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XVII. Krankheit, Tod und fchrifllicher Naclilafs.
1513 findet fich auf einem Blatte in der Heller’fchen Sammlung aufder königl. Bibliothek zu Bamberg . Dann folgt das Denkmal auf denSieg über aufftändifche Bauern, das fich aus lauter ländlichen Ge-fäfsen und Geräthfchaften zufammenfetzt; es trägt als Bekrönung, übereiner Hühnerfteige auf einem Schmalztopfe fitzend, einen trauernden,vom Schwerte durchbohrten Bauern. Vortrefflich entworfen ift eineGruppe gefeffelten Viehes, welche um den Fufs diefes Denkmalesangeordnet ift: Schafe, Schweine und zwei Rinder, namentlich dieletzteren fehr gefchickt verkürzt und ungleich naturwahrer als allefrüheren Darftellungen der Art. Der Entwurf dazu in Federzeichnungbefindet fich im Britifchen Mufeum. Endlich giebt Dürer demjenigen,welcher einem Trunkenbold auf fein Grab ein Denkmal aufrichtenwollte, folgendes böfe Recept: »Erftlich fein Grab (eine Art Sarko-phag), daran ein Epitaphium machen, das die Wolluft mit Gefpött lobet,und auf das Grab eine Biertonne aufrecht ftellen und oben mit einemBrcttfpiel zudecken; darauf zwei Schüffeln iibereinanderftürzen, darinwird Frefferei fein, darnach auf der oberen Schüffel Boden geflehteinen weiten niederträchtigen Bierkrug mit zwei Handhaben; das deckemit einem Teller zu und ftürze darauf ein hohes umgekehrtes Bier-glas und fetze auf des Glafes Boden ein Körblein mit Brod, Käfeund Butter«.
In der That zu gute Scherze, als dafs man fie ernfthaft nehmenfollte! Man täufchte fich denn doch, wenn man glaubte, Dürer hätteeinen, etwa an ihn gelangenden Auftrag wirklich in folcher Weifeausgeführt. Das find Producte des trockenen Verftandes und eineseben fo trockenen Humors, die mit den freien Kunftfchöpfungenwenig gemein haben. Auch ift nicht etwa anzunehmen, dafs diePhantafie und Empfindung Dürer in feinen letzten Jahren für derleiZierwerk verfagt habe. Statt jeder Einwendung gegen diefe Annahmediene die beifolgende Abbildung einer Zeichnung in der k. k. Am-brafer Sammlung zu Wien , darftellend eine Brunnenfcliale mit Schlangenals Waffcrfpeicr aus dem Jahre 1527. Als Brunnenfigur fleht obenein kleiner Landsknecht mit der Fahne in der Hand. Man wird ein-räumen, dafs der Entwurf an Einfachheit wie an Gefchmack nichts zuwünfehen übrig läfst.
In diefem Jahre trat Dürer zugleich als F'achmann in einem be-fonderen Zweige der Baukunft auf, welcher weniger der Verzierungals vielmehr dem gemeinen Nutzen gewidmet ift, nämlich als Kriegs-baumeiftcr. Im üctobcr 1527 veröffentlichte er feinen »Unterrichtzur Beteiligung der Städte, Schlüffer und Pleckcn«. Das fchön aus-geftattete Buch ift dem Reichsftatthalter König IArdinand I. von Ungarn