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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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283
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II

Pirkheimers Antworten.

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hinauf bringen! Ich würde wohl alles das vertanzt haben, was ichverdient habe, und hätte dennoch auf die Letzt nichts gekonnt«! Soforglos und fröhlich lebte es fich freilich daheim in Nürnberg nicht,und jeder Deutfche wird Dürer verliehen, wenn er bei dem Gedan-ken an die Heimkehr in die Worte ausbricht: »ü, wie wird michnach der Sonnen frieren! Hier bin ich ein Herr, daheim ein Schma-rotzer«.

Leider nur fehlen uns die Antworten Pirkheimers auf diefe köft-lichen Auslaffungen Dürers. Dadurch entgeht uns nothwendig dasVerftändnifs für manche Anfpielung. Wir haben zwar die dunkleSpur eines Briefes von Pirkheimer an Dürer . Diefer wäre aus Im-hofffchem Befitze an den Lord Arundel und mit dem Ueberrelte vondeffen Sammlung an den Herzog von Norfolk gekommen, der 1681einen Theil davon der Königl. Societät der Wiffenfchaft zu London fchenkte, »wofelbft fich noch ein lateinifcher Brief von Pirkheimer anA. Dürer befindet« *). Die Nachforfchungen William Mitchells in derBibliothek der Royal Society führten nun zwar zur Auffindung desoben mitgetheilten Briefes von Dürer , waren aber in Bezug auf denin Rede flehenden Brief Pirkheimers bisher erfolglos. Doch hättejene Nachricht, falls fie auf Wahrheit beruht, fchon an und für ficheine gewiffe Wichtigkeit, indem wir daraus entnähmen, dafs PirkheimerDiirern lateinifch gefchrieben habe, was dem Gelehrten ohne Zweifelbequemer war, als deutfeh zu fclireiben. Es wäre dies nur eine Be-flätigung unterer Annahme, dafs Dürer einige Kenntnifs des Lateinfchon aus der Schule mitgebracht habe 1 2 ). Bei feiner unermüdlichenLernbegier mochte er fich auch weiterhin darin geübt haben. Undwenn er es auch nicht fo weit brachte, felbft Latein zu fchreiben, fowar er doch im Stande, es zu lefen, zu verliehen. Dafs er deffennicht ungewohnt war, dafür liefert uns gerade der Wortlaut jenerangeführten Anrede, in welcher er dem Freunde eine Probe feinerFortfehritte in der Erlernung des Italienifchen geben wollte, einendeutlichen Beleg. An dem kraufen Gemifch von dialektifchen undwillkürlichen P'ormen ift nämlich bemerkenswerth, dafs Dürer mancheWorte, als homo , mundo, Jalus, honor lateinifch fchreibt, und nochmehr, dafs er dort, wo ihm der italienifche Ausdruck nicht einfällt,

1) So Heller, Dürers Werke, S. 74*

2) Vergl. oben S. 42. Dem wider-fpricht keineswegs, was Camerarius in derVorrede zur lateinifchen Ueberfetzung derProportionslehre 1532 fclireibt: »Literarum

quidem studia non attigerat, sed quse illistarnen traduntur, maxime naturalium etmathematicarum rerum scientiae, fere didi-cerat«; vielmehr beftätigt der Nachfatz un-<fere Anfcliauung