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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XVI. Die Reformation.

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dafelbft bemerklich zu machen. Die Aufforderung zu gefuchten,allegorifchen Darftellungen drang fo von allen Seiten auf Dürer ein.In diefem Sinne bediente er fich noch ausnahmsweife auch mytholo-gifcher Figuren. So befindet fich in der Ambrafer Sammlung zuWien die colorierte Federzeichnung einer lehrhaften Allegorie, dieauch fonft in der deutfchen Malerei, namentlich bei Cranach beliebtift; fie trägt die Bezeichnung von 1514. Der kleine Amor hat eineHonigwabe aus dem Bienenftocke geftohlen, wird dafür von den Bienenumfchwärmt und geftochen und kömmt darob wehklagend zu derweifs bekleideten Frau Venus gelaufen 1 ). Ganz unverftändlich bleibendie Entwürfe in nackten Figuren auf zwei Federzeichnungen desStadelfchen Inftituts zu Frankfurt . Die eine von 1515 zeigt einenMann an einen Baum gefeffelt; hinter demfelben ein anderer, der etwasvom Boden aufhebt, dann ein flehendes Weib, ein anderes in niederge-kauerter Stellung und eine magere Alte am Stocke fchreitend. Aufdem anderen Blatte ein junger Mann und ein altes Weib, einenKandelaber auf ein Poftament fetzend; im Hintergründe drei andereweibliche Figuren, deren eine eine Art Weihwedel hält; die Zeichnungift von 1516. Die nackten Geftalten find mit Schwung und mititalienifcher Freiheit hingeworfen; in ihren feiten, gefpreizten Stellungenerinnern fie an Lu ca Signorelli .

Ein neuer kirchlicher Geilt kam in die humaniftifchen KreifeNürnbergs durch das Auftreten Martin Luthers . Rafcher als anderwärtsfand der Reformator hier feine Anhänger und unter den Erflen, welchefich für ihn entfchieden, war Albrecht Dürer . Schon zu Anfang desJahres 1518 brachte er Luther eine Huldigung dar, vermuthlich durchUeberfendung feiner Holzfchnittbücher und einiger Kupferftiche,denn fchon am 5. März 1518 in einem Briefe an Chriftoph Scheurlerwiedert Luther das Gefchenk des Meifters mit der wärmften Dank-fagung 2 ). Mit welchen Gefühlen mochte der Reformator das Marien-leben und die Paffionen Dürers durchblättert haben ! Am 23. Decemberdesfelben Jahres berichtet wiederum Scheurl an Johann Staupitz überdie friedliche Gemeinde, die fich um den Prediger Wenzel Link ver-fammele; er meldet ihm Grüfse von deffen Zuhörern, er zählt fie auf:Hieronymus Ebner, Caspar Nützel, Hieronymus Holtzfchuher, Lazarus Spengler , lauter bekannte Namen, darunter auch Dürer »alle nach

1) Eine alte Copie darnach befindet fichim Britifchen Mufeum; fie flammt abernicht von Dürers Hand, ebenfowenig wiedie fonderbare Unterfchrift »Plato« mit dendarauf folgenden »Herz-Schmerz«-Reimen.

2) De Wette I, 95: . . . accepi. . . simulet donum insignis viri Alberti Dureri . . .Interim rogo commendes me optimo viroAlberto Durero et gratum ac memorem eime nunties.