehr als 85 Ducaten. Nun wifft Ihr, was aufZehrung aufgeht; ich habe auch etliche Sachen gekauft, habe auchGeld hinaufgefchickt, fo dafs ich noch nicht viel vor mir habe. Abervernehmt meine Meinung: ich bin willens, nicht hinauszuziehen, bisdafs Gott giebt, dafs ich Euch mit Dank zahlen kann und noch hun-dert Gulden übrig behalte). Ich wollte es auch leicht gewinnen,wenn ich der Deutfchen Tafel nicht zu machen hätte, denn aufser denMalern will mir alle Welt wohl«. Daraus erhellt, dafs er den Auftragübernommen hatte, bevor er noch wufste, wie bekannt, ja berühmtfein Name und feine Kunft bereits in Venedig waren; es unterftütztimmerhin die Annahme, dafs fchon eine frühere beiläufige Abmachungzwifchen Venedig und Nürnberg beftanden habe, die ihn vornehmlichzur Reife veranlafst hätte. Schon am 28. Februar fchreibt er ja:»Und ich habe einen folchen Zudrang von Wälfchen, dafs ich michzu Zeiten verbergen mufs. Die Edelleute wollen mir alle wohl, aberwenig Maler«.

Am 8. September kann Dürer dem Freunde berichten: »Wiffetferner, dafs meine Tafel fagt, fie wollte einen Ducaten darum geben,dafs Ihr fie fähet, fie fei gut und fchön von Farben. Ich habe grofsesLob dadurch überkommen, aber wenig Nutzen. Ich könnte wohl200 Ducaten in der Zeit gewonnen haben und habe viel Arbeit aus-gefchlagen, auf dafs icli heim kommen könne. Ich habe auch dieMaler alle zum Schweigen gebracht, die da Tagten, im Stechen wäreich gut, aber im Malen wiifste ich nicht mit den Farben umzugehen.Jetzt fpricht Jedermann, fie hätten fchönere Farben nie gefehen«.Dem fügt Dürer noch bei, dafs der Doge Leonardo Loredano undder Patriarch Domenico Grimani feine Tafel auch gefehen haben, be-vor diefelbe noch vollendet war - keine geringe Ehre für den deut-fchen Meifler; denn das geiftliche, wie das weltliche Oberhaupt desdamaligen Venedig waren zugleich auch deffen eifrigfte, verftändigfte

1) Schlagend ftimmt damit fein, bereitsöfter erwähnter Vermögensausweis vomJahre 15078, nach welchem er feineSchuld vom Erlös der Venetianifchen Reifegetilgt hat und zu allem guten Hausrath

noch »um 100 Gulden Rlieinifcli guterFarben« belitzt, in denen er fomit denUeberfchufs angelegt hatte. Dürers Briefe,136, mit Anmerk.

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