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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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303
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Der Landauerlche AUar.

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mülievoll eine folche Ausführung felbft für Dürers gewandte Handwar, mögen wir ihm gerne glauben. Kr verfclnvor es auch fchliefslichHellern gegenüber: »noch eine Tafel mit fo viel Mühe und Arbeit zumachen; . . . denn ich miifste darob ein Bettler werden. Denn ge-wöhnliche Gemälde will ich in einem Jahre einen Haufen machen,dafs niemand glaubte, dafs es möglich wäre, dafs ein Mann es thunkönnte; aber das fleifsige Kläubeln geht nicht von ftatten. Darum willich meines Stechens warten, und hätte ich es bishero gethan, fo wäreich auf den heutigen Tag um 1000 Gulden reicher«.

Es unterliegt keinem Zweifel, dafs es Dürer mit der Drohung,kein gröfseres Bild mehr mit der gleichen Sorgfalt auszuführen, vollerErnft war; denn er hat in der Folge Wort gehalten. Zuvor galt esnur noch eine Ausnahme: das bereits genannte Allerheiligenbild, zuwelchem Dürer bereits früher die Verpflichtungen eingegangen hatte.Erasmus Schiltkrot und Matthaeus Kandauer hatten im Jahre 1501 einVerforgungshaus für zwölf alterslchwache Nürnberger Bürger gefliftet,daher genannt: das Zwölfbriiderhaus, oder auch nach dem ehrfamenRothfchmied und Bildgiefser: das Kandauerklofter. Darin befindetfich eine Kapelle, welche in den Jahren 1507 und 1508 aufgeführtwurde. Auf faft quadratifchem Grundrifs wird ein unregelmäfsigesSterngewölbe durch zwei Säulen mit kryflallinifcher Bafis und gewun-denen Canelluren getragen, zwifchen denen der Schlufsftein mit Lan-dauers Wappen an den Verlängerungen der Gewölberippen tief herab-hängt, ähnlich den gothifchen Wölbungen in englifchen Kirchen ausdiefer Zeit. Darunter zwifchen den beiden Säulen und vor dem mitt-leren und breiteften der drei Rundbogenfenfter im flachen AbfchlufsFand frei der Altar, welchen Dürers Werk zieren follte. Die Kapellewar Allen Heiligen geweiht. Damit war ihm der Gegenfland derDarflellung gegeben ! ).

Eine erfle Skizze zu dem Altäre, welche mit der Sammlung Reifetin den Befitz des Herzogs von Aumale übergegangen ift, führt dieInfchrift: Anno domini 1508 1 2 ). Der leichte Entwurf giebt die Compo-fition des Bildes in vereinfachter Form an und ift vornehmlich dem reichenRenaiffancerahmen gewidmet, welcher die lafel einfaffen follte. Auchfür den Hellerfchen Altar hat Dürer einen Rahmen entworfen, dennes heifst in feinem letzten Briefe an den Befteller vom 12. October

1) Demgemäfs ift auch die bisher ge-bräuchliche Benennung des Bildes: An-betung der heiligen Dreifaltigkeit oderähnlich keineswegs correct.

2) Die Federzeichnung ward veröffent-

licht von Penon, Monumens IV., dann vonL. Gaucherel radiert in der Gazette desBeaux-Arts und ebenfo bei Narrey, A. Dürer , Paris 1866.