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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XVII. Krankheit, Tod und fchriftlicher Nachlafs.

auflas und heute noch in Nürnberg als Dürers Schädel aufbewahrt,gar keinen Anfpruch auf diefen Namen machen kann.

Mehr Pietät ward an eine andere Reliquie von Dürer gewendet,nämlich an eine Haarlocke, welche ihm am zweiten Tage nach feinemTode vom Haupte abgefchnitten und feinem Freunde dem MalerHans Baidung Grien in Strafsburg zum Andenken gegeben wordenwar. Auf dem Blatte Papier , in welches das Haar eingefchlagen war,haben feither die Befitzer und Erben bis auf die Gegenwart die Ge-fchichte des feltenen Andenkens beglaubigt, fo dafs an der Richtig-keit der Ueberlieferung nicht zu zweifeln ifh Eine andere, davon un-abhängige Frage ift, ob fich die fo hoch gehaltene Reliquie auchwirklich in natura bis heute erhalten habe und ob fie nicht fchonlängft ein Opfer der Zeit geworden und durch anderes Haar erfetztworden fei; denn fchwerlich dürfte man in den feidenweichen blondenKinderlocken, . welche gegenwärtig in einer Glaskapfel auf bewahrtwerden, Haare von der Leiche eines kränklichen, nahezu 57jährigenMannes erkennen. So kam die Reliquie imjahre 1873 mit H. S. HüsgensDürerfammlung an die Akademie der bildenden Künfte in Wien J ).

Die Kunde von Dürers Tode weckte weit und breit klagendenWiederhall und es kennzeichnet vollends feine gefchichtliche Stellung,wie fich die erften Männer feiner Zeit und feines Volkes bei diefemAnlaffe über ihn ausgefprochen haben. Zunächft war Nürnberg vondem Verlufte betroffen. So meldete Helius Eobanus Heffe in einemBriefe an den Erfurter Prediger Johannes Lang, dafs das Hinfeheidendes unvergleichlichen Mannes nahezu die ganze Stadt in Trauer ver-fetzt habe. Zugleich fchickte er demfelben das Gedicht, das er inaller Eile, zur Leichenfeier verfafst und veröffentlicht hatte unter demTitel: Epicedium in funere Alberti Dureri 1 2 * * * ). Ein anderes Exemplarfeines Epicedium hatte Eoban auch an Luther gefchickt, der ihmdarauf antwortete mit dem fchönen Segenfpruche: »Was Dürer be-trifft, ziemt es wohl dem Frommen, den beften Mann zu betrauern;du aber magft ihn glücklich preifen, dafs ihn Chriftus fo erleuchtetund zu guter Stunde fortgenommen hat aus diefen ftürmifchen undwohl bald noch ftiirmifcher werdenden Zeitläuften, damit er, der

1) Thaufing, Hüsgens Dürerfammlungund das Schickfal von Dürers fterbliclienUeberreften, Zeitfclirift f. bild. K. 1874.S. 321 ff.

2) Durerus nuper excessit e vita,

liomo incomparabilis ingenii, cuius causa

tantum non tota hrcc civitas est in luctu.

Nos illi scripsimus to imxrjSiov, quod

mittimus, sed valde tumultuarie, sicenim exigebatur. Celebraturi sumus homi-nis memoriam meliori aliquo elogio brevi,in quod et docti viri alii operas locabunt.Hel. Eob Hessii poetm et amicorum ipsiusepiftolarum familiarium libri XIT. Marburg

1543- S. 78.