Pirkheimers Umkehr.
zuge unbedingt gefolgt wäre. Wohl waren fie einander innig ver-bunden bis zur Unentbehrlichkeit und bis in den Tod. Alle Weltwufste das, fo gut wie Grapheus und Kratzer. Ulrich von Iiuttenzweifelte gewifs nicht, dafs es Mufik war in Wilibalds Ohren, wenner in feinem Sendfehreiben an ihn vorn 25. October 1518 den Nürn-bergern nachrühmte: der Apelles der neuen Zeit, Albrecht Dürer , feieiner der Ihrigen, dem felbft die Italiener, die fonft nichts Deutfehesanerkennen wollen, nicht blofs aus freien Stücken den Vorrang ein-räumen, fondern dem fie auch wohl ihre Werke unterfchieben, um fieverkäuflich zu machen 1 ). Pirkheimers Neffe und Zögling Georg Geudergrüfst brieflich aus Spanien 1526 Dürer vor allen Verwandten undCuspinian nennt ihn in einem Briefe an Pirkheimer deffen Achatesnach dem getreuen Steuermann des Aeneas bei Virgil 2 ).
Gleichwohl würde das Verhältnifs zwifchen den beiden Freundenarg mifsverftanden, wenn man glaubte, einer derselben fei in feinenMeinungen und Ueberzeugungen blofs im Schlepptau des anderengewefen. Sie waren doch beide zu felbftändig und bedeutend, umnicht die gegenfeitige Unabhängigkeit ihrer Denkweife zu behaupten.Die Berichte Melanchtons, welcher in den Jahren 1525 und 1526 oftund viel im Haufe Pirkheimers verkehrte, wo er als gewohnten Gaftauch Dürer zu treffen pflegte, verbreiten über deren Wechfelverhält-nifs das befte Licht; und Melanchton nannte Dürer in der Erinnerungdaran »einen weifen Mann, an dem die künftlerifche Begabung, fohervorragend üe auch war, noch das Minderte gewefen wäre«. Pirk-heimer hatte fich damals eben mit einer Schrift gegen Oecolampadiusin den unfeligen Abendmahlsrtreit gemifcht. Oefter feien nun, fo er-zählte Melanchton feinem Tochtermanne Caspar Peuker, zwifchenPirkheimer und Dürer Wortwechfel über diefen Gegenftand vorge-fallen, in denen Dürer mit üb erlegenem Geirte und gar fcharf Pirk -heimern entgegnet und deffen Einwürfe zurückgewiefen habe, nichtanders, als wäre er wohl vorbereitet zu dem Streite dahergekommen.Darauf fei wohl Pirkheimer, der überaus jähzornig und arg von derGicht geplagt war, erblafst und wiederholt in die Worte ausgebrochen :»Dergleichen läfst fich ja nicht malen!« Worauf dann Dürer fchlag-
1) Ilöcking, Hutten I, 199: ille nostroaevo pingendi artificio Apelles , AlbertusDürer, quem illi, cum nihil facile Germa-1111m laiulari apud se aut ex invidia, quagens illa peculiariter laborat, aut receptaiam vulgo opinione, ad omnia quoe ingenioindigent, hebetes nos esse et inertes, pa-
tiantur, ita tarnen admirantur, 11t non solumultro ei concedant, sed et quidam ut operasua vendibiliora faciant, illius sub nomineac inscriptione proponant. Vermutlilich eineAnfpielung auf Marcantons Nachfliclie.
2) J’irkheimeri Opera, ed. Goldaft 398und 257-
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