£>ie Marter der Zehntaufend.
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kann er melden, »dafs er in vierzehn Tagen mit Herzog FriedrichsArbeit fertig wird«. Weiter unten heifst es davon: »Ich wollte, dafsIhr meines gnädigen Herren Tafel fallet! ich bin der Meinung, fiewürde Euch Wohlgefallen. Ich habe fchier ein ganzes Jahr daran ge-arbeitet und wenig Gewinn daran; denn ich erhalte nicht mehr als280 Gulden Rheinifch dafür. Es verzehrt’s einer fchier dabei«.
Eine Maffenhinrichtung mit den graufamflen Todesarten undfcheufslichen Einzelnheiten ift zwar für uns kein anfprechender Gegen-ftand mehr. Dem Kiinftler aber bot derfelbe Gelegenheit zur Schau-ftellung mannichfach bewegter und nackter Figuren und gewagterVerkürzungen. Im Vordergründe rechts erfcheint der König zu Pferdeund fo wie feine Umgebung türkifch gekleidet; zur äufserften Linkeneine Gruppe von Gekreuzigten, daneben eine Enthauptung und Ge-fangene, unter denen fich ein Bifchof befindet. Im Mittelgründe fiehtman Heilige an einen Pfahl gebunden, daneben bewegt fich ein Zugvon entkleideten Gefangenen gegen rechts einen Hohlweg hinan undum einen Felfen, an deffen Abhange zur Linken des Hintergrundesdie Märtyrer maffenhaft herabgeltürzt werden in Dornen, Pfähle undin die Speere der Verfolger. Nahezu in der Mitte der Bildflächeftehen als unbetheiligte Zufchauer Dürer felbft und fein Freund Pirk-heimer; Dürer , ganz in Schwarz gekleidet, hält ein Papier -Fähnleinin Händen mit der Infchrift: »Iste faciebat anno domini 1508 AlbertusDürer Alemanus«. Die tüchtige Zeichnung, die feine, ja zierliche Aus-führung, die Kraft und Tiefe der Localfarben täufcht über die grauen-volle Bedeutung des Ganzen hinweg. Dazu hilft der kleinere Mafs-flab und die klare Anordnung der Gruppen in der reichen Landfchaft,während beifpielsweife Vittore Carpaccio auf feinem grofsen Gemäldein der Accademia in Venedig mit dem gleichen Gegenftande eine gararge Verwirrung angerichtet hat. Dürer hatte feine Compofition forg-fältig durchdacht. Schon fall ein Jahrzehnt früher, bald nachdem erdie Apokalypfe vollendet hatte, diente fie ihm zu dem Ilolzfchnitte(Bartfeh 117), auf welchem das Ganze bereits vorgebildet ift; nur er-fcheint der König dort nicht zu Pferde und der Märtyrerzug im Hinter-gründe hat im Ilolzfchnitte die umgekehrte Richtung. Dies Blattdiente vermuthlich dem Kurfiirften als Grundlage für feine Beflellung.Ein anderes aber ift es nach Art des llolzfchnittes eine Gefchichtekurz anzudeuten, ein anderes, diefelbe Gefchichte im Oelgemälde aus-führlich zu erzählen. Bevor Dürer daran gieng, verfuchte er daher dieCompofition zu vereinfachen und in blofs zwei Plänen fo anzuordnen,dafs es ftatt des überhöhten, ein Breitbild in Querformat geben konnte;die feine treffliche Federfkizze, datiert 1507, ward noch in der Samm-Thaufing, Dürer. 19