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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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Geftochene BildnifTe.

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feinen Briefen an Wilibald Pirkheimer unaufhörlich an die Ausführungfeines Porträts und unterftützte die ziemlich deutlichen Anfpielungendurch überfchwängliche Lobeserhebungen Dürers '). Diefer mufste end-lich dem fanften Drängen nachgeben. Die Kohlezeichnung mag aberfür den Kupferflich unzureichend gewefen fein, die Erinnerung an dieZüge des Erasmus war verblafst, und fo läfst denn der Kopf an Aehn-lichkeit wie an Ausdruck viel zu wiinfchen übrig. Dürer mochte diefenMangel wohl empfunden haben, er fuchte daher PIrfatz in der Ausführungdes Beiwerkes. Er ftellte Pürasmus in halber Geftalt dar angethan miteinem Atlasgewande und in feiner beliebten Stellung fchreibend voreinem Pulte, umgeben von Folianten, daneben ein Gefäfs mit einemzierlichen Blumenfträufschen. In technifcher Beziehung als Kupferflichfleht das Porträt des Erasmus, »welches fchöner feine Schriften zeigen«,eben fo hoch über dem des Melanchton, als es diefem an Wahrheit,Treue und Empfindung nachfteht. Erasmus war höflich genug beimEmpfange des Bildes die Unähnlichkeit damit zu entfchuldigen, dafser fich eben feit fünf Jahren felbft verändert hätte 'h.

Die Bildniffe Melanchtons und Erasmus find zugleich die letztenKupferftiche Dürers. Wir flehen überhaupt an der Grenze feinerkünftlerifchen Thätigkeit. Auch vom Holzfchnitte wie vom Gemäldenimmt er gleichzeitig Abfchied. Wir haben nur noch die letztenWerke auf beiden Gebieten zu verzeichnen. Zunächft das berühmteBildnifs des kaiferlichen Rathes Ulrich Varenbüler von 1522, dasgröfste und bedeutendfte Porträt, welches Dürer in Holzfchnitt ver-öffentlicht hat (B. 155; Heller 1952). Varenbüler war ein gelehrterFreund von Erasmus und von Pirkheimer, er ward von beiden hochgefchätzt und in ihrem Briefwechfel oft genannt. In fehr fchmeichel-haften Ausdrücken widmet ihm Pirkheimer feine Ausgabe von LuciansDialog: Navis et vota. Er war feit 1507 Protonotarius beim Reichs-kammergericht und wurde 1531 Kanzleiverwalter diefer Behörde 3 ). Ererfcheint bei Dürer im Bruftbilde rechtshin gewandt, nahezu im Profil,auf dem heiter trutzigen Haupte das Haarnetz und darüber denmächtigen Hut mit breiter, gefchlitzter Krämpe. In einer lückenhaftenInfchrift erklärt Dürer , »er wolle denjenigen, den er einzig lieb habe,

1) Erasmus, Opera omnia, Leyden17036. III, 721 ff. Pirkheiineri Operaetc.ed. Goldast Frankf. 1610, S. 275 ff. Zu-fammenftellung bei Dumesnil, Histoiredes Amateurs, V. 392 ff. und bei Grimm,Ueber Kiinftler II. 135 ff.

2) Brief vom 30. Juli 1526: Alberto Durero

, quam gratiam referre queam, cogito.Dignus est aüerna memoria. Si minus re-spondet effigies mirum non est. Non enirnsinn is, qui fui ante annos quinque.

3) Notizen über Varenbüler im Neuenliterar. Anzeiger, Leipzig 1807. Sp. 257bis 260; 331; 438.