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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XIII. Der Künftler und der Menfch.

geben; beide Stücke tragen die ächte Bezeichnung von 1512. DieMeifterfchaft der technifchen Ausführung fpottet jeder Befchreibung.Das tiefe Leuchten des Ultramarin wird durch das Farbenfpiel in denunbeftimmten Uebergängen noch überboten; alle Mittel find ange-wendet, um nur jedes Federchen zur Geltung zu bringen, auch Goldin den gefträubten grauen Federn der Kehle. Um jeden Widerftandfür den Pinfel zu befeitigen hat Dürer das Pergament im beiläufigenBereiche des Bildes erft benetzt und mit einem Inftrument geglättet ').Von ähnlicher Behandlung und gleicher Vorzüglichkeit find zwei Flügeleines Nufshähers, einzelne Federn diefes Vogels, dann Papageifedernund eine Mufchel auf einem grofsen, fonft unbezeichneten Blatte Papier im Berliner Mufeum. Einen ganzen, lebendigen Nufshäher, ein un-vollendetes Aquarell mit der unächten Bezeichnung 1509, befitzt Mr.C. S. Bale in London ; es ift breiter behandelt; desgleichen auch eintodter Sperling in der Sammlung B. Hausmanns zu Braunfchweig. Eingrofser Reiher auf Pergament vom Jahre 1515 flammt aus der Grün-lingfchen Sammlung in Wien und befindet fich jetzt bei H. Geh.Rath Haffe in Göttingen . Daran reiht fich eine Anzahl botanifch ge-nauer Abbildungen von Pflanzen und Blumen, deren Originalität fichnicht wohl bezweifeln läfst, in der Albertina, in der Bremer Kunft-halle und in englifchen Sammlungen, wenn es auch fehr lchwer ift,die Grenze gegen die Menge der fälfchlich zugefchriebenen und ge-lälfchten Stücke fcharf zu ziehen. In den fpäteren Jahren werdendie Studien diefer Art immer trockener und Reifer, als wären fie mehrum eines gegenständlichen, wiffenfchaftlichen, als um eines künft-lerifchen Intereffes willen gemacht.

Noch eine grofse Pergamentmalerei haben wir von Dürer aus demJahre 1516. Es ift die Madonna mit der Nelke in der königlichenGalerie zu Augsburg '- 2 ). Der lebensgrofse Kopf der Jungfrau, ein Ovalvon sehr regelmäfsigen Zügen, ift ganz von vorne gefehen, von denSchultern ift nur wenig fichtbar, das Gewand ift roth, der Grund vonfaftigem Grün. Sie hält eine rothe Nelke, das Kind in weifsem Hemd-

I) Alte Copien des Flügels befindenfich in der Hellerfclien Sammlung auf derBamberger Bibliothek und bei II. von Lannain Prag , früher bei Erasmus Engert inWien ; die Aufsenfeite eines rechten Flügelsund die Rückfeite des ganzen Vogels,gleicherweife Dürers Art nachahmend, beiMr. Morrison in London . Der Fälfcherdiefer Stücke ift vermuthlicli Hans Hof-mann. Eine ganz. ähnliche Miniatur auf

Pergament, denfelben Vogel von der Rücken-teile in etwas gröfserem Mafsftabe darftel-lend, aber mit Ilofmanns eigenem Mono-gramme bezeichnet, befitzt II. Artaria inWien .

2) Eine alte Copie darnach in Oel aufHolz früher bei Koller, jetzt bei Dr. Pofonyiin Wien . Vergl. Waagen, Kunftdenkm. v.

1 Wien . I, 338.