232
Dürer in keine ernftere Stimmung; er antwortet ihm mit dem letztenBriefe »ich weifs nicht an welchem Tage des Monats, aber ungefähr«am 13. October 1506:
»Da ich weifs, dafs Ihr meine Ergebenheit kennt, thut es nichtnoth, Euch davon zu fchreiben. Aber um fo nöthiger ift es, Euchzu erzählen von meiner grofsen Freude an der hohen Ehre und demRuhme, die Ihr durch Eure mannhafte Weisheit und gelehrte Kunfterlangt habt — defto mehr zu bewundern, da feiten oder gar nimmerin einem jungen Körperchen dergleichen gefunden wird! Aber daskommt Euch von befonderer Gnade Gottes, eben fo wie mir. Wieift uns beiden fo wohl, wenn wir uns etwas Gutes dünken, ich mitmeiner Tafel und Ihr con voftra Weisheit! Wenn man uns glorificiertfo ftrecken wir die Hälfe in die Höhe und glauben es. Indeffenfteckt vielleicht ein böfer Lecker dahinter, der unfer fpottet. Darumglaubt es nur nicht, wenn man Euch lobt, denn Ihr feid fo ganz undgar unmanierlich, dafs Ihr’s gar nicht glaubt! Ich fehe Euch ordent-lich vor dem Markgrafen flehen, wie Ihr lieblich redet — thut geradefo, als ob Ihr um die Rofentalerin buhltet, fo krümmt Ihr Euch.Ich merke auch wohl, dafs Ihr, als Ihr den letzten Brief gefchriebenhabt, ganz voll Liebesfreude gewefen feid. Ihr folltet Euch denndoch fchämen deshalb, weil Ihr alt feid und meint, Ihr feid fo hübfch;denn das Buhlen fteht Euch an, wie dem grofsen zottichten Hundedas Spielen mit dem jungen Kätzchen. Wenn Ihr noch fo fein undfanft wäret, wie ich, fo würde ich das begreifen« ■—■ und dergleichenmehr. »Wenn mir Gott heim hilft, weifs ich nicht, wie ich fernermit Euch leben foll Eurer grofsen Weisheit halben; aber für EureTugend und Gutherzigkeit bin ich froh und Eure Hunde werden esauch beffer haben, wenn Ihr fie nicht mehr lahm fchlagt. Doch wennIhr daheim fo hochgeachtet feid, werdet Ihr mit einem armen Malernimmer auf der Gaffe zu reden wagen; das wäre ja eine grofseSchande für Euch: con poltrone dipentore « ')!
Dazwifchen verräth Dürer wohl auch, wie fehr er felbft derEitelkeit huldigt. Er verfäumt nicht fich modifch zu kleiden und hatfeine Freude dran; denn er fchreibt wiederholt: »Mein franzöfifcherMantel, die Kafacke und der braune — ein andermal: der wälfche —Rock laffen Euch fchön grüfsen«. Er geräth gar auf tolle Einfälle:»Wifft denn auch, dafs ich mir vorgenommen hatte, tanzen zulernen, und zweimal auf die Tanzfchule gieng; dafür mufste ich demMeifter einen Ducaten geben. Da konnte mich kein Menfch mehr
1) mit dem Malerkerl, dem Taugenichts von einem Maler.