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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XVI. Die Reformation.

auch der Nachwelt bekannt machen und damit auszeichnen« '). Diefcharfen Ueberfchneidungen des unvollftändigen Profiles find nnit un-glaublicher Sicherheit getroffen. Noch deutlicher als der Holzfchnittfelbfl, zeigt dies die Originalzeichnung, welche zu demfelben gedienthat und fich nun in der Albertina befindet. Sie ift gleicher Gröfsewie der Holzfchnitt, doch im Gegenfinne zu diefem mit zweierleiHolzkohle gemacht, das Fleifcji, Haar und Plaarnetz mit bräunlicher,das Uebrige mit fchwarzer. Das kühne Vorfpringen der Nafen-wurzel und die Schwellung der fcharf aufgeworfenen Lippen ift mitunnachahmlicher Feinheit gegeben. Die Zeichnung entftand ohneZweifel in demfelben Jahre wie der Holzfchnitt. Auf dem damaligenReichstage zu Nürnberg fand Dürer ja Gelegenheit, mit dem Freundezu verkehren. Dahin gehört vermuthlich auch jenes Briefchen, lautdeffen Johann Tfcherte D ürer und Varenbüler zufammen zum Früh-mahle einladet

Im Jahre 1523 widmete Dürer auch einen hiibfchen grofsen Holz-fchnitt dem eigenen Wappen mit der offenen Thür auf dem Drei-berge, gekrönt von einem Mohrenrumpf (B. 160). Es ift dasfelbeWappen, welches bereits fein Vater führte, ja vielleicht aus feinerungarifchen Heimath mitbrachte; wenigftens ift der Dreiberg ein inungarifchen Wappen häufig vorkommendes Attribut 3 ). Sodannbrachte Dürer noch das Bildnifs feines neuen Freundes, des PoetenEoban Ileffe, in einer kleinen, einfachen, doch meiflerhaften Zeichnungauf den Holzftock, halbe Figur, eine Papierrolle in der Rechten 1 2 ).

1) Die räthfelhafte Lücke, welche einfenkrechtei' weifser Streifen in die gothifcheSchrift des Zettels reifst, dürfte fo zu er-gänzen fein: »Albertus Dürer Noric(u)s hacimagine Vlrichum cognom(en)to Varnbuler,Ro. Caesarei Regiminis in Imperio a Secre-tis, simul (ar)chigrammateum, vt quemamet vnice, etiam posteritati (vul)t cognitumreddere, c(olere)que conatur«. Die ausge-fallenen Buchftaben geben mit geringer Ver-letzung: Varenvuollere alfo nahezu denNamen Varenbüler, was vielleicht der Zweckder anagrammatifchen Spielerei war.

2) Dürers Briefe, 177 mit Anm. Diebefonders gefchätzten Helldunkeldrucke desIlolzfchnittes mit zwei Tonplatten flammennicht mehr von Dürer , fondern erfl ausdem XVII. Jahrhunderte und aus den Nieder-landen. Spätere Abdrücke tragen die Adreffe:

»menvintreze te coope by IlendrickHondiusPlaetsneyder ins Gravenhage«. Auch forg-

fältig colorierte Exemplare diefes Bildniffesund jenes von Kaifer Maximilian, welchefich z. B. in Oxford in der Sammlung derUniverfität vorfinden, find wegen der vor-trefflichen Miniaturmalerei noch nicht auDürers Pinfel, fondern etwa auf einen gleich-zeitigen Illuminilten zurückzuführen.

3) Siehe oben S. 34. Ueber DürersWappenbilder: A. Grenfer, A. D. in feinemVerhältnifs zur Heraldik, Herald.-geneal.Zeitfchr. Wien 1872. II, 67157 mit Abb.

4) Heller 2172; Paffavant 218; Retberg267; ein Flugblatt mit beigedruckten Ver-fen auf beiden Seiten und der Jahreszahl1527. Doch fall ich einen Abdruck ohnediefe Jahreszahl, deffen Unterfchrift: . . .Talis enim pulchram Pegnesi Eobanus adurbem Post septem vitte condita lustra fuit: gar auf das Jahr 1523 fchliefsen liefse,wenn Ileffe 1488 geboren ift, zu Ilocken-dorf in Heffen. 1523 war aber Heffe noch