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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XIII. Der Künftler und der Menfch.

davon find gleichwohl a la Dürer mit Benützung von Motiven ausdeffen Holzfchnitten gearbeitet. Obwohl flellenweife in Hochreliefund recht meifterlich rund herausgearbeitet, zeigen fie doch die gröfsteVerwandtfchaft mit den oben genannten, flacher gehaltenen Stücken.Sie Hellen dar: die Ankündigung von Johannes Geburt durch denEngel bei Zacharias im Tempel, dann die Taufe Chrifti im Jordan,endlich die Predigt des Täufers, ganz ähnlich der Darftellung imBraunfehweiger Mufeum. Johannes fleht links etwas erhöht hintereinem Querbalken, im Hintergründe die fehr flach behandelten fitzen-den Zuhörer; rechts im Vordergründe die Geflalt jenes Landsknechtes,der auf dem Ecce homo der grofsen Paffion an derfelben Stelle fleht,fammt dem neben ihm nur noch theilweife Achtbaren Alten mit demSchwerte ; die fitzende Frau links wieder aus der Wochenftube desMarienlebens 1 ). Das vierte Relief der Folge aber und das ift dasMerkwürdige dabei ftellt denfelben Gegenftand dar, ebenfalls diePredigt des Täufers, aber nicht in Nachahmung von Dürers Art, fon-dern ganz in der Tracht und Formengebung des XVII. Jahrhunderts.Es ift fomit eine Imitation nach einem anderen Meifter oder eine un-abhängige, eigene Compofition Schweiggers . Derfelbe wollte vielleichtgerade durch die Nebeneinanderftellung von beiderlei Arbeiten eineProbe feiner Kunftfertigkeit geben, die allerdings fowohl in Anfehungder technifchen Vollendung, wie in der Gefchicklichkeit der Nach-ahmung Bewunderung verdient. Wir werden kaum weit irre gehen,wenn wir den Helden eines folchen Kunftftückchens auch geradezufür den Fälfcher jener drei Reliefs mit der Jahreszahl 1510 anfehen.Jedenfalls flehen diefelben den überzierlichen Pfeudo=Dürerfchen Ar-beiten Schweiggers in der Ambrafer Sammlung näher als demjenigen,was wir von Dürers eigenhändiger fchlichter Behandlung vorausfetzenmüfsten ja auch noch nachweifen können. Georg Schweigger war1613 zu Nürnberg geboren und ftarb dafelbft 1690 als ein mit Rechtgefeierter Meifter in allen Arten von Sculptur und Metallgufs 2 ). Vonfeinen kleineren Arbeiten in Metall befitzt die königliche Kunftkammerin Berlin die Bildniffe Pirkheimers und Melanchtons nach DürersKupferftichen.

Einen weiteren Beleg für die Berechtigung unferer Zweifel liefertein kleines plaftifches Kunftwerk, das mehr als alle anderen die Merk-male der Aechtheit an fleh trägt. Es ift ein reizendes flaches Relief

1) Pholographifch publiciert bei E. Tafel XVIII.

Freili. v. Sacken: Kunftwerke und Geräthe 2) Doppelmayr, Nachricht, 246.

in der k. k. Ambrafer Sammlung, S. 32.