Jeronymus Formfehneider.
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Wahrheit gar grofse Meifter waren! Aber auch Jeronymus Andrem,der berühmte Formfehneider Dürers bereitete damals dem Rathcgleiche Verlegenheiten. Er erfcheint als ein äufserft unruhiger Mann,vielfach verwickelt in die religiöfen und politifchen Wirren der Zeit.Er ift fogar mit den rebellifchen Bauern im Einverftändniffe und wirdin Folge deffen im Jahre 1525 gefangen gefetzt '). Dies hielt denRath zwar nicht ab, fich feiner Intereffen beim Könige Ferdinand aufsWärmfte anzunehmen, und Jeronymus feinerfeits vergalt es der Vater-ftadt noch mit mancher Verdriefslichkeit bis zu feinem Tode am 7. Mai1556 1 2 ). Der Name des Berufes, dem er mit folcher Meifterfchaftvorftand, haftete bald derart an feiner Perfon, dafs fein FamiliennameAndrem ganz in Vergeffenheit gerieth. Er felbft nannte fich nurJeronymus Formfehneider, und er ward auch feiten anders genannt.Viele Familiennamen find ja fo aus dem Berufe ihres erften Trägersentftanden. Unter den Dürerzeichnungen des. Britifchen Mufeumsbefindet fich nun das Bildnifs einer jugendlichen Frau mit flachemBarret — meifterliche Kohlezeichnung auf gelbem Papier mit ge-fchwärztem Hintergründe; oben die Infchrift: »Fronica. 1525. Form-fchneiderin«. Das läfst noch keineswegs auf eine Veronica fchliefsen,die felbft ihres Zeichens eine Holzfchneiderin gewefen wäre. Wennnicht fchon ein förmlicher Familienname, fo mag das Wort Form-fchneiderin doch nur von dem Berufe des Vaters oder des Gattenhergeleitet fein. Ja vielleicht erkennt man noch einmal in jenemBruftbilde ein Porträt der Frau unferes Jeronymus FUrmfchneider,recte Andrem.
Die Irrungen der jüngeren Meifter konnten Dürer nicht gleichgültigbleiben, wenn wir auch keine ausdrückliche Nachricht darüber befitzen,dafs er irgend wie unmittelbar davon berührt worden fei. Wohl iftuns gerade aus dem Jahre 1523 urkundlich überliefert, dafs ein»Knecht « Dürers, Namens Jörg , deffen Magd heirathet und zugleichgegen Entrichtung von 2 Gulden das Bürgerrecht erwirbt 3 ). Manvermuthete mit Grund in diefem Gehilfen Dürers niemanden andersals Georg Penz. Die Nachricht Neudörffers, dafs er im Jahre 1521im Rathhaufe — alfo nach Dürers Entwürfen —■ gemalt, unterftütztdie Vermuthung, dafs er auch fpäter noch in Dürers Werkftattarbeitete. Seine Braut wäre dann vielleicht jene bevorzugte MagdSufanne gewefen, welche die Reife in die Niederlande mit gemachthatte. Ihre Vermählung müfste dann kurz vor dem Proceffe der drei
1) Baader, Jalirb. f. Kimftw. I, 233.
2) Neudörffer, Nachrichten, 47.
3) Baader, Beiträge, I, 9.