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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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327
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Miniaturmalerei.

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chen bis auf die Bruft fichtbar, eine Birne. Obwohl in dem be-fchränkten Raume der Kopf zu grofs und alles zu fehr gedrängt er-fcheint, mag das Bild urfprünglich von reizender Wirkung gewefenfein. Das blonde Haar, die hohle Hand der Madonna und das freund-lich blickende Kindsköpfchen zeigen auch noch Spuren feiner, miniatur-artiger Ausführung. Sonft hat das Bild gar fehr durch Putzen ge-litten. Das Pergamentblatt war fchon vor der Bemalung auf das Holzbefeftigt, auf dem es ficli noch befindet. In der Folge war es mitOelfarbe überftrichen worden. Confervator Eigner hat es wieder ge-reinigt und übergangen, wodurch es einen Schein der ehemaligenHelligkeit wiedererhielt.

Eine ganz eigenthümliche Probe feiner Feinmalerei gab Diirer imJahre 1510 in einem grau in grau gezeichneten Diptychon, del'fen ur-fprüngliche Beftimmung nicht bekannt ift; vermuthlich war es einHausaltärchen. Es behandelt eine von altersher beliebte biblilcheParallele: Chriftus, aus dem Grabe auferftehend, und fein VorbildSamfon, mit dem Efelskinnbacken die Philifter niederfchlagend. Zu-erft erwähnt wird das Werk im Inventare der Imhofffchen Sammlungvon 1573 '): »2 tefelein, zufammen gefafst, hat A. Dürer getufcht,

mit kleinen Figuren, Sampfon und Chrifti vrftend pr. fl. 20«; und ähn-lich noch 1580 und 1588: »Item ein fchwartz zuthuends Tefelein« etc.Nach einem fpäteren Zufatze ward es an Kaifer Rudolph II. verkauft.In der kaiferlichen Bildergalerie zu Wien befand fich das Diptychonnoch im Jahre 1783 1 2 ). Bald darauf mufs die eine Idälfte, die Aufer-ftehung Chrifti, fort gekommen fein; fie gelangte in die Sammlung desPrinzen de Ligne :! ), und aus diefer für 40 fl. in die Albertina. Dieandere Hälfte, Samfons Philifterfchlacht, gerieth erft zur Zeit der fran-zöfifchen Invafion in den Befitz des Generals Andreoffy in Paris ,ward von A. Pofonyi') zurückgebracht und gieng mit dcffen Sammlungwieder nach Paris an Mr. Ilullot. Diefer Flügel hat, der Oeffentlich-keit entrückt, weniger durch Nachdunkeln und Reibung gelitten alsder andere.

Die Compofition eines jeden der beiden Seitenftücke befteht eigent-lich aus drei Abtheilungen, die von zierlicher, gefchmackvoller Re-

1) Eye, A. Dürer , Ueberfichtstafel Nr. 22.

2) Ch. v. Mechel, Verzeichnis etc. S.231, Nr. 6. »Zwo fehr fieifsig ausgeführteZeichnungen auf grau Papier, mit Weifsgehöht, in einer Rahme unter Glas. Dieerfte Hellt die Tliaten Samfons, die anderedie Auferftehung Chrifti vor etc. Beide

Zeichnungen find 1 Fufs hoch und jede6 Zoll breit«.

3) Bartfeh, Catalogue 1794. S. 138.Lithogr. v. Iilizotti.

4) Katalog feiner DUrerfammlung, S. 56,Nr. 324.