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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XII. Die grofseii Gemälde.

erfcheint ein Pärchen Rebhühner; das Studium zu dem auf einemFüfschen flehenden Männchen in Aquarell befindet fich in der Alber-tina. Eigentümlich bunt und phantaftifch ift der Kopf der Schlangegebildet.

Das Verdienfl, welches Dürer hier für feine Darftellung desnackten Menfchen in Anfpruch nimmt, wird erft recht klar, wenn manfeine »Adam und Eva« mit den entfprechenden Gemälden von Lucas Cranach vergleicht. Auch die beiden alten Copien von Madrid undMainz geben noch genügend Zeugnifs davon. Hingegen verzichtetendie Copiften wohlweislich auf die mühfame Wiedergabe der thieri-fchen Umgebung, vereinigten die beiden Seitenftücke zu einem einzigenBilde, oder fie gaben denfelben doch durch Beifügung eines Zettelsmit Dürers Signatur eine Selbftändigkeit, welche dem Originale ur-fprünglich nicht eigen gewefen fein mag '). Vielmehr läfst die Art,wie die beiden Geftalten in den Mittelpunkt je einer langen Tafel ge-geftellt find und wie fie mehr mit dem Befchauer als mit einander inBeziehung treten, mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dafs diefelbenals Seitenftücke nebeneinander gedacht, nicht aber als Ganzes in einscomponiert find. Wir werden uns kaum täufchen, wenn wir inden Florentiner Gemälden die beiden Aufsenflügel eines, freilichniemals vollendeten, vielleicht aber lange geplanten, grofsen Altar-werkes von Dürer erblicken.

Einen fo hohen Flug auf dem Gebiete der Malerei weiter zu ver-folgen, war Dürer eben nicht vergönnt. Wir finden ihn bald nachfeiner Heimkehr mit einem Gemälde befchäftigt, das auf viel kleineremRaume ein reiches Gewimmel von Figürchen vereinigt. Es ift dieMarter der Zehntaufend unter König Sapor II. in der kaiferlichenGalerie zu Wien . Dürer malte das Bild für feinen alten Gönner, denKurfürften P'riedrich den Weifen. Er fchreibt darüber am 28. Auguft1507 an Jakob Heller : »Wiffet aber, dafs ich die Zeit her lange vomFieber geplagt war, weshalb ich einige Wochen an des HerzogsFriedrich von Sachfen Arbeit verhindert worden bin, was mir zugrofsem Nachtheil gereichte. Aber jetzt werde ich doch fein Werkganz vollenden, da es mehr als halb fertig ift«. Am 19. März 1508

1) In Mainz find die beiden Bilder ineine einzige Tafel vereinigt, in Madrid ge-trennt. Auf beiden Exemplaren aber unterder rechten Hand der Eva ein Zettel, ineinen Holzrahmen gefafst, mit der Infchriftin gothifclier Curfive: »Albertus durer al-manus faciebat post virginis partum -1507*«und dem falfchen Monogramme. Das Ma-

drider Exemplar fcheint das ältere und befferezu fein; es ift vielleicht die erfteErfatzcopie,die dann auch als Original angefehen, ent-führt und durch die Mainzer Copie erfetztworden ift. Jedenfalls ift die letztere fchonnach den Madrider Bildern gemacht, fomitCopie der Copie.