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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XVII. Krankheit, Tod und fcliriftlicher Nachlafs.

Ob Dürer die akademifche Lobeserhebung des berühmten Ge-lehrten noch zu Geflehte bekommen hat, ift nicht bekannt. Sein balddarauf erfolgtes Ableben ftempelte diefelbe zu einer Grabrede, wasfie keineswegs hatte fein follen. In der That machte die Nachrichtvom Tode Dürers wenig Eindruck auf Erasmus. Am 26. April be-ftätigt er Pirkheimern den Empfang eines Briefes, der ihm zu grofsemTrofte gereicht hätte und doch war dies ohne Zweifel der Briefmit der Trauerbotfchaft. Dann fchreibt er weiter: »Was nützt esDürers Tod zu beklagen, da wir ja alle fterblich find? Ein Denkmalift ihm gefetzt in meinem Büchlein« als ob Dürer für feine Un-fterblichkeit des Rotterdamer Nothhelfers bedurft hätte! Dann erzähltErasmus gleich weiter von einem Gerüchte, das die Gelehrten zuBafel ungemein erheitert habe'). Die eifige Gleichgiltigkeit, die ausdiefen Worten fpricht, ift umfo merkwürdiger, als fie gewifs mit derArt, wie Pirkheimer den Tod Dürers gemeldet hatte, im fchneidendftenGegenfatze ftand. Er war durch den Verlufl des Freundes zu tieferfchüttert, um nicht auch Erasmus gegenüber ein Wort der Klagefallen zu laffen. Sonft war Erasmus freilich nicht der Mann, vor demer fein Herz hätte ausfehiitten können. Dafür befitzen wir ein anderesBeifpiel, das uns zeigt, welchen Ausdruck Pirkheimer damals feinemSchmerze zu leihen verftand. Es ift der Eingang eines Briefes aneinen Freund des Namens Ulrich vermuthlich ift darunter derStaatsmann Ulrich Varenbüler gemeint, welchem ja auch Dürer mitfeinem Bildniffe ein Zeugnifs feiner Liebe und Verehrung hinterlaffenhatte derfelbe lautet:

»Obwohl ein hohes Alter, mein lieber Ulrich, zu den vornehmftenWünfchen der Menfchen gerechnet zu werden pflegt, fo läfst fleh dochkaum etwas Verderblicheres erfinnen, als ein allzu langes Leben; dasempfinde ich nun von Tag zu Tag immer mehr. Denn abgefehenvon dem übrigen Ungemach des Alters und von all den verfchie-denen Arten der Krankheiten was kann es für den Menfchen Be-fchwerlicheres geben, als dafs er faft unaufhörlich nicht nur Kinderund Verwandte, die der Tod ihm raubt, fondern auch feine Freundeund zwar die Geliebteften unter ihnen betrauern mufs? Und doch ob-wohl ich fchon oft den Schmerz empfunden habe, der aus dem Ab-

sermonis pronuntiatione. Ulrich Hegner ,II. Iiolbein S. 137. Ii. Grimm a. a. O.142143. Zu derfelben Zeit, am 29, März152S fclirieb Erasmus an II. Botteus:Dürer porträtierte mich, aber ohne eineSpur von Aehnlichkeit.

1) Quid attinet Dureri mortem deplorare,quum simus mortales omnes? Epitaphiumilli paratum est in libello meo. Allatusest huc rumor, qui mire doctos exhilaruitetc. Pirkheimeri Opera 281.