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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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301
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Jakob Hellers Bildnifs.

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wohlgetroffene, vortrefflich charakterifierte Bildnifs Jakob Hellers aufDürer hin. Das Köpfchen, welches unfer Holzfchnitt, fo gut es dieHilfsmittel erlaubten, in der Gröfse des Originales wiedergiebt, hat füreinen fchlichten Bürger jener Tage etwas Ueberrafchendes. Ein Hangzum Idealen und zur Grübelei, eine gewiffe Vertrautheit mit felbBge-fchaffenen Seelenleiden liegt in diefen feinen Zügen. Gewifs, derhagere Mann hat Leidenfchaft und ift nicht leicht zu befriedigen; zu-gleich aber zeigt fleh auch genug von haftiger Aengfllichkeit, dafs wires begreifen, wie der Briefwechfel mit ihm Dürers Geduld auf eineharte Probe Bellte. Er kniet da in einer fchwarzen Seidenfchaube,deren Schnitt mit Dürers eigenem Feflgewande grofse Aehnlichkeithat, und hält die Kappe über den gefalteten Händen, dafs blofs dieobenaufliegenden Daumen Achtbar find, genau fo, wie der Stifter Lan-dauer auf dem Allerheiligenbilde.

Ueber die grau in grau gemalten Aufsenfeiten der Altarflügel warman die längBe Zeit im Irrthume. Schon Sandrart fah zwei dem Ma-thaeus Grunewald zugefchriebene Arbeiten dafür an, welche mit demHellerfchen Altar gar nichts gemein haben. ErB in unferen Tagenfind die ächten Theile der Aufsenflügel wieder entdeckt worden, unddiefelben finden fich nun wieder mit dem Altäre im Saalhof verei-nigt. Die Aufsenfeite des Altares war demnach in vier gleichgrofseFelder getheilt, oder jeder Flügel quer in die Hälften, von denen jede,grau in grau gemalt, die GeBalten zweier Heiligen darflellt; undzwar zur Rechten oben zwei heilige Könige, darunter einen Heiligenmit einem Vogel auf der Schulter, vermuthlich St. Thomas von Aquino und St. Chriftoph, und diefen gegenüber links die ApoBelfürBen Peterund Paul. Die Tafel, welche das obere Feld zur Linken ausfüllte,fehlt bisher, fie enthielt vielleicht den dritten heiligen König und St.Jofeph. Mit genauer Angabe der Meterlängen, deren kleine Diffe-renzen in den fich entfprechenden Linien der Befchädigung der Bret-ter bei ihrer Trennung zuzufchreiben find, Bellt fich untere Recon-Bruction des Hellerfchen Altares aus den vorhandenen UeberreBenfo dar, wie auf Seite 302 angegeben iB.

So mülifam und auf folchem Umwegen mufsten wir uns ein Ur*tlieil bilden über ein Hauptwerk von Dürer , wie es der HellerfcheAltar iB oder vielmehr war. Doch freuen wir uns noch, dafs unsDürer felbB in feinen Briefen und in feinen Zeichnungen die Behelfedazu hinterlaflen hat! Fis fehlt uns faB nur noch eine deutlichereVorBellung über die technifche Ausführung, die letzte Vollendungdes Mittelbildes, der Himmelfahrt Mariae, Von der, überdiefs auchungleichartigen, Behandlung der F'lügelbilder dürfen wir nicht auf jene