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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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Sculpturen.

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aber fo, wie mit Dürers Ruf als Architekt. Wenn er auch hie undda und wohl nur an kleineren Stücken fein unzweifelhaftes Gefchickin der Behandlung plaflifcher Technik bewährt hat, fo find doch folcheWerke bisher nicht nachgewiefen; wenigflens können die ihm bisher,wenn auch noch fo allgemein zugefchriebenen Sculpturen nimmer-mehr als eigenhändige Arbeiten Dürers angefehen werden.

Die berühmteften darunter find die Hochreliefs in KehlheimerStein, welche in der Gröfse der Holzfchnitte des Marienlebens undnach deren Analogie je einen Moment aus dem Leben Johannes desTäufers darftellen. Es find die Heimfuchung der Elifabeth durchMaria im bifchöflichen Seminare zu Brügge , die Geburt des Johannesim Britifchen Mufeum zu London *), und die Predigt des Täufers imMufeum zu Braunfchweig, fämmtlich mit der Jahreszahl 1510 und mitdem Monogramme verfehen. Die Reliefs geben fich fomit als Bruch-ftücke einer Folge des Johanneslebens, das aber in Deutfchland nichtfo wie in Italien in den Kreis der üblichen Darflellungen fällt. Dietechnifche Behandlung zeigt zwar viel Gefchick und Glätte, ftellt fichaber doch nur als eine ganz einfeitige Uebertragung der Holzfchnitt-zeichnung in die Sculptur heraus, wo dann die zu ftarke Betonungder Umriffe bei mangelnder Fülle und Rundung aller Formen ganzunmotiviert erfcheint Der Verfuch, durch Abftufung verfchiedenerFlächen der Perfpective malerifch gerecht zu werden, ift keineswegsim Sinne Ghibertis gelungen. Gewifs find diefe hochgefchätzten Re-liefs nichts als glückliche Fälfchungen. Gerade die allzunahe Ver-wandtfchaft mit Dürers Holzfchnitten widerlegt ihre Aechtheit; dennein fo fpeculativer Künftler wie Dürer war fich der Forderungen jederTechnik, jedes Materiales zu wohl bewufst, um nicht einzufehen, dafsaller Reichthum des Holzfchnittes, ins Relief übertragen, nur alsArmuth erfcheint, wie umgekehrt der Formfchnitt am allerwenigftenplaftifche Weichheit und Schwellung der Flächen wiederzugebenvermag.

In der Ambrafer Sammlung in Wien befinden fich vier Reliefsin Kehlheimer Stein, die gleichfalls Momente aus dem Leben Johannesdes Täufers darftellen, aber durch das Monogramm, S mit G Ver-fehlungen, und überdies durch eine alte, auf der Rückfeite eingeritzteSchrift als Werke des Georg Schweigger , Bildhauers in Nürnberg , be-zeichnet find; ferner mit den Jahreszahlen 1644, 45 und 48. Drei

de laud. Germ: »Ceterum quid dicam deAlberto Durero Norinbergense? Cui con-sensu omnium et in pictura et in fictura

aetate nostra principatus defertur«.

1) Abgebildet bei Förfler, Denkmaleder deutfehen K. VI.