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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XII. Die grofsen Gemälde.

nales kam in gewohnter Weife eine täufchende Copie, ausgeführt vonder Hand des Nürnberger Malers Paul Juvenel , der »in Sonderheitein guter Copifl in Nachahmung der alten Manieren war«, wie Sandrartberichtet. Diefe Copie befindet fich gegenwärtig bei den Flügel-bildern in der Gemäldefammlung der Stadt Frankfurt im Saalhof.Wir können nach derfelben wenigftens die Gröfse unfcres Verluftesermeffen und uns eine Vorftellung von dem Originale bilden. Dieunbefangene Selbftzufriedenheit, mit welcher Dürer gerade von diefemBilde fpricht, erfcheint dann ganz gerechtfertigt. In der harmonifchenAnordnung, in der Zahl und in dem gröfseren Mafsftabe der Figurenvergleicht es fich dem Rofenkranzfefte, doch fteht es durch gleich-mäfsige Belebung aller Geftalten, durch muflerhafte Raumvertiefungund klare Durchbildung aller Formen noch um eine Stufe höheres mufs geradezu das Meifterftück unter Dürers Gemälden gewefen fein.

Zu diefer Anficht führen uns nicht etwa nur des Meilters eigeneWorte und noch weniger Juvenels Copie; wir haben dafür noch ganzandere und untrügliche Zeugniffe von Dürers Pfand. Zu keinem feinerBildwerke fertigte Dürer fo gediegene Zeichnungen, wie zu diefem;ja kühn können wir behaupten, dafs wohl überhaupt fonft niemalsein MeilPer fo forgfältige und eingehende Studien zu einem Bilde ge-macht hat. Jeder Kopf, jede Iland, jede Draperie wurde zuvor aufgrundiertem Papier mit dem Pinfel nach der Natur entworfen undjedesmal mit einer Sicherheit und Vollendung, dafs man vergebensihresgleichen fuclien wird. Mit Ausnahme des Rofenkranzfeftes, indem es galt den Wettkampf mit den wälfehen Meiltem zu beftehen,hat auch Dürer felbft zu keinem anderen Gemälde folche Vorfludiengemacht. Diefe beiden Bilder zu Ehren der heiligen Jungfrau folltendereinfl, fo meinte Dürer , vor allen feinen Ruhm als Maler predigen,das eine in Italien , das andere in Deutfchland, und o Verhängnifs!gerade diefe beiden find untergegangen bis auf eine kahle Ruine daseine, bis auf eine dürftige Copie das andere.

Fallen wir den befcheidenen I Iolzfclmitt ins Auge, mittels delTenwir die Himmelfahrt Maria; von Dürer feinerzeit zuerft veröffentlichthaben l ), fo erkennen wir auf den erften Blick die nahe Verwandt-fchaft der Compofition mit dem vorletzten Blatte des Marienlebens,

i) Zeilfclir. f. b. K. VI. 96, Seitdemward der ganze Altar beffer pubiieiert beiO. Cornill, Jak. Heller, nach einer Zeich-nung von Eugen Klimfcli. Eine eigenthiim-liche Benützung des DürcrTchenBildes zeigtdie llerabkuuft des heil. Geifies von Johann

Georg Fifcher in der Schleifsheimer Galerie,wo ncbfl den Münchener Vier Apotlcln hebenKöpfe und die ganze im Vordergründe(lebende Apo(le|figur ans der Himmelfahrteinfach entlehnt lind.