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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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291
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Maria mit der Schwertlilie. 29I

wiederum feine Befürchtung, das Bild könnte im Haufe Schadenleiden, auf einen ziemlichen Umfang der Tafel hin. Das ftimmt zurMadonna mit der Schwertlilie in der ftändifchen Galerie zu Prag ').In einer Landfchaft und vor einer zerfallenen Mauer mit einem Rund-bogen fitzt die tätigende Maria, faft lebensgrofs, angethan mit einemhochrothen Gewände und weifsem durchfichtigen Schleier. Das Antlitzift fehr gefällig, der Ausdruck des feligen Lächelns weniger geziert,als auf anderen, beffer ausgeführten Bildern des Meifters. DerFleifchton ift fehr licht gehalten, wie auch das blonde rechtshinwehende Haar. Dagegen ift das Beiwerk und die Umgebung fehrdürftig, breit, ja derb gemalt. Unter den Kräutern und Blumen desVordergrundes macht fich insbesondere eine grofse Iris bemerkbar,die hinter der Madonna emporfteigt; hin und wieder einige feinerausgeführte Schmetterlinge. Auf der Mauer rückwärts befand fichfrüher das Monogramm mit der Jahreszahl 1508. Gegenwärtig ift dasAtelierbild fehr fchadhaft, insbefondere längs der Senkrechten Bretter-fugen; es befremdet durch feine rauhe, dürre Oberfläche mit bräun-lichen Tinten und Schwarzen Flecken. Ein breit und trefflichbehandeltes Aquarellbild einer blauen Schwertlilie in Naturgröfse inder Kunfthalle zu Bremen könnte als Vorftudium für das Wahrzeichendiefes Gemäldes gedient haben.

Die Madonna mit der Schwertlilie tritt jedenfalls völlig in denHintergrund vor einem anderen Marienbilde, welchem Dürer damalsfeine ganze Sorgfalt zuwandte. Ks ift die Himmelfahrt Mariens, dasMittelftück jenes Altares, den Dürer für Jakob Heller in Frankfurt a. M. ausführte und iiber welchen uns die mit dem Befteller ge-wechselten, acht Briefe Dürers noch merkwürdige Auffchliiffe geben' 1 2 ).Jakob Heller war ein reicher Frankfurter Tuchhändler, ein in mancherBeziehung merkwürdiger Mann. Die Mehrung feiner Reichthümer,die öffentliche Thätigkeit im Dienfte feiner Vaterftadt füllten ihn nochlange nicht aus. Die Linderung fremder Noth und das künftige Heilfeiner Seele lagen ihm vor allem am Herzen. Auch gelehrter Bildungmufs Heller nicht fremd gewefen fein, denn er unterhandelte mitfranzöfifchen Gefandten und erhielt gar im Jahre 1505 von KaiferMaximilian einen Auftrag zu genealogifchen Nachforschungen über

1) Vom Fürften A. Lobkowitz dahin

geftiftet; im J. 1821 im Befitze Felfenbergsin Wien , (fiehe Heller a. a. O. 260, g);auf Iiolz faft 5 Schuh hoch, 4 Schuh breit.Eine wenig getreue, grofse Lithographiedarnach von F. Schrotzberg.

2) Vergl. Dürers Briefe 24 und 196.Der IlellerTche Altar etc., Zeitfchr. f. bild.Kunft, VI. 94. Otto Cornill, Jakob Heller u. A. D. Frankf. 1871. Jofepli Heller,Dürers Werke, 162. Nagler, MünchenerKunftanzeiger, 1865. Nr. 1.

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