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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XII. Die grofsen Gemälde.

die elfäfsifchen Herzoge Heriman und Audo, die zu Wetzlar begrabenliegen. Insbefondere aber war das religiöfe Bedürfnifs der Zeit inungewöhnlichem Grade bei ihm rege; in zahllofen guten Werkenfuchte er cleffen Befriedigung, und unerfchüttert im alten Glaubenftarb er am 28. Januar 1522. In feinem Teftamente macht er vonden unerfchöpflichen Heilmitteln der Kirche den weitgehendften undforgfältigften Gebrauch. Rührende Nächftenliebe und Gottesfurcht biszur Schwärmerei paaren fleh darin mit der ängftlichen Sorge um taufendirdifche Einzelnheiten. Aufs Allergenauefle verzeichnet er zumal dieVerhaltungsmafsregeln für jenen Pilger, der nach Rom gefchickt werdenfoll, um an den heiligen Stätten dort für fein und feiner Gattin Heilzu beten. Im Jubeljahre 1500 war Heller felbft nach Rom gewall-fahrtet. Mit Inbrunft gedenkt er feines Aufenthaltes dafelbft. Dabeikonnte ihm doch nicht entgangen fein, welche hervorragende Stellungdie kirchliche Kunft in Italien einnahm. Er fand fleh veranlafst auchdaheim Kunftwerke zu ftiften, welche über den in Deutfchland ge-wöhnlichen Mafsftab hinausgiengen. Ein folches ift der Calvarienbergauf dem Domkirchhofe in Frankfurt , eine Gruppe von heben über-lebensgrofsen, fteinernen Figuren, welche im Jahre 1509 vollendetwurden. Noch wichtiger aber war ihm das Flügelbild, welches denAltar des heiligen Thomas in der Predigerkirche zieren follte, wo erfleh und feiner Gattin Katharina, der Tochter des Johann von Mehlemaus Köln , die ewige Ruheftätte auserfehen hatte. Den Auftrag zurHerftellung dieser Votivtafel erhielt Dürer .

Als Befltzer des Nürnberger Hofgs in Frankfurt , den er auch be-wohnte, hatte Jakob Heller wohl mannigfachen Verkehr mit Nürnberg .Im Jahre 1507 war er auch felbft in Nürnberg . Er fand Dürer nachfeiner Rückkehr aus Venedig mehr denn je bereit, feinen ganzen Fleifsauf ein grofses Gemälde zu verwenden, und verdingte ihm die Arbeitum 130 Gulden Rheinifch. Die Vertheilung des Stoffes rührt wohlvon Heller felbft her, der nun brieflich auf baldige und gediegeneVollendung des Werkes dringt. Dürer hinwiederum vertröftet ihnanfangs auf die Vollendung der Marter der Zehntaufend für den Kur-fürften Friedrich; fodann aber vertieft er fleh ganz in die neue Arbeitund verwendet namentlich auf den Entwurf des Mittelbildes, dieHimmelfahrt Mariae, fo viel Zeit und Sorgfalt 1 ), dafs er fleh genötlugt

1) »Und das Hauptftück habe ich mitgar grofsem Fleifse und mit mehr Zeitauf-wand entworfen; auch ift es mit zwei garguten Farben unterftrichen, dafs ich darananfange zu untermalen. Denn ich bin

willens, wenn ich Eure Meinung vernommenhaben werde (wegen der Preiserhöhungnämlich) etliche vier- bis fünf- und fechs-mal zu untermalen, der Klarheit undDauerhaftigkeit wegen« etc.