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XVI. Die Reformation.
Ernften fagen, der in den Berg gefahren fein foll. So fei auch derSebald nicht minder halsftarrig und teufelhaftig wie jener; und es feibefchwerlich, dafs Chriftenleute um fie fein follen, wie ihre Weiber,welche fie auch fo irrig gemacht hätten, dafs die nicht wüfsten woaus. Es gehen auch diefe zwei Brüder mit den Büchlein des Münzerund des Karlftadt um. Und es fei ein Junge bei ihnen, MeifterSebald Kirchners Sohn; es wäre wohl gethan, dafs man den von ihnennähme und ein jeder Chrift fie meide. Item er habe wohl von denbeiden Brüdern gehört, es fei nichts mit der Obrigkeit, die werde mitder Zeit in Trümmer gehen; wie fie aber das gemeint, wiffe ernicht etc.
Nun folgen im Protocolle die Urfachen, warum es befchwerlichfei, die drei Maler hier in der Stadt zu dulden. »Erftlich darum,weil diefe Maler nicht allein am erften, fondern auch am zweitenund dritten Tage bei aller ftatthaften Warnung und Unterweifung fichfo ganz gottlos und heidnifch gezeigt haben, wie dies von niemandemzuvor erhört worden fei; und das mit einem Trutz und mit Verachtungaller Prediger und ihrer weltlichen Obrigkeit«. Zweitens wegen derGefahr der Verführung anderer, denn »es fei nicht zu vermuthen,dafs diefe Leute fchweigen werden; denn man kenne fie; fie feienauch für prächtig, trutzig und von fich hochhaltend vor anderen be-rühmt«. Drittens fei fehr zu beforgen, dafs das Gefängnifs fie fowenig, wie das Wort Gottes, zur Aenderung ihrer Gefinnung bewegenwerde. Viertens hätten fie dem Rathe Pflicht und Eid verweigert,was doch der verbannte Schulmeifter Denk nie gethan habe. Fünftensfei bei der Mehrheit der Leute diefe Sache und auch die drei Malerfo verhafst, dafs zu beforgen fei, wenn fie wohl hier gelaffen würden,fie mit der Zeit entleibt werden könnten. Da würde dann ein Unrathden anderen reiten und ein viel Aergeres verurfacht denn zuvor.Sechstens fchliefslich fei zu beforgen, dafs die Gegenwart diefer Leuteviel getheilter Meinungen in der Stadt zur Folge hätten und darausfolgen würde, dafs man hinfüro nicht mehr der Gemeinde, fonderneinem jeden Irrigen insbefondere predigen und Unterricht ertheilenmüfste. Das würde eine unerträgliche Lafl: nicht blofs allen Predigern,fondern auch dem Rathe ').
So wurden denn die »drei gottlofen Maler«, wie man fiefeitdem nannte, aus der Stadt verbannt. Welch’ ernfter Hintergrundzu den niedlichen Compofitionen, den reizenden Kindertänzen, den zier-lichen Laubornamenten der fogenannten Kleinmeifler, die aber in
) Baader, Beiträge II, 74 ff.