302
XII. Die grofsen Gemälde.
des Hauptbildes zurückfchliefsen, da Dürer felbft zwifchen beidenwiederholt und ganz ausdrücklich unterfclieidet. Doch würden unsfeine Andeutungen noch nicht genügen, wenn uns nicht ein anderes,heute noch wohlerhaltenes Hauptwerk des Meifters den nöthigenCommentar dazu lieferte. Es ift das Allerheiligenbild in der kaifer-lichen Galerie zu Wien , welches Dürer nach Vollendung des Heller’-fchen Altares in Angriff nahm und 1511 vollendete. Diefes bildetinfofern einen Gegenfatz zur Himmelfahrt Mariä , als es fich wederdurch literarifche Zeugniffe noch durch befondere Vortludien ankündigt.Dafür fleht es aber heute noch faft unverändert vor unteren Augen,fowie dies Dürer von dem untergegangenen Frankfurter Bilde prophe-zeit hatte. Es giebt uns nun auch flatt deffen die erwiinfchte Aus-kunft über das technifche Verfahren Dürers, denn es ift kein Zweifel,dafs dasfelbe beiden Gemälden gemeinfam war. Was Dürer von der
2 heil.Könige.
Marterder h.Katharina.
Marterdes h.Jacobus.
Fehlt.
o
vO
Os
Himmelfahrt
Mariä.
0.6. V*
G-J
OO
Ul
GJ
00
S. Petrus. i 61-
S.Thomas?!S. Chri-
o. 61
S. Paulus.!o
ftoph.
Heilerin.
00
Ol
O
Ul
O
vb
i I o. 565
!• 345 -
57 -
Flügel.
Aeufsere
Innere
Flügel.
Ilaiiptbild.
wiederholten Unter- und Uebermalung fagt, läfst nicht auf Oelfarbefchliefsen, fondern nur auf Tempera. Ueber dem, in linearer Zeich-nung, ähnlich den Studien zur Himmelfahrt, mit dem Pinfel gemachtenEntwürfe ift die P'arbe fehr diinnflüffig und wiederholt aufgetragen;daher der durchfichtige Glanz, die emailartige Cohärenz, daher auchdie Dauerhaftigkeit. Blofs in einzelnen, tiefer abgetonten Gewändern undbei der letzten Dafür mag Dürer Oel angewendet haben. Stellenweifefieht man auch wieder die Spuren feiner Finger und der Handballen, mitdenen er durch Betupfen die allzugrofse Glätte und Leuchtkraft derSchatten zu dämpfen fuchte. Gleichwohl ftrahlt das Allerheiligenbildheute noch in P'arben, welche das reichlich angebrachte, blanke Blatt-gold weder zu verdunkeln noch aus ihrer Gefammthaltung zu bringenvermag. Blofs der kofibare Ultramarin, auf den fich Dürer fo vielzu Gute that, ift zum Theile krank geworden und ausgewachfen. Wie